Erste Hilfe

Mit klaren Ansagen Leben retten – der Defibrillator hilft

Im Bild Defi-Schulung Defibrillations-Training mit dem Defi-Simulator und einer Übungspuppe: Thomas Weber (links) von der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzenau gibt praktische Tipps, Patrick Lauber (vorne ) ist der Meinung: „Gut, dass wir für den Ernstfall proben konnten."

Im Bild Defi-Schulung Defibrillations-Training mit dem Defi-Simulator und einer Übungspuppe: Thomas Weber (links) von der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzenau gibt praktische Tipps, Patrick Lauber (vorne ) ist der Meinung: „Gut, dass wir für den Ernstfall proben konnten."

Foto: Irmtraud Treude

Schwarzenau.   Erste Hilfe kann Leben retten. Das wissen wir alle. Für die Führerscheinabsolventen ist ein Grundkurs Pflicht. Bei vielen Berufen gehören Erste-Hilfe-Kurse zum Standard.

Erste Hilfe kann Leben retten. Das wissen wir alle. Für die Führerscheinabsolventen ist ein Grundkurs Pflicht. Bei vielen Berufen gehören Erste-Hilfe-Kurse zum Standard. Im Sportbereich müssen manche Übungsleiter ebenfalls regelmäßig an den Kursen teilnehmen. Für den „normalen Bürger“ besteht in der Regel keine Pflicht, in regelmäßigen Abständen sein Wissen um die lebensrettenden Sofortmaßnahmen aufzufrischen.

Der Vorstand des Vereins „Wir in Schwarzenau“ hatte sich zu diesem Thema Gedanken gemacht. In Zusammenarbeit mit der Löschgruppe Schwarzenau der Freiwilligen Feuerwehr lud der WiS am in den Schulungsraum des Feuerwehrgerätehauses ein. Frei nach dem Motto „Was tun, wenn’s brenzlig wird?“ wurden die Teilnehmer in die Handhabung eines Defibrillators eingewiesen. Thomas Weber von der Löschgruppe Schwarzenau schult die Feuerwehr-Mitglieder in Schwarzenau regelmäßig praxisnah im Umgang mit dem Defi an einem Übungsgerät.

280 000 Infarkte pro Jahr

werden in Deutschland gezählt, über 100 000 Menschen sterben daran. Kammerflimmern ist die häufigste tödliche Herzrhythmusstörung. Schon nach wenigen Minuten erleidet der Mensch irreparable Gehirnschäden. Kammerflimmern kann nur durch den Einsatz eines Defibrillators - also durch einen Stromstoß - beendet werden.

90 Prozent Überlebenschance mit einem Defibrillator

Die Überlebenschancen bei Kammerflimmern, sind gleich Null, wenn keine Herz-Lungen-Wiederbelebung erfolgt. Bei Wiederbelebungsmaßnahmen ohne Defibrillation besteht eine Chance von ungefähr 7,5 Prozent. Bei frühen Wiederbelebungsmaßnahmen und einer frühen Defibrillation steigen die Überlebenschancen schon auf über 30 Prozent und bei einer frühen Wiederbelebung mit sofortiger Defibrillation hat der Patient sogar eine Überlebenschance von über 90 Prozent.

Als Laie hat man häufig Angst etwas falsch zu machen oder dem Patienten mehr zu schaden als zu helfen. Vor dem Gebrauch eines Defibrillator schreckt mancher etwas zurück, besteht doch Sorge, man könnte mit den Stromstößen einen Schaden beim Patienten anrichten. Aber diese ganzen Ängste sind vollkommen unbegründet. Das stellten am Donnerstag auch die Teilnehmer fest.

Die automatisierten externen Defibrillatoren (AED) sind für jeden Laien einfach zu bedienen. Inzwischen findet man die Geräte an immer mehr öffentlichen Orten. Von Vorteil ist es im Ernstfall natürlich, wenn ein oder mehrere Helfer den Patienten mitversorgen: Eine holt den Defi, die anderen übernehmen in der Zeit bereits die Erstversorgung mit eventueller Herz-Lungen-Wiederbelebung. Das Gerät hat in etwa die Größe eines kleinen Koffers und ist mit einem Tragegriff versehen. So kann es problemlos transportiert werden.

Findet man eine verunfallte Person, prüft Ersthelfer zuerst den allgemeinen Zustand der Person. Ist der Patient allerdings nicht ansprechbar oder bewusstlos und seine Vitalfunktionen wie Atmung und Puls nicht mehr oder nur gering wahrzunehmen, kommt der Defibrillator zum Einsatz. Das Gerät wird neben dem Patienten aufgestellt. Bereits beim Öffnen des Gerätes ist man mit der Rettungsleitstelle verbunden.

Das Gerät selbst gibt genaue Anweisung, wie weiter zu verfahren ist. Zuerst wird der Oberkörper des Patienten frei gemacht und die Elektroden angelegt. Hierzu bekommt der Ersthelfer auch ausführliche Informationen, wie und wo die Teile angebracht werden sollen. Es ist auch nicht zu befürchten, dass man einen Stromstoß unfreiwillig auslöst.

Keine Gefahr für Helfer

Durch das Anlegen der Elektroden misst das Gerät automatisch den Puls des Patienten. Ist ein Stromstoß notwendig, kommt die entsprechende Anweisung, dass man die Beatmung oder Herzmassage einstellt und ein Stromstoß erfolgt. Zeigt der Kreislauf des Patienten keine Wirkung, wird zunächst mit der Wiederbelebung weitergemacht und kurze Zeit später noch einmal ein Stromstoß ausgelöst.

Der Defi gibt auch zusätzlich den Takt für Herzmassage und den Zeitraum der Beatmung vor. Sollte ein Helfer unsicher werden, hat man immer noch Unterstützung durch die Leitstelle im Hintergrund. Bis zum Eintreffen des Notarztes ist man immer noch mit der Leitstelle verbunden.

Allerdings ersetzt auch der erfolgreiche Einsatz des Defis nicht die Herzmassage und die Beatmung. Auch nach gelungener Reanimation muss durch diese Maßnahmen im Prinzip ein Minimalkreislauf erzeugt werden, um das Absterben von Gehirnzellen zu verhindern.

Sollte bei dem Patienten bereits nach der ersten Reanimation wieder ein Puls zu fühlen sein und die Atmung geht normal, muss nicht weiter beatmet werden. Allerdings ist es sinnvoll, die Elektroden nicht abzunehmen. Nachdem der Patient in die stabile Seitenlage gebracht worden ist, sollte er, wie bei anderen Erste-Hilfe-Maßnahmen auch, mit einer Decke oder Jacke zugedeckt werden. Zwischendurch muss immer wieder geprüft werden, ob der Patient weiterhin stabil ist.

Bereits Erste Leben gerettet

Leider gibt es Defibrillatoren nicht in jedem Ort. Die öffentlich zugängigen Geräte werden durch Spenden oder von Firmen angeschafft. Bei der Löschgruppe Schwarzenau ist ein Rettungswagen mit einem Defibrillator versehen. Einmal kam er zum Einsatz und dabei wurde einer Jugendlichen das Leben gerettet.

Thomas Weber konnte am Donnerstag viele Fragen beantworten und durch die praktischen Übungen wurden auch ganz schnell die letzten Unsicherheiten bei den Teilnehmern ausgeräumt. Patrick Lauber vom „Wir in Schwarzenau“ Vorstand war der Meinung: „Es war sinnvoll, die Einführung anzubieten. So sind wir auf jeden Fall auf einen eventuellen Notfall besser vorbereitet.“

Es bestehen bereits Überlegungen, die Defi-Einweisung auch zukünftig und regelmäßigen Abständen für die Schwarzenauer Bürger und alle Interessierten anzubieten.

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