Bus & Bahn

Eltern fordern: „Lasst unsere Kinder nicht im Regen stehen!“

Endstation Niederlaasphe – jedenfalls für Schüler aus dem hessischen Hinterland mit gültigem „Hessenticket“. Spätestens nächstes Schuljahr soll es für sie ohne Mehrkosten bis Bad Laasphe gehen.

Foto: Eberhard Demtröder

Endstation Niederlaasphe – jedenfalls für Schüler aus dem hessischen Hinterland mit gültigem „Hessenticket“. Spätestens nächstes Schuljahr soll es für sie ohne Mehrkosten bis Bad Laasphe gehen.

Bad Laasphe.   Hessische Eltern kämpfen weiter gegen Mehrkosten für Bahn-Fahrten ihrer Kinder zur Schule nach Bad Laasphe. Eine Lösung ist aber in Sicht

Im Februar 2018 kommt die Zeit, wo Eltern aus dem hessischen Hinterland ihre Kinder auch an den weiterführenden Schulen in Bad Laasphe anmelden können. Und mittlerweile dürfen die Väter und Mütter wohl fast sicher sein: Ab dem neuen Schuljahr 2018/19 gilt das sogenannte „Hessenticket“ tatsächlich bis Bad Laasphe Hauptbahnhof, die letzten 1,2 Kilometer ab Niederlaasphe inklusive. Über 400 Euro Extra-Ausgaben pro Schuljahr für eine ergänzende Fahrkarte würden dann überflüssig.

Der Siegener Kreistag

Jedenfalls laufen derzeit ganz offensichtlich Gespräche mit diesem Ziel. Und die Politiker im Kreistag Siegen-Wittgenstein haben sogar 40 000 Euro im neuen Kreis-Haushalt 2018 zu deren Unterstützung reserviert – höhere Summe bei Bedarf nicht ausgeschlossen.

Das Fazit der Elterninitiative

„In Siegen ist es auf den ersten Blick besser gelaufen, weil der Kreistag zumindest Geld in den Haushalt eingestellt hat“, resümiert vorsichtig An­dreas Strauch von der Elterninitiative „Hessenticket“. Sie hatte vor und während der jüngsten Kreistagssitzung in Siegen Flagge gezeigt – und mit großflächigen Plakaten auf das Problem aufmerksam gemacht. „Lasst unsere Kinder nicht im Regen stehen! Hessenticket bis Bad Laasphe!“ heißt es da. Und: „453 Euro für 90 Sekunden Zugfahrt? Kann das sein?“ Oder: „Laaspher Schulen ohne Hessenschüler? Wie geht's weiter?“

Die Basis der Entscheidung

Grundlage des politischen Votums in Siegen: ein Antrag der UWG-Kreistagsfraktion, für pendelnde Schüler über die Grenzen zwischen Hessen und Wittgenstein hinweg ein zuverlässiges „Grenzticket“ einzuführen – und neue Regeln für die Kosten-Beteiligung auch der Eltern vorzuschlagen.

Die Verkehrsverbünde

Landrat Andreas Müller spricht unterdessen von konstruktiven Gesprächen zwischen den Tarifpartnern Verkehrsgemeinschaft Westfalen-Süd (VGWS) und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Dabei werde im Übrigen eine Lösung angestrebt, die das Problem der Schülerbeförderung per Bus und Bahn im Bereich der Grenzgebiete zu Hessen ganz allgemein angehe.

Müller geht davon aus, dass bis Ende Januar 2018 über die Gestaltung eines passenden Tarifs entschieden werde. Und die 40 000 Euro könnten dann als Ausgleichszahlungen erforderlich werden, um die Eltern zu entlasten. Was die Tarif-Gespräche angeht, könnte die angestrebte Lösung womöglich „besser als erwartet“ ausfallen – so ist jedenfalls aus Politiker-Kreisen im Raum Marburg-Biedenkopf zu hören.

Der Marburger Kreistag

Im Marburger Kreistag stand das Thema „Schülerbeförderung“ jetzt ebenfalls auf der Tagesordnung – aber unter einem anderen Aspekt und mit anderem Ergebnis. Hier hatten die „Freien Wähler“ einen Dringlichkeitsantrag gestellt – mit dem Ziel, dass der Kreis jene Beförderungskosten übernimmt, die den Eltern bereits im laufenden Schuljahr 2017/2018 zusätzlich zum neu eingeführten „Hessenticket“ entstanden sind. Ein Votum zum Antrag wurde allerdings auf die nächste Sitzung des Kreistages am 9. Februar 2018 vertagt – „auch, um den laufenden Verhandlungen der Verkehrsverbünde nicht vorzugreifen“, erklärt Andreas Strauch von der Elterninitiative. Und das mache sowohl aus Sicht der Freien Wähler als auch der Eltern tatsächlich Sinn.

Nun werde die Initiative die weitere Entwicklung beobachten – und auf jeden Fall am 9. Februar wieder im Marburger Kreistag präsent sein.

Das UWG-Engagement

Ein einstimmiger Beschluss im Siegen-Wittgensteiner Kreistag zum Thema und das Signal des Landrats, das Grenz-Problem nun auch mit finanziellen Mitteln anzugehen – „da hat ja keiner so wirklich mit gerechnet“. ist UWG-Kreistagsmitglied Horst-Günter Linde aus Bad Berleburg zufrieden mit dem vorläufigen politischen Ergebnis auf Wittgen­steiner Seite. „Meine Mission heißt ja: Anerkennung des Hessentickets bis nach Bad Laasphe.“ Und das betreffe immerhin ein Drittel der Schüler in den beiden Gymnasien und der Realschule vor Ort.

Linde bedauert zwar, dass sich die Stadt Bad Laasphe als einer der betroffenen Schulträger zum Thema „nicht mehr geräuspert“ habe – doch sei es ohnehin wichtiger, dass die kritische Lage im Kreistag erkannt worden sei und hier nun der Kreis „Verantwortung für die Kommunen“ übernehme.

Das Votum des Kreistags jetzt auf der Basis des UWG-Antrags sei „ein wegweisendes Signal, wie wichtig uns der Themenbereich Schule, Kinder, Familien ist“, betont Linde. In diesem Zusammenhang ferner wichtig: „Mobilität darf nicht an kommunalen oder Landesgrenzen halt machen.“

Und selbstverständlich werde die UWG bei diesem Wittgensteiner Thema am Ball bleiben, werde bei den Verbünden nachfragen und sicherstellen, „dass das alles richtig umgesetzt wird“. Eine „Zwischenlösung“, welche die betroffenen Eltern schon im laufenden Schuljahr entlaste, sei natürlich begrüßenswert, so Linde – eine endgültige Lösung ab Schuljahr 2018/19 komme aber auf jeden Fall, ist er überzeugt.

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