Interview

Corrie Hahn: „Schule ist schon eine besondere Institution“

Schulleiterin Corrie Hahn an berichte, was sie an ihrer Schule besonders schätzt, was sie von Bildungspolitik erwartet und wie sie sich selbst ehrenamtlich und politisch engagiert, darüber haben wir mit ihr gesprochen.

Schulleiterin Corrie Hahn an berichte, was sie an ihrer Schule besonders schätzt, was sie von Bildungspolitik erwartet und wie sie sich selbst ehrenamtlich und politisch engagiert, darüber haben wir mit ihr gesprochen.

Foto: Lars-Peter Dickel / WP

Bad Laasphe.  Im Interview spricht die neue Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums Bad Laasphe über Reformen, Ziele und ihr persönliches Engagement.

Sie lebt in Netphen, ist in Ferndorf aufgewachsen, hat aber viel Zeit in Bad Laasphe und den umliegenden Wäldern verbracht. Was die neue Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums Bad Laasphe, Corrie Hahn, an ihrer Schule besonders schätzt, was sie von Bildungspolitik erwartet und wie sie sich selbst ehrenamtlich und politisch engagiert, darüber haben wir mit ihr gesprochen.

Seit April sind Sie Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums Bad Laasphe. Was ist für Sie der größte Unterschied zu Ihrer Arbeit an der Clara-Schuhmann-Gesamtschule in Kreuztal?

Corrie Hahn: Der größte Unterschied zu meiner bisherigen Tätigkeit ist, dass ich als Schulleiterin nun mehr Verantwortung trage. Zudem obliegt der Schulleitung die Organisation einer Schule. Das Koordinieren, Delegieren, Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen sowie dem Schulträger und auch den Kooperationspartnern führen und die damit verbundenen rechtlichen Grundlagen beachten, treten in dieser Tätigkeit sicherlich in den Vordergrund. Aber auch die Weiterentwicklung unseres Städtischen Gymnasiums liegt mir besonders am Herzen und es macht mich besonders stolz, ein Kollegium zu haben, was neue und innovative Ideen hat, die ich sehr gerne unterstützten möchte.

Sie kommen aus dem Siegerland, welche Beziehungen haben sie zu Bad Laasphe?

Ich bin in Ferndorf aufgewachsen und habe viele Wochenenden meiner Kindheit hier in Bad Laasphe verbracht, da meine Mutter als Pilzsachverständige vor vielen Jahren Kurse im Pilzmuseum angeboten und auch das Pilzmuseum mit betreut hat. So habe ich machen Kilometer auf Bad Laaspher Waldwegen zurückgelegt und den einen oder anderen Pilz gepflückt!

Einer ihrer Vorgänger, Winfried Damm, hat das Städtische Gymnasium mit einer Amtszeit von 26 Jahren geprägt, wie kein anderer. Wie gehen Sie mit so einem Erbe um?

Ich sehe das als sehr positiv und nicht als Belastung! Herr Damm hat ein standhaftes Fundament hinterlassen, auf dem sich die zukünftige Arbeit hier am Gymnasium hervorragend gestalten und fortführen lässt.

Schule ist ständig im Fokus von Bildungsreformen. Was wünsche Sie sich als Lehrerin am meisten von der Politik?

Schule ist schon eine besondere Institution. Auf der einen Seite soll der Schulleiter eine Schule wie ein Unternehmen führen, bekommt aber von der Politik nicht unbedingt das passende Werkzeug in die Hand.

Wie meinen Sie das?

Das wird zum einen bei der Personalausstattung durch Lehrerinnen und Lehrer deutlich. Die Debatte wird ja zurzeit wieder einmal geführt. Leider ist es in Schule so, dass bei der Personalausstattung vorwiegend die Schüler-Lehrerrelation eine Rolle spielt. Das heißt, für eine gewisse Anzahl an Schülern, bekomme ich eine gewissen Anzahl von Lehrerstellen. Es wird jedoch nicht unbedingt danach geschaut, welche Fächer die Kolleginnen und Kollegen unterrichten dürfen. So kann es sein, dass Pensionierungen oder Versetzungen oft zu Vakanzen in bestimmten Fächern führen, die dann nicht besetzt werden können. Zudem bleiben Stellen oft lange vakant, da nicht immer Kolleginnen und Kollegen zum Schuljahresende in den wohl verdienten Ruhestand gehen, sondern mitten im Schuljahr aufhören.

Wie lösen Sie das Problem?

Das müssen die Schulen mit Bordmitteln machen – Also Mehrarbeit für die Kolleginnen und Kollegen. Hier bedarf es von Seiten der Politik eine andere Regelung, die die Bedarfe an Lehrern besser, sinnvoller und vorausschauender regelt. Ein weiterer Aspekt ist die Digitalisierung von Schule. Wir sind sicherlich dankbar für den Digitalpakt, würden uns aber auch wünschen, dass es mehr Zeit und Raum für die Kolleginnen und Kollegen geben würde, sich diesbezüglich fortzubilden. Ebenso braucht die Schule Fachpersonal zur Unterstützung bei dem Umgang mit Hard- und Software. Es kann und darf nicht sein, dass hier Lehrer über Gebühr arbeiten und dafür keine zusätzlichen Stellen geschaffen werden.

Und dann ist da noch die Rückkehr zu G9...

Zurzeit setzten wir uns am Gymnasium mit der Rückkehr zu G9 auseinander. Lehrpläne, interne Curricular müssen angepasst werden und bedürfen der Überarbeitung. Schule ist ständigen Änderungen, Ideen und politischen Ideologien unterworfen, die letztendlich vor Ort von den Kolleginnen und Kollegen umgesetzt werden müssen. Hier würde ich mir für die Zukunft ruhigeres Fahrwasser wünschen, ohne ständig neuen Ideen hinterlaufen zu müssen, die in wenigen Jahren wieder umgestrickt werden müssen.

Ihre Fächer sind Sozialwissenschaften und Kunst. Wie viel Zeit bleibt einer Schulleitung noch zum Unterrichten?

Zurzeit unterrichte ich eine Klasse 7 in Kunst, sowie zwei Oberstufenkurse der Q1 in Kunst und Sozialwissenschaften. Als Schulleiterin unterrichtet man sicherlich weniger, jedoch ist es mir besonders wichtig, hier nicht den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern zu verlieren. Zudem macht mir das Unterrichten in beiden Fächern sehr viel Spaß und möchte es daher nicht missen.

Sie sind politisch sehr aktiv als Ortsbürgermeisterin in Nenkersdorf und als Kreistagsmitglied. Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Vor 19 Jahren wurde ich gefragt, ob ich den Job des Ortsbürgermeisters in Nenkersdorf übernehmen wolle. Ehrlich gesagt, wusste ich von diesem Ehrenamt zur damaligen Zeit sehr wenig. Ich bin damals einfach ins kalte Wasser gesprungen und habe zugesagt. Seitdem bin ich Mitglied in der CDU und betätige mich in vielfacher Hinsicht in politischen Gremien, wie dem Schulausschuss, dem Polizeibeirat und auch einige Jahre im Stadtverband der CDU Netphen. Nach fast 20 Jahren in der Kommunalpolitik kann ich sagen, dass jede Tätigkeit immer ein Zugewinn für die Arbeit vor Ort gewesen ist. Der Aufbau eines Netzwerkes, die Einblicke in viele unterschiedliche Bereiche hat dazu beigetragen, dass viele geplante Projekte Wirklichkeit geworden sind. Ich kann daher nur jeden ermutigen, sich politisch zu engagieren oder für unsere schöne Region im Siegerland-Wittgenstein ehrenamtlich tätig zu werden, es lohnt sich immer!

Bei ihrer Vorstellung haben Sie gesagt: „Ich habe keine Angst vor Arbeit…“ Neben Ihrem Beruf und Ihrer politischen Arbeit sind Sie auch Schöffin am Landgericht und Schiedsfrau tätig. Wie bekommen Sie das alles zeitlich unter einen Hut?

Die Voraussetzung, um all diese Dinge zeitlich unter einen Hut zu bekommen, ist sicherlich die grundsätzliche Leidenschaft sich mit Politik und rechtlichen Dingen zu beschäftigen, aber auch die Fähigkeit sich selbst zu organisieren. Dabei ist mir meine Familie eine sehr große Unterstützung, die mir hier und da den Rücken frei hält. Da meine Eltern bei mir im Haus wohnen, habe ich den Vorteil, dass immer etwas gekocht ist und einige Arbeiten um das Haus durch meine Eltern übernommen werden. Das ist wirklich eine riesengroße Hilfe und Entlastung. Ebenso muss man sich Entlastung oder auch Ausgleiche schaffen, damit die „Work-Live-Balance“ stimmt!

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben