Gericht

Mitarbeiter steckte Warengutscheine für Mieter selbst ein

Das Wittener Amtsgericht hatte es mit einem ungewöhnlichen Betrugsfall zu tun.

Das Wittener Amtsgericht hatte es mit einem ungewöhnlichen Betrugsfall zu tun.

Foto: Werner Liesenhoff / Funke Foto Services

Witten.  Der Mitarbeiter eines Wohnungsunternehmens hat gestanden, Gutscheine für Mieter in 14 Fällen selbst eingesteckt zu haben. Erst leugnete er alles.

Wegen Betrug, Unterschlagung und Urkundenfälschung hat sich ein 38-jähriger Wittener am Mittwoch vor dem Amtsgericht verantworten müssen. Er soll als Angestellter eines großen Wohnungsunternehmens 2018 Mieter abgezockt und Warengutscheine in die eigene Tasche gesteckt haben.

Waren die Wohnungen mangelhaft, stellte das Unternehmen Gutscheine für Einkäufe in Möbelhäusern und anderen Geschäften aus. Dabei ging es um Summen von jeweils zwischen 50 bis 500 Euro. Insgesamt waren 29 Fälle zwischen Januar und November 2018 angeklagt. Der Mann bestritt die Taten. Alle Mieter hätten die Gutscheine erhalten, also würden sie lügen. Das Gericht hörte zwei Betroffene an.

Im einen Fall hatte ein 42-Jähriger Gutscheine über 450 Euro erhalten und angeblich weitere über 500 Euro. Tatsächlich habe er nur Warengutscheine für 450 Euro vom Angeklagten bekommen und quittiert, erklärte er. Ein anderer, 26-jähriger Mieter erhielt 150 Euro. Laut den Akten des Wohnungsunternehmens aber waren es 450 Euro.

Anzahlung für Wohnung in bar angenommen und nicht weitergeleitet

Der Angeklagte gab an, dass ein syrischer Mieter, der ab und an dolmetschte und mögliche Mieter vermittelte, dafür Geld von Mietern genommen und ihm einen Teil abgegeben zu haben. Wenn das stimme, sagte die Staatsanwältin, habe er gewerbsmäßig gehandelt und sich wegen dieser nicht versteuerten Einnahmen der Steuerhinterziehung schuldig gemacht. Die angeklagten Urkundenfälschungen könnten eingestellt werden, regte sie an.

Das Gericht unterbrach anschließend die Verhandlung und der Angeklagte beriet sich mit seinem Verteidiger. Danach gestand er die 14 Unterschlagungsfälle sowie einen Fall des Betrugs. Da hatte er eine Anzahlung des Mieters auf eine Wohnung in bar entgegengenommen und nicht weitergeleitet.

Ein Jahr auf Bewährung und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit

Die Staatsanwältin forderte für den bisher nicht vorbestraften Mann, der vier Kinder zu versorgen hat und Insolvenz angemeldet hat, eine einjährige Bewährungsstrafe. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Barbara Monstadt verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr Haft auf Bewährung und 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Die Staatskasse muss die ergaunerten insgesamt 2610 Euro einziehen.

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