Sexualisierte Gewalt

Kreis möchte Kinder und Jugendliche vor Missbrauch schützen

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Der Kreis Siegen-Wittgenstein plant eine neue Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt.

Der Kreis Siegen-Wittgenstein plant eine neue Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt.

Foto: Julian Stratenschulte

Der Kreis Siegen-Wittgenstein plant eine neue Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt.

Siegen-Wittgenstein. Der Kreis Siegen-Wittgenstein möchte eine Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen einrichten und eine entsprechende Stelle schaffen. Das schlägt Landrat Andreas Müller jetzt vor: „Seit 2013 ist die Zahl an gesicherten Fällen von sexualisierter Gewalt um ein gutes Drittel gestiegen. Erfasst sind bundesweit 3000 Fälle pro Jahr – im Schnitt also 8,2 pro Tag. Die Polizei geht für das Jahr 2019 sogar von 15.701 Fällen sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen in ganz Deutschland aus. Die Dunkelziffer dürfte sogar noch höher sein. Der Missbrauch von Kindern in Lügde ist da nur die sichtbare Spitze des Eisberges. Vieles passiert leider unter dem Radar“, so Müller. „Deshalb möchten wir mit unserem Jugendamt stärker für diese Fragen sensibilisieren, die Aufklärung intensivieren und die Präventionsarbeit stärken.“

Das Kreisjugendamt hat ein Konzept für die Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen entwickelt. Der Jugendhilfeausschuss wird am 2. März 2021 erstmals darüber beraten, der Kreistag wird dann am 19. März über die Einrichtung der Fachstelle entscheiden.

Schon 1992 hat der Jugendhilfeausschuss einem Kinderschutzkonzept der Kreisverwaltung zugestimmt. Das beinhaltete ebenfalls die Schaffung einer spezialisierten Koordinationsstelle gegen sexuellen Missbrauch. Daraus entstand eine Arbeit, die darauf ausgerichtet war, die Entstehung einer Beratungs- und Hilfestruktur in der Region zu begleiten. Als diese Ziele erreicht waren, wurde die Arbeit beendet. Die erfolgreichen Ergebnisse haben bis heute Bestand: z.B. die Beratungsstelle „Mädchen in Not“ oder die ärztliche Beratungsstelle an der DRK Kinderklinik.

Das Konzept

„Wenn Kinderschutz gelingen soll, brauchen wir zunächst ein gemeinsames Grundverständnis und eine gemeinsame Grundhaltung aller Beteiligten. Wir müssen eine Verantwortungsgemeinschaft bilden“, sagt Müller. „Das gilt für uns innerhalb der Kreisverwaltung, aber auch für unsere Partner: z.B. Polizei, Schulen, Gesundheitshilfe, Staatsanwaltschaft oder Gerichte.“

Hier soll die Arbeit der neuen Fachstelle des Kreises ansetzen. Sie soll, so sieht es das Konzept vor, nach innen in die Kreisverwaltung wirken, aber auch nach außen. Nach innen ist das Ziel, den Fachkräften des Jugendamtes, Lehrkräften, Erziehern und Sozialarbeitern ein erweitertes Wissen über sexualisierte Gewalt zur Verfügung zu stellen, damit sie in der Lage sind, Minderjährige zu schützen und ihnen zu helfen. Gleichzeitig werden diese Partner in die Lage versetzt, das erworbene Wissen als Multiplikatoren weiterzugeben. Nach außen hin sollen Schnittstellen zwischen den verschiedenen Berufen und Akteuren geschaffen werden. Dazu gehören etwa Lehrkräfte, Ärzte, Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger, Ehrenamtliche in der Kinder und Jugendarbeit aber auch kommunale Entscheidungsträger. Zudem sollen pädagogische Fachkräfte und andere soziale Akteure bestmöglich ausgebildet werden, damit auch sie ein gesichertes Grundlagenwissen zu sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche haben.

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