Gesundheit

Psychiatrie: Herdecke verspricht Witten eine gute Versorgung

Auch baulich will das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke (hier ein Archivbild) der Erweiterung seiner Psychiatrie Rechnung tragen.

Auch baulich will das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke (hier ein Archivbild) der Erweiterung seiner Psychiatrie Rechnung tragen.

Foto: Jürgen Theobald

Witten.  Wunden lecken nach der schweren Niederlage. Die Enttäuschung über die Ablehnung einer Psychiatrie ist in Witten groß. Dafür freut sich Herdecke.

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Die Enttäuschung auf Wittener Seite ist groß, keine eigene Psychiatrie zu bekommen. Gewinner des monatelangen Streits um neue Betten und Tagesklinikplätze ist das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, das künftig auch alle Patienten aus Witten aufnehmen soll.

„Das Gemeinschaftskrankenhaus, das bislang nur zu einem geringen Teil mit der Pflichtversorgung der Stadt Witten beauftragt war, ist in kürzerer Zeit von Patienten aus Witten erreichbar“, begründet Miriam Skroblies vom NRW-Gesundheitsministerium den „Zuschlag“ für die bereits vorhandene psychiatrische Abteilung in Herdecke. Die Wittener sollen künftig nicht mehr nach Hattingen-Niederwenigern fahren müssen.

Herdecke stelle eine „wohnortnahe, hochwertige Versorgung mit verlässlichen und bewährten Strukturen sicher“, sagt der Geschäftsführer des Gemeinschaftskrankenhauses, Christian Chlodwig. Davon profitierten sowohl die Bevölkerung der Stadt Witten als auch die Menschen in den umliegenden Orten. Beobachter und Beteiligte haben in diesem Punkt allerdings ihre Zweifel. Sie befürchten beispielsweise längere Wartezeiten für Wittener Patienten. Schon jetzt könne das Krankenhaus die Nachfrage kaum befriedigen.

Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke kündigt bauliche Veränderungen an

Die Zahl der vollstationären psychiatrischen Betten am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke soll von derzeit 70 auf 110 Betten erhöht werden, die Zahl der tagesklinischen Plätze von 20 auf 35. Das soll zeitnah umgesetzt werden.

Den steigenden Bedarf an Betten im Bereich Psychiatrie/Psychosomatik hat das Gemeinschaftskrankenhaus schon länger deutlich gespürt. Zuletzt waren diese Abteilungen zu mehr als 100 Prozent belegt. Um den Bedarf zu erfüllen, soll es in den kommenden Monaten nach und nach einige bauliche Änderungen im Bestand geben und das Personal entsprechend der Psychiatriepersonalverordnung aufgebaut werden.

Wittener SPD-Fraktion: Evangelisches Krankenhaus wäre der ideale Standort gewesen

Kritik an der Entscheidung des CDU-geführten Gesundheitsministeriums kommt unter anderem von der SPD in Witten. „Damit können wir nicht zufrieden sein“, sagt Fraktionschef Uwe Rath. Eine Entscheidung ganz zum Wohle der Patienten hätte der Maßstab sein müssen.

„Es liegt auf der Hand, dass der größte Anteil der Betroffenen aus Witten kommt. Warum sollen sie alle in ein auswärtiges Krankenhaus auspendeln?“ fragen die Genossen. Parteichef Axel Echeverria sieht die „Chance vertan, diesen Mangel abzustellen“. Das Evangelische Krankenhaus in Witten wäre nicht zuletzt wegen seiner zentrale der ideale Standort gewesen, so die SPD-Spitze.

Landtagsabgeordnete von SPD und Grünen hätten sich Kompromiss gewünscht

Die SPD-Landtagsabgeordneten und Verena Schäffer von den Grünen werfen der schwarz-gelben Landesregierung vor, keinen Kompromiss gewählt zu haben, der sowohl die bestehenden Angebote als auch den erhöhten Bedarf in Witten berücksichtigt hätte.

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