Lehrer-Raum-Prinzip

Klassenzimmer in Wittgenstein: Cora Klenner und die Pflanzen

Cora Klenner liebt Pflanzen. Hier erklärt sie den Schülern der 9b einen Christusdorn. Die Pädagogin hat sich ihren Raum selbst eingerichtet, alle Klassen kommen zu ihr. Sehr gerne übrigens.

Foto: Christoph Vetter

Cora Klenner liebt Pflanzen. Hier erklärt sie den Schülern der 9b einen Christusdorn. Die Pädagogin hat sich ihren Raum selbst eingerichtet, alle Klassen kommen zu ihr. Sehr gerne übrigens. Foto: Christoph Vetter

Erndtebrück.   Cora Klenner, Biologie-Lehrerin an der Realschule Erndtebrück, zeigt ihre grüne Oase. Schüler schätzen die Wohlfühl-Atmosphäre zum Durchatmen.

Cora Klenner liebt die Natur und interessiert sich für alles, was wächst, krabbelt, schwimmt oder auf zwei Beinen laufen kann. Kein Wunder, dass die Lehrerin an der Realschule Erndtebrück zu Hause Hühner hält. Eine fette Henne hängt samt Küken in ihrem Klassenzimmer – auf einem Foto. Echt und lebendig sind allerdings 19 Topfpflanzen – vom Mini Ficus bis zur brusthohen Zimmerlinde.

Der Raum offenbart auf den ersten Blick: Cora Klenner unterrichtet Biologie. Stimmt, aber nicht nur. Heute ist die 9b zum Deutsch-Unterricht gekommen. Der darf mit Verspätung beginnen, weil Schulleiterin Diana Sorg erlaubt, dass Cora Klenner ihren „eigenen“ Klassenraum der Heimatzeitung vorstellt.

„Es ist zehn Jahre her, als wir das Lehrer-Raum-Prinzip eingeführt haben“, erinnert sich die Lehrerin an die Steuergruppe aus dem Kollegium, die damals das System in anderen Schulen angeschaut hat. Diana Sorg: „Nach einer Probephase haben wir das Prinzip dann eingeführt. Manche Kollegen haben sich fachlich orientiert...“. Und so liegt es auf der Hand, dass der Raum eines Mathe-Lehrers natürlich anders aussieht als der von Hühner-Halterin Klenner.

Sauerstoff zum Denken

„Es ist eine tolle Abwechslung für uns. Ich liebe diesen Raum“, ist Chantal ehrlich. Klassenkameradin Lisa lobt: „Für mich ist das einer der schönsten Räume. Die Pflanzen gefallen mir. Sie schaffen eine wohnliche Atmosphäre – so wie zu Hause.“ Das bestätigt Jonas: „Hier ist es nicht so kahl. Der Raum hat Wohlfühl-Charakter.“ Und Jan weiß: „Die Blumen produzieren Sauerstoff. Den braucht man zum Denken und zur Konzentration.“

Nur Vorteile also? Beide Pädagoginnen nicken zustimmend. „Auch wenn manche Kollegen meinen Klassenraum als ,grüne Hölle’ bezeichnen, so erfüllt er doch den pädagogischen Zweck,“ betont Cora Klenner. Sie gibt gern zu, dass es „bei mir zu Hause nicht anders aussieht. Viele Blumen. Und es gibt Tage, da blühen sie auch im Klassenzimmer.“ Mitunter übernehmen Schüler das Gießen.

Schule hält am Lehrer-Raum-Prinzip fest

Vor den Ferien räumt die Lehrerin aus. Dann ist ihr Auto voll gepackt mit den Topfblumen, die den Sommer oder Winter dann in der Wohnung Klenner in Deuz verbringen. Aber zum Ende der Ferien wird wieder eingeräumt... An Wänden und Schranktüren bleiben übrigens die großformatigen Naturfotografien mit Schmetterlingen und auch die bunte Lichterkette „für die 10er“ hängen.

Am Lehrer-Raum-Prinzip will die Realschule auf jeden Fall festhalten. Das Prinzip komme dem Schüler und dem Lernen sehr entgegen, sagt Direktorin Sorg und weist auf die Bedeutung einer sinnvollen Umgebung hin, die den Schülern auch Gestaltungsmöglichkeiten aufzeige. Außerdem – und das sei nicht unwichtig: „Die Kinder und Jugendlichen sehen den Lehrer als Persönlichkeit. Man ist ja auch nur ein Mensch, und das zeigt sich im Klassenraum.“

Ach ja: Und den Schülern schadet es nicht, wenn sie zum Unterrichtswechsel mal in Bewegung kommen.

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