Backhaus

Gemeinschaft backt über 250 Brote beim Girkhäuser Brotmarkt

Steffen Schmidt (rechts) lernt Sohn Ferdinand im Backhaus an. Der 16-Jährige zieht die Glut aus dem Ofen.

Steffen Schmidt (rechts) lernt Sohn Ferdinand im Backhaus an. Der 16-Jährige zieht die Glut aus dem Ofen.

Foto: Ute Schlapbach

Girkhausen.  Seit 25 Jahren veranstaltet der Verkehrs- und Heimatverein den Brotmarkt in Girkhausen. Auch Jugendliche werden an die Tradition herangeführt.

„Das ist was Uriges!“ Der Duft von Holz und frisch gebackenem Brot zog bereits seit Donnerstagabend durch Girkhausen. Und Brot ist auch das Stichwort für den beliebten Markt, der am Samstag zum 25. Mal vom örtlichen Verkehrs- und Heimatverein veranstaltet wurde und nicht nur die Girkhäuser Richtung Dorfmitte zog, sondern unter anderem auch Gäste aus Wittgenstein sowie dem benachbarten Sauer- und Siegerland.

Entschleunigen beim Aufheizen

„Ach, was haben wir’s gut!“, freuten sich Steffen Schmidt, sein Sohn Ferdinand (16) und Gaby Born am Freitag im Backhaus. „Früher konnten die Leute nicht gemütlich warten und sich unterhalten, bis der Ofen angeheizt oder Brot und Kuchen fertig waren. Da musste nebenbei noch gestrickt oder irgendwas handwerkliches fabriziert werden. Heutzutage kann man sich unterhalten und „entschleunigen“. Natürlich wurde auch – genauso wie früher – der Ofen angeheizt, die Glut entfernt, der Backraum durchgefegt und gegebenenfalls mit einem nassen Kartoffelsack auf rund 300 Grad abgekühlt. Die Gerätschaften wurden in der nahe liegenden Odeborn nassgehalten, unter anderem „standen deshalb Backhäuser meist in der Nähe vom Wasser“, weiß Gaby Born.

Fachwerk in Eigenarbeit restauriert

Ferdinand hatte sonst immer zugeschaut, diesmal hatte er Premiere: Mit einer langen Stange durfte er zum Beispiel die Glut „rüsseln“, sprich verteilen. Natürlich war das nur möglich, weil Familie Dickel-Koch (Bau) das historische Backhaus dankenswerter Weise zur Verfügung stellte, lobte der 1. Vorsitzende Timo Florin. Spezielles Lob ging an Stefan Koch und sein Team: In etlichen Stunden Eigenleistung wurde am Gebäude, das seit einigen Jahrzehnten aber nicht mehr im Dauerbetrieb ist, das Fachwerk restauriert und ein Sockel erneuert.

„Die Wand sieht aus wie neu, obwohl das Backhaus rund 300 Jahre alt ist“, sagte sein Opa, ‘Bau Heiner’. Der 98-Jährige kann sich noch gut daran erinnern, wie früher einmal im Monat Brot gebacken wurde. Acht bis zehn Familien aus der Umgebung mussten sich absprechen, „jede Woche war jemand anderes dran. Wir haben immer 36 Brote gebacken.“ Im Sommer habe seine Mutter ein feuchtes Tuch drübergelegt, „weil das Brot ziemlich hart war“, berichtete der Senior. Auch dass bei seiner Hochzeit 1948 der Streuselkuchen im Backhaus verbrannt war, weiß der Girkhäuser noch genau.

Früher wurde mit einer Ähre gemessen, heute wird ein Lanzenthermometer benutzt. „Zu heiß ist kein Problem, das kann man runterkühlen, aber zu kalt ist schlecht. Das hat man nicht so schnell wieder aufgeheizt“, erklärte Steffen Schmidt. Und parallel sei immer die Absprache mit den Bäckern wichtig, damit der Teig auch fertig und geformt ist, wenn der Ofen heiß ist.

Körnerbrot zum Jubiläum

Für die Teigproduktion waren hauptsächlich Jörg Homrighausen, René Balz und Torben Beil zuständig. Etliche Kilo Mehl und Hefe wurden nach und nach zu Teig verarbeitet und bildeten die Grundlage für über 250 Brote – nicht nur für Roggenmischbrot, sondern zum Jubiläum auch erstmalig für Körnerbrot. „Jedes Brot ist ein Unikat!“, so Schmidt. „Manche heller, andere dunkler“.

Verkauft wurde im Brothäuschen unterhalb der Drehkoite. Zur Stärkung servierte das 40-köpfige Team außerdem Bratkartoffeln und Bratwürstchen, Pizza, Streusel(obst-)kuchen und Waffeln sowie Getränke für die Gäste, zu denen auch wieder die Backhausgemeinschaft aus Wunderthausen zählte. Für die musikalische Unterhaltung sorgten der CVJM-Posaunenchor und die Sauerland-Musikanten.

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