Mediengeschichte

Radiomuseum: Wie sich das Radio zum Massenmedien entwickelte

Ein altes Tefifon Radiogerät

Ein altes Tefifon Radiogerät

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bad Laasphe.  Dr. Hans-Jürgen Krug, Medienwissenschaftler aus Hamburg, zeigt in seinem Vortrag in Bad Laasphe die Veränderungen des Massenmediums auf.

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Ein gern gesehener Gast im Internationalen Radiomuseum ist Dr. Hans-Jürgen Krug, der - nach dem Studium der Germanistik und der Politikwissenschaft in Marburg – als Medienjournalist und Medienwissenschaftler in Hamburg lebt. Er ist Lehrbeauftragter am Institut für Medien und Kommunikation der Universität Hamburg und konzipiert medienbezogene Tagungen und Projekte. Zu seinen Buchveröffentlichungen gehören „Radiolandschaften“, „Kleine Geschichte des Hörspiels“ und das Lehrwerk „Radio“. In einer Lesung im Internationalen Radiomuseum stellte Dr. Krug jetzt das 2019 veröffentlichte Buch „Grundwissen Radio. Eine Chronik des Massenmediums“ vor.

„Achtung, Achtung! Hier ist die Sendestelle Berlin. Im Voxhaus. Auf Welle 400 Meter. Meine Damen und Herren! Wir machen Ihnen davon Mitteilung, dass am heutigen Tage der Unterhaltungsrundfunkdienst mit Verbreitung von Musikvorführungen auf drahtlos-telefonischem Wege beginnt.“ Mit dieser Ansage startet am 29. Oktober 1923 um 20 Uhr die Rundfunkgeschichte in Deutschland. Es war das erste elektronische Massenmedium, ein tertiäres Medium; Rundfunk ist ausschließlich mit einem Empfangsgerät nutzbar, darin unterscheidet er sich elementar von den technikfreien und mit dem menschlichen Körper verbundenen Primärmedien. Und von den Sekundärmedien, bei denen Technik – wie etwa bei der Zeitung – nur zur Produktion nötig ist. Die ersten Funksendungen sind allerdings nur im Berliner Umland zu hören. Ende 1923 gibt es rund 1000 registrierte Hörer. 2018 besitzt jede Person in Deutschland durchschnittlich 3,5 Radiogeräte (inklusive Autoradio).

1924 reist ein Herr Direktor Soller nach Laasphe und stellt im damaligen Kurhaus Kohlstädt Radioempfangsanlagen vor. Das Radio wird die Völker aus schläfriger Stumpfheit erwecken, schwärmt Albert Einstein. Wie inspirierend dieses Urerlebnis war, ist heute kaum mehr nachvollziehbar. Das Radio wird im Laufe der Zeit zum Unterhaltungs-, Bildungs-, Kunst- und Informationsmedium.

Das Publikum erreichen

Dr. Hans-Jürgen Krug beschreibt in seinem neuen Buch die Veränderungen des Hörfunks seit seinem Start im Jahr 1923 in Deutschland und bezieht dabei die ganz aktuellen Entwicklungen bis zur neuen Mobilfunktechnologie 5G nach. Erst in der langen Zeitlinie werden die drastischen Veränderungen deutlich, die das Radio in fast 100 Jahren durchgemacht hat. Bimedialität, Trimedialität, Crossmedia oder Multimedia – viele Begriffe, die gleichen Fragen: Wie erreichen die Macher ihr Publikum in einer unübersichtlicher werdenden Medienlandschaft? Welche Anspielwege sind relevant? Welche Darstellungsformen funktionieren auf welchen Plattformen? Fernsehen, Hörfunk, Online und Social Media.

Dr. Krug geht in der Lesung nicht nur auf diverse Sender- und Formatstrategien ein, sondern erzählt auch vom Wandel, den klassische Genres wie Nachrichten, Politik, Kultur oder Unterhaltung erfahren haben. Zeitleisten und übersichtlich aufbereitete Fakten erleichtern den Einstieg und runden die Chronik des faszinierenden Mediums ab.

Einzelne Kapitel sind überschrieben mit „Elf Fakten zum Medium Radio“, „Ein faszinierendes Massenmedium“, „Ökonomie“, „Politik“, „Unterhaltung“ „Kultur“ und „Werbung“. In ihnen zeigt der Autor auf, dass das „alte Radio“ ein Massenmedium geblieben ist, das einen kollektiven Erlebnisraum mit lebendigen Menschen schafft. Verlässlichkeit und Regelmäßigkeit aber sind nur eine Seite des alten Radios. Die andere Seite ist seine Abwechslung, ist die Überraschung, mithin das Prinzip der Wundertüte. Es ist jener besondere Mix aus Überraschung und Verlässlichkeit, aus Inhalt und Anmutung, die das Broadcast-Radio alle Veränderungen, auch die der digitalen Medienrevolution hat überleben lassen – bisher jedenfalls.

Die Zuhörer stiegen – unter ihnen Vertreter des „Radio Unerhört“ aus Marburg – zum Ende der Lesung in eine lebhafte Diskussion ein und betonten den Wert der Publikation als Einführung oder Überblick für Studenten, Radiomacher oder Leser mit Interesse am Hörfunk.

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