Straßenverkehr

Anlieger der Bundesstraße 480 haben Angst vor Rasern

Wenn ein Trecker von links aus der Erlenwiese in Richtung Weidenhausen auf die Bundesstraße 480 abbiegt, kann es zu Gefahrensituationen kommen, wenn Autos aus Richtung Raumland zu schnell fahren, glaubt der Weidenhäuser Ortsvorsteher Friedhelm Wilke

Foto: Christoph Vetter

Wenn ein Trecker von links aus der Erlenwiese in Richtung Weidenhausen auf die Bundesstraße 480 abbiegt, kann es zu Gefahrensituationen kommen, wenn Autos aus Richtung Raumland zu schnell fahren, glaubt der Weidenhäuser Ortsvorsteher Friedhelm Wilke Foto: Christoph Vetter

Weidenhausen.   Mit Friedhelm Wilke, dem Ortsvorsteher von Weidenhausen, fordern Anwohner ein Tempolimit auf der Bundesstraße 480. Sie haben Angst vor Rasern

Auf der B 480 aus Raumland in Richtung Weidenhausen: Kurz hinter dem Abzweig Hemschlar wird die 70er Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben. Tempo 100 ist jetzt möglich – gut einen Kilometer bis in Höhe der Kläranlage. Ab da gilt wieder 70 km/h bis zum Ortsschild Weidenhausen. „Noch zu schnell“, glaubt der dortige Ortsvorsteher Friedhelm Wilke.

Er hält aus eigener Erfahrung den Einmündungsbereich Erlenwiese mitunter für gefährlich. Denn, so erläutert Wilke, „wenn zum Beispiel ein Schlepper aus Sassenhausen kommt und ins Dorf will, könnte das problematisch werden, wenn von unten einer mit hohem Tempo angerauscht kommt. Muss erst einer auf der Strecke bleiben?“ fragt der Ortsvorsteher. Er hat das Anliegen – auch im Namen seiner Mitbürger – schon mehrmals der Verkehrskommission Siegen-Wittgenstein vorgetragen, und dabei stand er nicht allein da.

„An das Tempo 100 halten sich nur wenige“

Rentner Eberhard Koch bewohnt mit seiner Familie das Haus unmittelbar an der Bundesstraße „Am Kerstall“ – gegenüber liegt die Weidenhäuser Mühle. Der 72-Jährige bewirtschaftet in dem Gebiet noch einige eigene Weiden und muss deshalb häufig mit seinem Schlepper vom Hof auf die Straße einbiegen. „Lebensgefährlich“, sei das, versichert Koch. Seine Eingaben in den letzten Jahren bei der Verkehrssicherung des Kreises, bei der Polizei oder im Berleburger Ordnungsamt sind kaum noch überschaubar. Immer wieder hat er sich dafür eingesetzt, dass zumindest in seinem Wohnumfeld das Tempo auf der Bundesstraße eingeschränkt wird. „An die 100 halten sich nur wenige, einer ist mit 160 gemessen worden“, führt Eberhard Koch seine Argumente an. Er kann nicht nachvollziehen, dass die 70 km/h-Beschränkung auf einem Streckenabschnitt „von nur 1100 Meter aufgehoben ist“.

Durchgezogene Mittellinie

Sein Vorschlag, mittels einer durchgezogenen Mittellinie wenigstens das Überholen zu verbieten, ist nicht angenommen worden. Die Entscheider bei solchen Fällen sitzen in der Verkehrskommission, die zweimal im Jahr neuralgische Punkte im Kreisgebiet untersuchen. Nicht immer direkt vor Ort, sondern auch „an Leinwänden mit Power-Point-Präsentationen“, wie Eberhard Koch weiß. So sei auch seine Beschwerde behandelt worden. Nicht zufriedenstellend, denn Koch fordert: „Die sollten sich mal hierhin stellen!“

Eine Besichtigung vor Ort hält auch Gerd Müsse für angebracht. Er betreibt sein Maschinenbau-Unternehmen ebenfalls in direkter Nähe der B 480 – keine hundert Meter vom Ortsschild Weidenhausen entfernt. Müsse sagt im Gespräch mit der Westfalenpost, dass sich „kaum ein Autofahrer an die 70 hält. Wir kommen kaum über die Straße.“ Beim Rangieren mit einem Sattelzug oder beim Einbiegen auf die Straße komme es immer wieder zu Engpässen, weil es in Richtung Raumland keine Geschwindigkeitsbegrenzung nach der Ortsdurchfahrt gibt. Erst neulich, als ihn mit Warnweste und roter Fahne ausgestatteter Vater eingewiesen habe, „da hätte sie ihm fast umgefahren“. Für Gerd Müsse würde es ausreichen, „wenn das Ortsschild zu uns käme. Wir gehören doch zu Weidenhausen...“

Eine unendliche Geschichte

Die Problematik ist bei der Polizei natürlich bekannt. Der Bad Berleburger Stationsleiter, Erster Polizeihauptkommissar Bernd Dickel, spricht von „einer unendlichen Geschichte, die schon seit über zehn Jahren läuft.“ Aber spektakulär sei das an der B 480 nicht. „Es hat mehrere Verkehrsschauen gegeben, Geschwindigkeitsmessungen durch die Polizei, eine stationäre Messung durch die Stadt,“ weiß Dickel und weist darauf hin, dass „die Unfallsituation dort Null“ betrage. Die gesammelten Daten seien von der Verkehrskommission ausgewertet worden, und die Mitglieder haben sich einhellig gegen ein Tempolimit ausgesprochen. Dass es für Familie Koch am Kerstall nicht gerade leicht sei, kann Bernd Dickel verstehen, aber „es gibt zig solcher Anträge in Wittgenstein, und die Problematik gilt nicht nur für ein Gehöft. Wir können verstehen, dass jeder möglichst keine Raser vor seiner Haustür haben möchte“.

Ortsvorsteher Friedhelm Wilke wie Gerd Müsse und Eberhard Koch wollen nicht aufgeben. Mit dem Wunsch, dass ihr Anliegen doch noch von den zuständigen Behörden erhört und umgesetzt wird, gehen sie zuversichtlich ins gerade angebrochene Jahr.

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