Fall fürs Schöffengericht

Polenböller und Sprengstoff gehortet: Berleburger angeklagt

Bei Durchsuchungen von bundesweit 53 Wohnungen und Lagern, darunter zwei in Bad Berleburg, stellt der Zoll insgesamt 315 Kilogramm "Netto-Explosivmasse" sicher. Eine Sprengkugel diente im Wiesenweg als vorübergehendes Lager der Funde.

Bei Durchsuchungen von bundesweit 53 Wohnungen und Lagern, darunter zwei in Bad Berleburg, stellt der Zoll insgesamt 315 Kilogramm "Netto-Explosivmasse" sicher. Eine Sprengkugel diente im Wiesenweg als vorübergehendes Lager der Funde.

Foto: Zoll

Bad Berleburg.  „Die Durchsuchung in Bad Berleburg war schon die spektakulärste“, erklärte Dr. Christoph Hebbecker, Staatsanwalt bei der ZAC in Köln.

Bundesweit hat der Fall für Furore gesorgt, der demnächst vor dem Schöffengericht in Bad Berleburg verhandelt werden wird. Ein 43-jähriger Bad Berleburger muss sich wegen mehrerer Verstöße gegen das Sprenggesetz und dem Besitz von Betäubungsmitteln in nicht erlaubter Menge verantworten.

„Die Anklageschrift ist in Bad Berleburg eingegangen. Einen Termin für die Verhandlung gibt es aber noch nicht“, bestätigte der Sprecher des Landgerichtes, Dr. Sebastian Merk, auf Nachfrage dieser Zeitung. Ein Fall für das Schöffengericht ist es deshalb, weil die Strafandrohung über das Maß von zwei Jahren Haft hinaus geht. „Die Bandbreite in der Strafandrohung ist groß, sie reicht von einer Geldstrafe bis zu einer dreijährigen Haftstrafe“, erläutert Dr. Merk.

Merk zitiert aus der Anklageschrift, die die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime der Staatsanwaltschaft Köln verfasst und bereits am 23. Mai versandt hat. Konkret wird dem 43-Jährigen ein Verstoß gegen die Paragrafen 15 und 27,1 Sprenggesetz vorgeworfen. Damit ist er angeklagt, explosionsgefährliche Stoffe nach Deutschland eingeführt bzw. aus dem Ausland bestellt zu haben und damit umgegangen zu sein, ohne eine behördliche Erlaubnis und einen notwendigen Nachweis der Sachkunde zu erbringen. Im Grunde handelt es sich zwar um Ordnungswidrigkeiten, aber die schiere Menge der sichergestellten Beweisstücke macht den Fall besonders.

60 Kilo Explosivmasse

Insgesamt waren allein in zwei Bad Berleburger Verstecken 60 Kilogramm explosiver Stoffe gefunden worden, so Sebastian Merk. Insgesamt seien es 634 pyrotechnische Objekte gewesen. Dabei habe es sich laut Anklageschrift auch um teilweise besonders gefährliche Objekte der höchsten Kategorien F3 und F4 gehandelt. Hinzu kommt der Besitz von Chemikalien, mit denen sich explosionsfähige Stoffe herstellen lassen.

Der Bad Berleburger Fund war damit laut der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime der größte Einzelfund einer europaweiten Razzia: „Die Durchsuchung in Bad Berleburg war schon die spektakulärste“, erklärte Dr. Christoph Hebbecker bereits im Juni 2019 gegenüber dieser Redaktion. Der Staatsanwalt und Pressesprecher der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime in NRW (ZAC) machte das an der großen Menge hochexplosiver Stoffe und den Amphetaminen – also Rauschmitteln – fest, die gefunden worden waren. Immerhin hatte es im Juni bereits Entwarnung in einem Punkt gegeben: „Wir konnten keinerlei Hinweise auf einen terroristischen oder religiösen Hintergrund feststellen“, so Dr. Hebbecker.

Anfang Dezember 2018 waren Wohnhäuser und Lagerstätten in Deutschland, Polen und den Niederlanden durchsucht worden. Europaweit waren 57 Personen vorläufig festgenommen worden. Der jetzt in Bad Berleburg angeklagte 43-jährige befand sich zu diesem Zeitpunkt nicht an seinem Wohnort und wurde nicht festgenommen.

Gefährliche Selbstlaborate

Insgesamt konnten in Deutschland 27.264 Stück Feuerwerkskörper mit einer Nettoexplosivmasse von 315 Kilogramm sichergestellt werden. In Bad Berleburg waren es neben den umfangreichen Mengen an illegaler Pyrotechnik auch zahlreiche Selbstlaborate, die ein erhebliches Gefahrenpotenzial und Verletzungsrisiko bargen. Deshalb musste damals sieben Mehrfamilienhäuser evakuiert werden. Teilweise wurde das gefährliche Material durch herbeigerufene Sprengmeister in mehreren Sprengungen auf einer Wiese oberhalb der Stadt vernichtet, da es als nicht transportfähig eingestuft worden war.

Der jetzt angeklagte 43-Jährige Bad Berleburger wird darüber hinaus auch wegen Drogenbesitzes angeklagt. In diesem Bereich ist der Mann einschlägig vorbestraft. Neben einer Geldstrafe war er vor mehreren Jahren auch zu einer zweijährigen Haftstrafe zur Bewährung verurteilt worden.

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