Musik

Kölsch-Alarm: Die Höhner wollen in Witten die Welt anhalten

Sorgen am 4. April für Stimmung im Wittener Saalbau:Höhner-Sänger Henning Krautmacher (3. von re.) mit seinen Band-Kollegen Micky Schläger, Heiko Braun, Hannes Schöner, Jens Streifling und Joost Vergoossen (von li.).Foto:Manfred Jasmund 

Sorgen am 4. April für Stimmung im Wittener Saalbau:Höhner-Sänger Henning Krautmacher (3. von re.) mit seinen Band-Kollegen Micky Schläger, Heiko Braun, Hannes Schöner, Jens Streifling und Joost Vergoossen (von li.).Foto:Manfred Jasmund 

Witten.   Die Höhner kommen am 4. April in den Saalbau. Sänger Henning Krautmacher über einen Auftritt in der Wüste, Engagement und den Tod seines Bruders.

Die Höhner sind ein Kölner Exportschlager, ihre großen Hits wie „Echte Fründe“, „Viva Colonia“ oder „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ echte Ohrwürmer. Dass die Band mehr kann als Karneval, beweist sie seit Jahrzehnten. Die Höhner sind seit 47 Jahren im Geschäft und weltweit unterwegs – wenn auch nicht mehr in der ursprünglichen Besetzung. Am 4. April legen die sechs Musiker auf ihrer „Wir halten die Welt an“-Tour einen Stopp im Wittener Saalbau ein. Ein Interview mit Höhner-Sänger und Frontmann Henning Krautmacher (62) über die Freude an der Musik, ein Konzert in der Wüste und den Krebstod seines Bruders.


Sie machen gerade Urlaub auf Mallorca. Ihre Lieblingsinsel?
Henning Krautmacher: Das kann man so sagen. Mallorca ist ein Fluchtort, den ich vier bis fünf Mal im Jahr besuche. Ich bin in einem Dorf im Südosten der Insel, sitze auf der Terrasse und male. Eine andere Lieblingsinsel ist Irland, mit der mich ganz enge Freundschaften verbinden. Vor 27 Jahren habe ich die irische Band Galleon kennengelernt. Die hat zusammen mit den Höhnern auch schon Konzerte gegeben.


Haben Spaß auf der Bühne: Die Höhner Hennig Krautmacher und Hannes Schöner bei einem Auftritt im niederrheinischen Rees. Foto/Archiv: Thorsten Lindekamp Die Höhner sind am 4. April in Witten. Auf was dürfen sich Konzertbesucher freuen?
Ich glaube, wir sind das erste Mal in Witten! Es wird neue Songs geben aus unserem aktuellen Album und eine ganze Reihe von Songs, die wir seit 10, 15 oder 20 Jahren nicht mehr gespielt haben – wie „Karussells un bunte Büdcher“. Natürlich werden wir auch unsere Hits spielen wie „Schenk mir Dein Herz“ und „Viva Colonia“. Außerdem wollen wir die Welt für mehrere Sekunden anhalten. Wir haben das schon bei 200 Auftritten versucht. Es ist jedes Mal gelungen!


Mit den Roten Funken in Shanghai

Wie geht denn so was?
Alle Menschen im Raum halten auf Kommando inne, bewegen sich nicht mehr. Das ergibt ein großartiges Kunstwerk. Jeder Mensch ist ein Teil davon. Erst mit einem bestimmten Stichwort löst sich alles wieder auf. Das fasziniert die Leute.

Im letzten Jahr waren Sie von Ende September bis Mitte Oktober mit den Kölner Roten Funken auf Kuba und in Amerika.
Die Höhner sind Ehrenmitglied bei den Roten Funken. Vor neun Jahren waren wir mit ihnen schon auf der Expo in Shanghai. Die Reise nach Kuba und in die USA war erlebnisreich, aber eine Urlaubsfahrt war das nicht. Wir haben in der Zeit sieben Konzerte gespielt.


Traumhaft: das Konzert in der Wüste von Arizona

Die Höhner stehen seit 47 Jahren auf der Bühne – wenn auch nicht mehr in der gleichen Besetzung. Foto: Daniela Decker Wo sind Sie auf Kuba aufgetreten?
Auf Havannas Prachtstraße, dem Boulevard. Dort gab es Probleme mit dem Strom. (lacht) Den mussten sich die Techniker von einer Straßenlaterne holen. Wir haben auch ein Konzert mit einem der berühmtesten kubanischen Musiker gespielt – Alexander Abreu. Außerdem haben wir eine Musikschule besucht. Die Menschen, die auf Kuba in armen Verhältnissen leben, holen sich ihre Lebensfreude durch die Musik.


Wie war es in den USA?
In Amerika gibt es schwierige Genehmigungsverfahren. In der Fremont Street in Las Vegas kann man nicht mal eben die Instrumente auspacken und auf die Bühne klettern. Da muss man schon jemanden kennen, der einen kennt, der wieder einen kennt. Wir haben auch unter freiem Himmel in der Wüste von Arizona gespielt, wo wir ein Barbecue organisiert haben. Wir sind mit 130 Leuten in die Wüste gefahren und haben anderthalb Stunden ein Unplugged-Konzert gegeben – mit Lagerfeuerliedern, die man von der Mundorgel kennt. Wir haben auch Beatles- und Bob Dylan-Songs gesungen. Das war schon traumhaft! In Amerika haben wir auch Schulen besucht. Ich durfte dort immer etwas vorlesen. Wir wollten den Kids dadurch auch etwas Deutschland, etwas Europa nahebringen.


„Karneval ist nur ein Bruchteil unserer Arbeit“

Warum funktioniert Kölsch in der Welt?
Der Dialekt ist da nachgeordnet. Das Entscheidende ist die Authentizität. Wenn ein Lied vorgetragen wird, erfreut man sich daran, wie der Künster das rüberbringt, welche Stimmung er damit erzeugt. Ich glaube, wir sind eine sehr authentische Band, haben eine unheimliche Freude an dem, was wir machen.


Es gibt immer noch Menschen, die bei den Höhnern nur an Karneval denken.
Karneval ist nur ein Bruchteil unserer Arbeit. Unsere Weihnachtstournee ist die umfassendste und aufwendigste Tournee des ganzen Jahres! Wir machen auch gemeinsame Sache mit dem Circus Roncalli, sind da nicht nur die Zirkusband, sondern finden auch in der Manege statt.

Im Ruhestand einen Köln-Krimi schreiben

Im Januar erhielt Henning Krautmacher (re.) von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet das Bundesverdienstkreuz. Foto: Christophe Gateau/dpa Herr Krautmacher, im Januar haben Sie das Bundesverdienstkreuz für Ihr soziales Engagement begonnen. Sie setzen sich für Obdachlose, Flüchtlinge und die Deutsche Knochemarkspenderdatei ein. Warum ist Ihnen das wichtig?
Ich bin ein Überzeugungstäter. Wenn ich von etwas überzeugt bin, mobilisiere ich Kräfte und Zeit, um mich dafür einzusetzen. Ein Jahr nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht haben die Höhner mit dem Chor Grenzenlos (ein Chorprojekt mit Flüchtlingen und Kölnern, Anmerk. Redaktion) auf der Kölner Domplatte gesungen „Zuhause ist da, wo deine Freunde sind“. Da haben Leute geweint. Ich glaube, wir haben da einige Türen geöffnet, Bewusstsein dafür geschaffen, dass Flüchtlinge nicht alle Buhmänner sind, die wir hier nicht haben wollen. Am 23. Dezember koche ich immer für Obdachlose im Kölner Lobby-Restaurant LoRe. Dort gibt es Wildschweingulasch und Rotkohl. Die Höhner kellnern, ich mache ein Süppchen.


Sie sind 62, haben einmal gesagt, Sie wollten gerne noch das 50-jährige Jubiläum der Höhner miterleben. Dann sind Sie 65 und dann hätte man ein Anrecht, sich auch einmal zur Ruhe zu setzen. Könnten Sie eigentlich ohne die Höhner leben?
Da gehe ich von aus, weil ich es irgenwann ohne sie aushalten muss. Aber es ist in der Tat eine Frage der Vorbereitung. Ich werde immer eine Beschäftigung haben, ich komponiere, ich male. Wichtig ist, dass es der Band gut geht, dass die Nachfolge geregelt ist. (lacht) Wenn ich dann in den Ruhestand eingetreten bin, werde ich endlich meinen Köln-Krimi schreiben, der sich um die Kölner Musikszene dreht, auch um den 1. FC Köln!

„Mein Bruder hatte keine Chance“

2015 haben sich die beiden Begründer der Band, Peter Werner und Janus Fröhlich, zur Ruhe gesetzt.
Ja, Leute sagten da, die Höhner sind nicht mehr das, was sie mal waren. Da müssen wir mal abwarten. Die Leute sind uns aber treu geblieben. Ihr Bruder ist 2017 an Krebs gestorben. Denkt man da auch noch einmal über das eigene Leben nach?
Ja. Der Tod meines Bruders hat bei mir viele Gedanken ausgelöst. Obwohl es feststand, dass er sterben würde, hat er sich noch für eine Chemotherapie und Bestrahlung entschieden. Da fing das Elend an. Ich habe miterlebt, wie sein Körper durch die Behandlung immer mehr geschwächt wurde. Wenn es eine sehr große Chance gibt, den Krebs zu überleben, muss man die Chemo über sich ergehen lassen. Aber mein Bruder hatte einen Hirntumor, der auf beide Hirnhälften übergriff, er hatte keine Chance.

>>> HIER GIBT ES KARTEN

Karten für das Höhner-Konzert im Saalbau am 4. April (20 Uhr) gibt es ab 43,40 Euro (inklusive Gebühren) im Vorverkauf an der Wittener Saalbaukasse ( Tel.02302/581-2441).

Es gibt auch Karten im Online-Ticket-Shop, im Tourist & Ticket-Service an der Marktstraße 7 (Tel. 02302/19433) sowie im WAZ-Leserladen am Berliner Platz in Witten.


Leserkommentare (0) Kommentar schreiben