Energie & Umwelt

NaBiWo-Arbeitskreis stellt Projekt für Nahwärmenetz ein

Juni 2017: Der Arbeitskreis Nahwärmenetz Birkelbach-Womelsdorf stellt seine Machbarkeitsstudie in der Mehrzweckhalle Birkelbach vor. Viel Applaus gab es für die Vorarbeiten des Arbeitskreises.

Juni 2017: Der Arbeitskreis Nahwärmenetz Birkelbach-Womelsdorf stellt seine Machbarkeitsstudie in der Mehrzweckhalle Birkelbach vor. Viel Applaus gab es für die Vorarbeiten des Arbeitskreises.

Foto: Eberhard Demtröder

Birkelbach/Womelsdorf.   Wärme per Rohrleitung für Haushalte in Birkelbach und Womelsdorf – das wird es nun wohl doch nicht geben. Die Initiatoren nennen mehrere Gründe.

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Der „NaBiWo“-Arbeitskreis gibt bekannt, die Projektarbeit für ein Nahwärmenetz in Birkelbach und Womelsdorf einzustellen. Der Internet-Auftritt www.nabiwo.de ist bereits vom Netz.

Die letzte geplante Bewohner-Umfrage

„Noch im Januar hatte der Arbeitskreis eine erneute Umfrage unter den Dorfbewohnern geplant, da das Betriebsmodell mit besseren Rahmenbedingungen, sprich günstigeren Preisen für die Interessierten, verbessert wurde“, so Alexander Blecher für den Arbeitskreis. „Prinzip dabei war, statt dem großen Wurf erst einmal einzelne Sektionen an ein Netz anzuschließen. Zur geplanten Umfrage zum Modell ist es nicht mehr gekommen. Innerhalb des Arbeitskreises wurde nun beschlossen, die Projektarbeit aufgrund der Schwierigkeiten nicht mehr fortzusetzen.

Die Gründe für das Aus

Insgesamt drei Gründe liegen für die Einstellung des Projektes vor, so Blecher: „Dabei handelt es sich um die Schwierigkeiten in der ehrenamtlichen Projektarbeit, die wirtschaftlich anspruchsvollen Rahmenbedingungen des Projekts sowie das teils durchwachsene Interesse.“

Die Konditionen

Nach Einschätzung des Arbeitskreises waren die angebotenen Konditionen des Nahwärmenetzes „durchaus attraktiv“, so Blecher. „Insbesondere die potentiellen Synergien mit der Firma Beuter hätten die Kosten gesenkt. Nachteilig seien jedoch die großen Entfernungen zwischen den Anschlussnehmern gewesen. Sicher: „Bei einem Vollanschluss hätten insbesondere die großen Leitungslängen zu hohen Kosten geführt“, sagt Blecher – aber „trotzdem wäre das gesamte Netz wirtschaftlich zu betreiben gewesen“. Die Gesamtkosten für die möglichen Interessierten aus Womelsdorf und Birkelbach lagen unter denen einer Ölheizung oder deutlich unter denen der noch weit verbreiteten Nachtspeicherheizungen.

Die Interessenten

Es ist dem Arbeitskreis jedoch nicht gelungen, genug Interessierte von der Wirtschaftlichkeit und dem Versorgungsprinzip zu begeistern. Insbesondere wurden oft die Kosten des Nahwärme-Netzes ausschließlich mit den Brennstoff-Kosten der heimischen Heizung verglichen. „Dass beispielsweise dazu Kosten für Schornsteinfeger, die Abschreibung für die Technik und eine mögliche Tankreinigung hinzukommen, konnte nicht in ausreichendem Maße vermittelt werden.“ Der potentielle Glasfaseranschluss und weiche Faktoren – unter anderem weniger Organisation, Umweltschutz, mehr Platz im Keller, da keine Heizung, Preisunabhängigkeit – sorgten laut Blecher „ebenfalls nicht für ausreichendes Interesse“.

Die Mitglieder-Mobilisierung

Für den Arbeitskreis stellt es sich als große Schwierigkeit heraus, einzelne Mitglieder zu mobilisieren, welche eine größere Verantwortung übernehmen würden. Zu den Treffen erschienen stets zahlreiche Arbeitskreis-Mitglieder. Es ist jedoch nicht gelungen, eine förmliche Struktur mit Verantwortlichkeiten aufzubauen. Blecher: „Schließlich ist es nicht leicht, Verantwortung für ein potenzielles Projekt mit Kosten von bis zu sieben Millionen Euro zu gewinnen.“ Außerdem seien in beiden Orten viele Menschen stark in aktuelle Projekte wie die Mehrzweckhalle, den neuen Dorfplatz oder ins Vereinsleben um Sportverein oder Feuerwehr eingebunden.

Der Rettungsversuch

„Der Weg, letztlich das Projekt über Etappen in Angriff zu nehmen, erwies sich als richtig“, meint Blecher, „aber konnte das Projekt nicht mehr retten.“ Grundsätzlich jedoch „lohnt sich Nahwärme – und die Region Wittgenstein bietet sich als sehr waldreiche Gegend dafür an“, so Blecher weiter. Das Projekt NaBiWo zeige zugleich, dass es eben „kein Selbstläufer“ sei. Vielleicht sollte man „kleiner anfangen, als wie bei NaBiWo direkt die Millionenlösung umsetzen zu suchen“, meint Blecher – also ohne Investor als Partner und auf sich gestellt.

Die Ehrenamtlichen

„Für den Ehrenamtlichen war NaBiWo eine interessante Erfahrung“, ist Blecher überzeugt. „Mit genug Engagement und entsprechendem Team, einer guten Kommunikation und einem klaren Projektmanagement hat ein solches Nahwärme viel Potential für eine Siedlungsstruktur, wie die Beteiligten bei anderen Vergleichsobjekten gesehen haben.“

Wie Blecher weiter mitteilt, hoffen die Arbeitskreis-Mitglieder, „dass durch NaBiWo Impulse in der Region gesetzt werden konnten“. Und: „Gerne stehen die Arbeitskreis-Mitglieder anderen Orten mit Rat und Tat zur Seite, sofern ähnliche Ideen umgesetzt werden sollen.“

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