Nachhaltigkeit

Deshalb hat Strom aus der Sonne in Wittgenstein Zukunft

Die Photovoltaik-Anlage auf den Umkleidekabinen des Wabach-Bads

Die Photovoltaik-Anlage auf den Umkleidekabinen des Wabach-Bads

Foto: Dennis Fargo

Wittgenstein.  Die Energiegenossenschaft Wittgenstein plant bereits die achte Solaranlage mit einem Dach-Paten aus der Region. Warum die Stromproduktion wächst.

Sieben Photovoltaik-Anlagen betreibt die Energiegenossenschaft Wittgenstein mittlerweile auf Wittgensteins Dächern. 2018 haben sie dank eines starken Wachstums ihre Stromproduktion um 50 Prozent erhöht, im laufenden Jahr 2019 ist eine Steigerung von mindestens 50 weiteren Prozent geplant. Und 2020 werden einige Anlagen erstmals das ganze Jahr „durchlaufen“. Was ist das Erfolgsgeheimnis? Ist es das Genossenschaftsmodell?


Das Erfolgsgeheimnis

„Genau“, bestätigt Alexander Blecher vom Vorstand. Aber das eigentliche Geheimnis dabei sei es, „dass wir einen Mehrwert für alle bieten: Sauberer Strom, keine Kohle, keine Atomkraft – und man spart CO2 ein. Wir als Energiegenossenschaft geben allen eine Pacht, wenn sie ihre sonst unbefleckte Dachfläche vermieten. Und langfristig wollen wir auch eine kleine Rendite für die Anteilseigner bieten.“


Die allerjüngste Anlage

Bei „Wedis Gartenbau“ im Bad Laaspher Stadtteil Volkholz haben die Energiegenossen gerade ihre siebte und bislang

letzte Photovoltaik-Anlage auf dem Dach installiert, diesmal also bei einem Unternehmen. Und: „Wir wollen noch weiter deutlich wachsen“, betont Blecher. Gerade gehe es hinter den Kulissen um eine achte Anlage auf dem Dach einer Wittgensteiner Kommune. Die Rahmenbedingungen passten jedenfalls, vor allem die Statik, so Blecher – das Projekt werde schon bald in den Fachausschüssen politisch diskutiert. Nach einem Jahr Planungsphase warteten die Energiegenossen jetzt nur noch auf den politischen Beschluss.


Die allererste Anlage

Zur Erinnerung: Die allererste Anlage der Energiegenossen läuft bereits seit Oktober 2013 auf dem Dach des Städtischen Gymnasiums Bad Laasphe. Und der gewonnene Strom fließt auch ins schuleigene Stromnetz.


Die Einspeise-Vergütung

Seit Anfang des Jahres reduziert die Bundespolitik die Vergütung für Photovoltaik-Anlagen dramatisch um über 20 Prozent. Alexander Blecher bedauert das. Und wenn dann in Wittgenstein wetterbedingt noch eine eher magere Ausbeute bei der Solarstrom-Gewinnung vor Ort hinzukomme, „müssen wir mit spitzem Stift mittels Eigenleistung versuchen, Geld zu sparen“. Aber: „Photovoltaik lohnt sich“, ist Blecher überzeugt. „Auch für den Privatmann, wenn alle Bedingungen gut sind.“ Am besten sei es, wenn man den gewonnenen Strom für sich selbst verbrauche. Zum Vergleich: Eine Kilowattstunde aus dem öffentlichen Netz kostet den Verbraucher derzeit etwa 30 Cent, während ihm die gleiche Menge selbst produzierten Solarstroms mit zwölf Cent vergütet werde.


Die Genossen als Partner

Die Energiegenossenschaft verstehe sich „grundsätzlich als Partner“ in Sachen Solaranlagen, sagt Blecher. „Wir wollen die Leute ermutigen, sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen.“ Neutrale Hilfestellung gehöre selbstverständlich dazu. So ein Projekt könne sich gut rechnen, „wenn man viel Eigenleistung hineinlegt“. Und: Die Vergütung sei zwar gesunken, die Preise für Solar-Module aber auch.

Der Klimawandel

Zugleich werde das Thema Klimawandel immer bedeutsamer, hat Blecher festgestellt – der Hitzesommer 2018 habe

gezeigt, was es dauerhaft zu vermeiden gelte. Und auch die jüngste Wahl zeige, dass es in der Bevölkerung ein wichtiges Thema sei. Aber auch die „Fridays For Future“-Bewegung könne das Bewusstsein für die Bedrohung unseres Klimas – etwa durch die fortgesetzte Verstromung von Kohle – fördern.


Die technischen Lösungen

Blecher wehrt sich allerdings „gegen das Argument, dass wir noch nicht so viel erneuerbare Energien haben.“ Ja, es gebe davon derzeit „mit Abstand zu wenig“, räumt er ein. Diese Energien im großen Stil zu speichern würde aber auch erst frühestens in zehn Jahren wichtig. Gas aus Strom erzeugen und speichern zum Beispiel – da gebe es schon einige technische Lösungen. Und es biete sich an, für die Erneuerbaren lokale Lösungen zu finden – Beispiel Photovoltaik.


Die Umwelt-Bildung

Stichwort „Umwelt-Bildung“: Hier verweist Blecher auf das Projekt mit dem Städtischen Gymnasium Bad Laasphe, aber auch auf eine Besichtigung mit den eigenen Genossen im Biomasse-Heizkraftwerk Schameder oder Vorträge etwa zur Generalversammlung, „um die ganze Thematik bekannt zu machen“. Denn in der Bevölkerung gebe es viele Vorbehalte, etwa bei der Elektro-Mobilität. Um eine junge Zielgruppe zu erreichen, würden sich die Energiegenossen gerne mit der Bad Laaspher Schülerinitiative „WeiterGedacht“ vernetzen – deren Thema: Klima- und Umweltschutz.

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