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Zoff um Wittener Obdachlosenheim

In der Kritik: Die Obdachlosenunterkunft an der Straße Am Mühlengraben.

In der Kritik: Die Obdachlosenunterkunft an der Straße Am Mühlengraben.

Foto: Juergen Theobald

witten.   Kritiker bemängeln menschenunwürdige Zustände. Die Stadtverwaltung kontert: Zwei Sozialarbeiter sind regelmäßig vor Ort.

Immer wieder gibt es Klagen über die Obdachlosenunterkunft am Mühlengraben. Das Gebäude sehe „von außen wie ein Abrisshaus aus und ich dachte nicht, dass da noch Menschen leben“, schreibt ein „Klaus Lohmann“ (nicht der Alt-Bürgermeister) auf Facebook. Einmal mehr stehen die Zustände in dem Haus für Wohnungslose in der Kritik.

„Frau Leidemann dafür verantwortlich zu machen, ist Quatsch. Da könnte man auch das Ritz Carlton bauen. Das sähe wahrscheinlich nach kurzer Zeit auch so aus“, meint ein anderer Nutzer bei Facebook. Das sieht auch Anwohner Friedrich Kemper so, der direkt gegenüber wohnt: „Da wird ständig repariert. Da sind dauern Handwerksfirmen drin.“

Als „eine Schande für Witten“ bezeichnet die AfD die Zustände des Obdachlosenheims. „Gerade im Sommer verwundert es kaum, wenn Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, die Übernachtung unter freiem Himmel bevorzugen – allein, weil der Gestank kaum auszuhalten ist“, so die AfD. Und: „Die Menschen werden in das Haus gesteckt und dort ihrem Schicksal überlassen.“ Dem widerspricht Christoph Noelle, Abteilungsleiter des Amtes für Wohnen und Soziales, vehement.

„Zwei Sozialarbeiter sind dort zweimal pro Woche vor Ort, um sich um die Menschen zu kümmern, die oft multiple Probleme haben. Das heißt beispielsweise, dass sie unter Alkohol- oder Drogensucht und gleichzeitig unter Angstzuständen leiden“, sagt Noelle. Kleinere Reparaturen würden vom Hauswart sofort erledigt, größere Schäden würde das Amt für Gebäudemanagement beheben.

22 Personen befinden sich derzeit in dem Haus am Mühlengraben, 21 Männer und eine Frau. Bei der Recherche der Lokalredaktion vor Ort treffen die Reporter auf Jakir Hossin und Santino Singh. Der 30-jährige Inder wohnt seit vier Jahren in der Obdachlosenunterkunft. Dass es dort vor Gestank nicht auszuhalten sei, finden beide nicht. Auch beim Besuch am Montagmittag war davon nichts zu bemerken. Allerdings machen die Wohnungen keinen sehr wohnlichen Eindruck. Alle haben Eingangstüren aus Metall, in Singhs Wohnung sind Teile der Tapetenleisten abgerissen, Kaffeespritzer bedecken großflächig die Wand.

Stefan Borggraefe von den Piraten weist auf Facebook darauf hin, dass in Hattingen gerade ein neues Konzept für die Unterbringung von Wohnungslosen einstimmig beschlossen worden sei. „Dort sollen in Zukunft Wohnungslose mit guten Resozialisierungsaussichten in Trainingswohnungen untergebracht werden, die ambulant betreut werden.“

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