Weiberfatsnacht

Schlipse und Schlüssel einkassiert

Rathaussturm Erndtebrück

Die örtlichen Karnevalsvereine EKV und ECC haben das Rathaus gestürmt und eine Sitzung im Ratssaal abgehalten. Bürgermeister Henning Gronau (SPD) hat den Schlüssel übergeben und sich die Krawatte abschneiden lassen. Video und Schnitt Lars-Peter Dicke

Die örtlichen Karnevalsvereine EKV und ECC haben das Rathaus gestürmt und eine Sitzung im Ratssaal abgehalten. Bürgermeister Henning Gronau (SPD) hat den Schlüssel übergeben und sich die Krawatte abschneiden lassen. Video und Schnitt Lars-Peter Dicke

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Erndtebrück.   Nicht der Wahnsinn hat hier Methode, die Narren haben Tradition! Gleich zwei Vereine stürmen in Erndtebrück zu Weiberfastnacht das Rathaus.

Nicht der Wahnsinn hat hier Methode, die Narren haben Tradition! „Erndtebrück ist die Karnevalshochburg im Kreis Siegen-Wittgenstein“, sagt Meik Gebhardt vom Erndtebrücker Karnevals Verein (EKV) und fügt hinzu: „Wo sonst stürmen seit Jahren zwei Vereine das Rathaus?“

Stürmen ist in diesem Fall sogar mehr als nur eine Methaper, denn der Ratssaal ist am Weiberfastnachtsmorgen bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Funkemariechen von EKV und ECC den Bürgermeister Henning Gronau in den Saal führen. Der Verwaltungschef hat sich den charmanten Damen ergeben, um kurz darauf den Schlüssel des Rathauses an Gebhardt zu übergeben und wenig später auch die Krawatte zu verlieren.

Flankiert wird die Szene nicht nur von den vielen Mitgliedern der Tanzgarden beider Vereine, sondern auch von Dominik Buch vom Erndtebrücker Carnevals Club. Der hat genau recherchiert: Seit 1984 wird das Rathaus pünktlich an Weiberfastnach erstürmt, und Buch hat nachgerechnet, er selbst und sein Moderatoren-Kollege Gebhardt waren da noch gar nicht auf der Welt. Das heißt, in der Karnevals-Diaspora Wittgenstein hat sich eine Tradition entwickelt, die im gesamten Kreis ihresgleichen sucht und wohl noch lange fortbestehen wird, wenn man auf die vielen Kinder in den Jugendgarden blickt, die der ECC und EKV als Botschafter in ihrer Sache mobilisieren können.

Närrische Streitmacht siegt

Später dann teilte sich die Streitmacht des Frohsinns auf. Der ECC stürmte traditionell die Hachenbergkaserne und der EKV zog weiter in die DRK-Kinderklinik Siegen.

Siegen war in beiden Fällen Programm: Hochmoderne Luftballonbarrieren, Konfettikanonen sowie Frauen und Männer, die sich den stürmenden Närrinnen und Narren entgegenwarfen. All das hatte auf dem Hachenberg keinen Erfolg, und Oberst Hoffmann musste die Schlacht für geschlagen erklären. „Ich hatte gehofft, dass die Abwehrmaßnahmen in diesem Jahr greifen“, erklärte der Oberst, fügte aber hinzu: „Da jedoch zwei Herzen in meiner Brust schlagen, bin ich nicht wirklich traurig und gönne dem ECC den Sieg.“

Anstelle der Kapitulationsurkunde überreichte Oberst Hoffmann im Anschluss den Kasernenschlüssel an den Vize-Präsidenten des ECC, Dominik Buch. „Wie man unschwer erkennen kann, haben wir es zum 34. Mal geschafft, trotz erheblichem Widerstand durchzubrechen“, betonte Buch zufrieden.

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