Obdachlose

Witten: Bekannter Obdachloser sitzt wieder auf dem Mäuerchen

In dem Drewermannstift, einer stationären Einrichtung für Wohnungslose, leben derzeit noch mehrere Menschen aus Witten.

In dem Drewermannstift, einer stationären Einrichtung für Wohnungslose, leben derzeit noch mehrere Menschen aus Witten.

Foto: Foto: Drewermannstift

Witten.  Bernd, Wittens bekanntester Obdachloser, hat das Drewermannstift in Gevelsberg wieder verlassen. Nun trifft man ihn wieder an seinem Stammplatz.

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Erst kürzlich hatte die WAZ berichtet, dass der obdachlose Bernd in einer stationären Einrichtung untergekommen ist, dem Drewermannstift in Gevelsberg, dem einzigen Haus dieser Art im EN-Kreis. Nun ist der bei vielen Bürgern bekannte 55-Jährige überraschend wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt – natürlich zu seinem Stammplatz.

Da hockt er nun wieder, auf dem Mäuerchen in der Berliner Straße zwischen Stadtgalerie und Hauptbahnhof, zwei Taschen mit seiner Habe und einen kaputten rosa Einkaufstrolley neben sich. Der Bart wirkt gepflegter, die Jacke neuer, Bernd scheint sich in den sechs Wochen mit einem festen Dach über dem Kopf erholt zu haben.

„Mein Witten hat mir gefehlt“, sagt Bernd, der Obdachlose

Es sei auch gar nicht schlecht gewesen, sagt der Mann, der seit mehreren Jahren auf der Straße lebt. Doch irgendwann sei es ihm zu viel geworden. Außerdem habe ihm „sein Witten“ gefehlt. Das Drewermannstift ist eine stationäre Einrichtung für Wohnungslose und Menschen, denen der Verlust ihrer Bleibe droht. Es gibt dort 51 Plätze. Bernd lebte in einem Einzelzimmer und war zuletzt sogar Selbstversorger. Träger ist „Bethel regional“.

Er erlebe dieses Phänomen immer wieder, sagt Rolf Ellmer von der Wittener Wohnungslosenhilfe in der Röhrchenstraße, dass „Leute, die lange draußen waren und wieder sesshaft werden sollen, sich an geschlossene Räume erst wieder gewöhnen müssen“.

Zwei jüngere Menschen leben ebenfalls in Witten auf der Straße

Er habe jetzt noch zwei andere, deutlich jüngere Obdachlose angesprochen, die ebenfalls in Witten auf der Straße leben, sagt der Mitarbeiter der Diakonie. Sie wolle er ebenfalls gerne in einer stationären Einrichtung wie dem Drewermannstift unterbringen. Ellmer: „Beide haben aber noch nicht angebissen.“

Häuser wie in Gevelsberg wollen „flexibel auf Notlagen reagieren“. Dort bleiben die Bewohner im Schnitt gut ein Jahr. „Das ist unterschiedlich. Manche sind über sechs Jahre da, andere haben schon nach vier Wochen eine Anschlussperspektive gefunden“, sagt Bereichskoordinatorin Kirsten Kammann. Das hänge nicht zuletzt von den Wartelisten anderer Einrichtungen ab, wo die Menschen dann zum Beispiel wieder eingegliedert werden könnten.

Dafür stehen in Witten etwa das Haus Billerbeckstraße und das Haus Kreisstraße (beide gehören ebenfalls zu Bethel) zur Verfügung. In Heven kümmert man sich um psychisch kranke Menschen, in Annen werden chronische Suchtkranke betreut. Auch ambulante Wohnmöglichkeiten können eine Alternative sein.

Drewermannstift würde Wittener gerne wieder aufnehmen

Gegen eine eigene Wohnung hätte Bernd aus Witten im Prinzip nichts einzuwenden. Doch ihn schreckt allein der Gang zu den Ämtern, die ihm helfen könnten. Nicht zuletzt deshalb bleibt er vorerst auf seinem Mäuerchen sitzen. Ob ihm nicht kalt sei? „Ich war früher bei der Marine. Da kannte man keine Kälte“, sagt er. Und grüßt den ein oder anderen Passanten, der vorbeiläuft.

„Wir würden uns freuen, wenn er wieder zurückkommt“, sagt Kirsten Kammann. Man habe ihn noch nicht abgemeldet. Denn Bernd gehört mittlerweile nicht nur in Witten zum Stadtbild. Auch für die Mitarbeiter des Drewermannstiftes ist er ein alter Bekannter. Er war dort nicht zum ersten Mal.

Anwohner nicht gut auf Bernd zu sprechen

Auch Anwohner in der Berliner Straße wären froh, wenn Bernd wieder ein festes Dach über dem Kopf hätte. Manche fühlen sich vom dem Obdachlosen immer wieder belästigt. „Wo seid ihr denn hingezogen?“ fragten inzwischen Besucher, sagt ein Mann. Er habe nichts gegen obdachlose Menschen, betont er. Aber bei Pöbeleien oder Toilettengängen mitten in der Stadt höre der Spaß auf. Nach Beschwerden bei der Stadt oder beim zuständigen Vermieter, dem die Mauer gehört, sei jedoch nichts passiert.

Die Klagen seien bekannt, sagt Ulf Köhler vom Ordnungsamt. Es werde dort auch regelmäßig nach dem Rechten gesehen. Die genannte Person habe sich in Gegenwart der Ordnungskräfte jedoch stets korrekt verhalten. Sollte der Mann mal bei einer Ordnungswidrigkeit ertappt werden, drohe ihm wie jedem anderen eine Geldstrafe oder ein Platzverweis.

Ein Knöllchen könnte Bernd vermutlich bezahlen. Sein kleiner Plastikbecher auf dem Pflaster füllt sich schnell.

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