Flüchtlinge

Wohncontainer in Flüchtlingslager soll „Witten“ heißen

Containerdorf im Nordirak: In dem Flüchtlingsdorf „Ruhrgebiet“ soll bald ein Wohncontainer namens „Witten“ aufgestellt werden – wenn die nötigen 5000 Euro zusammenkommen. Ein kleines Mädchen steht auf der Straße, links und rechts die Metallbehälter, die jeweils zwei Familien ein Dach über dem Kopf geben.

Containerdorf im Nordirak: In dem Flüchtlingsdorf „Ruhrgebiet“ soll bald ein Wohncontainer namens „Witten“ aufgestellt werden – wenn die nötigen 5000 Euro zusammenkommen. Ein kleines Mädchen steht auf der Straße, links und rechts die Metallbehälter, die jeweils zwei Familien ein Dach über dem Kopf geben.

Foto: foto: Ludger Möllers

Witten.  Ein Wohncontainer namens „Witten“ soll Flüchtlingen im Irak ein Zuhause geben. Dafür setzt sich ein aus Witten stammender Ex-Fußballprofi ein.

In „Witten“ leben, obwohl man 4211 Kilometer vom Rathausplatz entfernt ist: Das wollen ein in Witten geborener Ex-Fußballprofi, Awo, Caritas und DRK zwei Flüchtlingsfamilien im Nordirak ermöglichen. Sie sammeln für einen wetterfesten Wohncontainer in dem Flüchtlingsdorf „Ruhrgebiet“.

Die Projektidee brachte der frühere Spieler des VfL Bochum, Wolfgang Euteneuer (63), von einer Reise in mehrere Flüchtlingslager im Nordirak mit. Im Mai besuchte er mit Journalisten, Politikern und Dolmetschern die Menschen vor Ort. Er leitet das Integrationsprogramm „Angekommen in deiner Stadt Dortmund” für junge Flüchtlinge und Zugewanderte. Deshalb war er eingeladen worden, mitzufahren. Seit einigen Wochen nun hält Wolfgang Euteneuer Vorträge zu Krieg und Flucht und erzählt von seinen Eindrücken – zuletzt auch in der Wittener Gemeinde St. Marien.

So leben die Menschen in dem Flüchtlingslager

Das Flüchtlingsdorf „Ruhrgebiet“ liegt an der Grenzregion zu Syrien. 1710 Familien leben in der Containerstadt, insgesamt mehr als 8840 Menschen. Vor fünf Jahren hatten der Landtagsabgeordnete Serdar Yüksel und Rudi Löffelsend von der Caritas in Essen das Dorf ins Leben gerufen, um den Menschen eine Perspektive in ihrer Heimat zu geben. Dank großzügiger Spenden aus dem Revier wurden 1000 Wohncontainer aufgestellt. Städtenamen wie „Bochum“ und „Essen“ stehen nun auf den Containern. Die meisten Bewohner sind Jesiden, die vor dem IS geflohen sind.

Auf einer Fläche von 30 m² leben zwei Familien in einem Metallbehälter. Diese sind neben einer Dusche und Toilette mit einer Küchenzeile ausgestattet. „Das Dorf ist mittlerweile zu einer Stadt geworden“, sagt Wolfgang Euteneuer. Einige Bewohner arbeiten in Handwerksbetrieben, Kleingewerben und Jugendzentren, die vor Ort entstanden sind. Sogar einen Bürgermeister gibt es in dem Lager. Der heißt Sheros Jugi und verwaltet das Containerdorf. Er ist selbst Flüchtling und hat das Dorf mitgegründet. Auf der Warteliste für einen eigenen Wohncontainer stehen mehr als 1000 Menschen. Der Bürgermeister vergibt die Plätze nach dem Maß der Bedürftigkeit. Familien mit Kindern hätten Vorrang.

Wenn Wolfgang Euteneuer von dem Dorf erzählt, dann tut er das sehr lebendig und scheint den Menschen wieder ganz nah zu sein. Seinem Vortrag im Pfarrzentrum St. Marien lauschten knapp 100 Besucher. Er verglich die Zeltstädte der Uno, die nur bedingt gegen Hitze und Kälte schützten, mit den ausgebauten Containern. „Wir können vor Ort etwas tun, um das Leben der Menschen verbessern“, sagt der Ex-Profi. Caritas-Vorstand Hartmut Claes und Rolf Kappel von der Awo sind von dem Vortrag begeistert. Sie wollen das Flüchtlingsdorf „Ruhrgebiet“ spätestens bis Weihnachten um einen Wittener Container erweitern.

Metallbehälter zum Wohnen kostet 5000 Euro

Der Container kostet 5000 Euro und soll durch Spendengelder finanziert werden. Er wird vor Ort von einer Metallfirma hergestellt. Nur ein Prozent der Spenden fallen als Verwaltungskosten an. Bei Zelten der Uno seien es deutlich mehr, sagen die Initiatoren.

Sie werben für ihre Spendenaktion auf Mitgliederversammlungen und Jugendveranstaltungen. „Es muss möglich sein, in einer Stadt mit knapp 100.000 Einwohnern die Summe aufzubringen. Wenn uns das nicht gelingt, ist das ein Armutszeugnis“, sagt Hartmut Claes.

Ex-Fußballprofi spricht mit Schülern über das Thema „Flucht“

Das Team will nicht nur Geld sammeln, sondern auch aufklären. Nach den Sommerferien möchten sie mit dem Thema „Flucht“ in die Schulen gehen. Wolfgang Euteneuer würde dort gern von der politischen Lage im Nordirak erzählen und offene Diskussionen anstoßen, egal ob in der Grundschule oder Oberstufe. „Bei einem Besuch fragte mich ein Grundschüler: „Warum gibt es überhaupt Krieg?“ sagt der Ex-Fußballprofi. „Das ist eine Frage, die sich viele Erwachsene nicht mehr stellen. Wir müssen aber darüber reden.“

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