Evangelische Kirche Heven

Witten: Erste deutsche denkmalgeschützte Kirche ist CO2-frei

Pfarrerin Heike Bundt zeigt die Anschlüsse der Fußbodenheizung unter dem neuen hellen Podest aus Eichenparkett in der Kirche.

Pfarrerin Heike Bundt zeigt die Anschlüsse der Fußbodenheizung unter dem neuen hellen Podest aus Eichenparkett in der Kirche.

Foto: Barbara Zabka / FFS

Witten.  Das ist einmalig in Deutschland: Die denkmalgeschützte evangelische Kirche in Witten-Heven ist ab jetzt CO2-frei: Sie wird mit Erdwärme beheizt.

Der große Umbau ist geschafft. Noch ist das Kirchenschiff leer. Doch am Samstag (17. August) werden die Bänke auf das neue, helle Podest aus Eichenparkett gestellt. Und selbst, wenn das Wetter so herbstlich bleiben sollte wie in den letzten Tagen, werden die Besucher beim Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Heven am Sonntag wohlig warme Füße haben. Denn dann springt die neue Fußbodenheizung an, die mit Erdwärme gespeist wird – und das ist einmalig in einer denkmalgeschützten Kirche in Deutschland.

„Alles Gute kommt von unten“: Mit diesem launigen Slogan hatte die Gemeinde das Projekt, die erste CO2-freie denkmalgeschützte Kirche Deutschlands zu werden, im letzten Jahr gestartet. Die Planungen dazu sind schon älter. Schon seit 2008 war klar, dass die sieben Gaseinzelöfen in Sachen Sicherheit und Effizienz nicht mehr den modernen Anforderungen entsprachen. Die Gemeinde informierte sich über Elektroheizungen, Blockheizkraftwerke - und stieß schließlich auf die Erdwärme. Denn zukunftsorientiert und umweltfreundlich, so sollte die neue Heizungsanlage sein, da war man sich rasch einig – obwohl das Schlagwort „klimaneutral“ damals noch nicht in aller Munde war. „Wir waren ja immer schon ökologisch unterwegs“, sagt Pfarrerin Heike Bundt und verweist auf die altgediente Solaranlage auf dem Dach.

Die Voraussetzungen für eine Erdwärme-Heizung waren ideal. Unter der Wiese neben der Kirche – dort wo gebohrt werden sollte – gibt es weder Stollen noch wasserführende Adern oder Gase. Und dennoch war es nicht einfach, eine Firma zu finden, die sich den Umbau zutraute. Schließlich galt es, den etwa zehn Meter hohen Raum des Kirchenschiffs von 1901 zu beheizen. „Das war schon eine Herausforderung“, sagt Carsten Schneider von der Bochumer Schneider GmbH, die den Auftrag schließlich übernahm. Denn die Temperaturen in einer Kirche mit ihren dicken Mauern seien anders als ein anderen Gebäuden. „Wir mussten die Verläufe erst einmal simulieren, um sicherzustellen, dass es hinterher für die Besucher wirklich behaglich wird.“

Aus den Verläufen wurde dann berechnet, wie viel gebohrt werden muss, um das ganze Gebäude zu beheizen. Acht Bohrlöcher wurden schließlich im Sommer 2018 ganze 95 Meter tief in den Boden gegraben. Darin wurden Leitungen eingebracht, durch die ein Mittel fließt, das von der Erdwärme aufgeheizt wird. Kühlt man die Erde damit nicht irgendwann aus? „Nein“, sagt Heike Bundt entschieden. Die Erdkruste – und in der befände man sich – werde von den Sonne aufgewärmt, nicht vom Erdkern. Diese Technik gebe es in Skandinavien schon lange, rund 60 Jahre. Und sie laufe ohne Wartung und Sanierung.

Die 6000 Euro Gaskosten jährlich für die Kirche fallen weg

Dafür war die Anschaffung nicht ganz billig: 137.000 Euro kostet allein die Heizung, insgesamt müssen inklusive Renovierung gut 200.000 Euro investiert werden. „Die Erdwärmeheizung kostet zwar in der Anschaffung mehr, dafür ist dann die Unterhaltung quasi eine Nullnummer“, so die Pfarrerin. Der nötige Strom für die Wärmepumpe kommt vom (Solar-)Dach. Die 6000 Euro Gaskosten jährlich, allein für die Kirche, fallen weg. Die Anschaffungskosten stemmt die Gemeinde mit einem Darlehen und ihrem Ersparten, außerdem wurden bislang rund 50.000 Euro von den Gemeindegliedern gespendet.

Pfarrerin Bundt ist überzeugt, dass die Entscheidung für die Erdwärmeheizung richtig war. „Wir wollen ein Vorbild sein, auch andere ermutigen, neue Wege zu gehen“, sagt sie. Schließlich sei längst klar: „Wenn es den Gemeinden nicht gelingt, die laufenden Kosten zu senken, werden wir in Not kommen.“ Die Pastorin ist dankbar, dass die Gemeindeleitung einmütig hinter der Entscheidung stand – auch während der zähen Verhandlungen mit den Denkmalschutzbehörden von Land und Kirche. „Die Bürokratie war zermürbend.“ Die Arbeiten selbst seien dann Hand in Hand und termingerecht abgewickelt werden. „Das lag aber auch an der guten Arbeit von Frau Bundt und dem Presbyterium“, gibt Carsten Schneider das Lob weiter.

Den Probelauf hat die neue Heizung schon hinter sich. Wenn jetzt am Samstag die Bänke wieder eingeräumt sind, kann der Herbst kommen. Nur die Wände müssen noch gestrichen und die Orgel gereinigt werden. Offiziell eingeweiht werden soll die neue Heizung dann beim Gottesdienst am 1. Advent. Dabei wird es auch ein Geschenk für alle Spender geben - aus den Dielen des alten Holz-Podests sind von der Lebenshilfe kleine Engel geschnitzt worden.

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