Nahverkehr

Schulbus lässt Zehnjährige in Heven mehrfach stehen

Celina-Luise Sturm ist in kurzer Zeit achtmal an der Haltestelle „Herbeder Straße“ stehen gelassen worden.

Celina-Luise Sturm ist in kurzer Zeit achtmal an der Haltestelle „Herbeder Straße“ stehen gelassen worden.

Foto: Jürgen Theobald

Witten.   Achtmal seit Schulbeginn ist Celina Sturm morgens umsonst zur Bushaltestelle gelaufen. Der Bus war voll und hat die Zehnjährige stehenlassen.

Celina-Luisa Sturm fährt nicht mehr mit dem Bus zur Schule. Der Grund: Innerhalb kürzester Zeit ist die zehnjährige Grundschülerin insgesamt achtmal stehen gelassen worden. Der Bus war zu voll.

„Seit der 320er hier nicht mehr hält, ist das ein Riesenproblem“, sagt Mutter Anja Sturm. Eigentlich soll Tochter Celina morgens um kurz vor halb acht mit dem 375er von Heven nach Herbede fahren. Das Mädchen besucht die vierte Klasse der Grundschule. Zusätzlich fährt um diese Uhrzeit ein weiterer Wagen der Bogestra die Haltestelle an der Seestraße an.

Ältere Schüler drängen Mädchen ab

„Aber beide Busse sind immer schon richtig voll. Die größeren Schüler drängen dann rein. Ich schaffe es nicht und der Busfahrer macht einfach die Tür zu und fährt los“, sagt Celina. „Das ist immer richtig doof. Ich weiß dann gar nicht, was ich machen soll.“

Seit August dürfen die langen und schweren Gelenkbusse der Bogestra, die gerne auf der stark genutzten Linie 320 eingesetzt werden, nicht mehr über die marode Ruhrbrücke zwischen Herbede und Heven fahren. Sie nehmen nun den Weg über die Autobahn. Damit entfällt die Haltestelle „Herbeder Straße“, an der Celina zusteigen würde.

Bislang kein Erfolg bei der Bogestra

Das Mädchen fährt die 1,6 Kilometer lange Strecke bis zur Schule nun mit dem Rad. „Aber wenn jetzt der Winter kommt, geht das ja auch nicht mehr“, sagt Anja Sturm. „Ich will nur wissen, dass mein Kind gut und sicher zur Schule kommt.“ Selbst fahren kann die 48-Jährige ihre Tochter aufgrund einer Erkrankung nicht. „Außerdem soll sie ja auch Selbstständigkeit lernen“, ergänzt Vater Rolf Sturm.

Mehrfache Anrufe bei der Bogestra seien ins Leere gelaufen, beklagt die Familie. Als Alternative könnte Celina nur mit einem Bus fahren, der eine Stunde früher an der Schule ist. „Das kann es ja auch nicht sein. Es muss was passieren“, fordert Anja Sturm.

SB38 hält künftig an der Seestraße

Das Problem sei in der Tat die Brückensperrung, sagt Bogestra-Sprecherin Sandra Bruns. Die Beschwerde der Familie Sturm habe „leider eine Ehrenrunde gedreht“, werde nun aber bearbeitet. Die Bogestra bedient mit 19 Schulbussen alle weiterführenden Schulen in Witten. Bruns: „Grundschulen sind im Normalfall nicht angebunden, weil die Entfernungen zur Schule meist nicht so groß sind.“

Doch eine gute Nachricht hat die Bogestra-Sprecherin für Familie Sturm und andere Anwohner in Heven. Nach der Sperrung der Ruhrbrücke für die langen Busse haben sich Verantwortliche der Bogestra und der Verkehrsgesellschaft Ennepe Ruhr (VER), an der die Bogestra seit kurzem 30 Prozent hält, an einen Tisch gesetzt und nach Lösungen gesucht. Das Ergebnis: Künftig fährt die vom VER betriebene Linie SB38 einen „kleinen Schlenker“ und hält zusätzlich an der Seestraße. „Bald sind die neuen Fahrtzeiten auch elektronisch abrufbar“, verspricht Bruns.

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