Gute Nachrichten

Facebook-Gruppe verbreitet nur gute Nachrichten aus Witten

Simon Körsgen (32) will nur gute Nachrichten aus Witten verbreiten.

Simon Körsgen (32) will nur gute Nachrichten aus Witten verbreiten.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Dialog statt Hetze: Mit der neuen Facebook-Gruppe „Gute Nachrichten aus Witten“ will Simon Körsgen einen Gegenpol zum Hass im Netz schaffen.

Immer nur Hass und Hetze im Netz: Simon Körsgen hatte davon die Nase voll. Als es ihm letzte Woche mal wieder zu viel wurde, hat der 32-Jährige seinen Ärger produktiv genutzt: Spontan gründete er bei Facebook die Gruppe „Gute Nachrichten aus Witten“ – und wurde vom Zuspruch überrannt. Schon nach einer Woche waren über 400 Mitglieder der Gruppe beigetreten – und die Kurve geht weiter nach oben.

Ein Gegenpol zu all den Hetzern

„Hier wird nur berichtet, was in unserer geliebten Heimatstadt Schönes passiert. Jeder Bericht oder Kommentar sollte darauf zielen, den Lesern dieser Gruppe ein Lächeln ins Gesicht zu zeichnen, auf eine Veranstaltung verweisen, auf die man sich freuen kann, oder Freude über die Hilfsbereitschaft und das Engagement unserer Mitbürger hervorrufen“, heißt es in der Beschreibung. Körsgen, gelernter Erzieher und Student der Sozialen Arbeit, will einen Gegenpol zu all den Hetzern schaffen, eine Wohlfühlgruppe quasi.

„Aber mir geht es dabei nicht darum, einfach die schlechten Nachrichten auszublenden“, erklärt der Gründer. Stattdessen wolle er eine „umgekehrte Filterblase“ gestalten. „Wenn man sich immer in Kreisen aufhält, in denen Negatives verbreitet wird, bildet sich das irgendwann als eigene Realität im Kopf ab.“ Vieles scheine auf einmal schlimmer, als es tatsächlich ist. „Nehmen wir als Beispiel die Kriminalstatistik. Die sinkt – und trotzdem haben die Menschen das Gefühl, die Zahl der Straftaten nehme zu.“ Da wolle er gegensteuern. Und deswegen nehme er auch die Leute in die Gruppe auf, wo denen er wisse, dass sie zu den Hetzern gehören. „Ich sortiere da nicht vor. Die sollen ruhig mitbekommen, was es an guten Nachrichten gibt – solange sie sich benehmen.“

Einige haben blöde Kommentare gemacht

Das war allerdings nichts bei allen der Fall. Ein paar hätten ausprobiert, wie weit sie gehen können. Einiges musste Körsgen löschen. Aber er habe jeden davon angeschrieben und das Vorgehen erklärt. „Es soll um Witten gehen, wir wollen keine Kalenderspruch-Seite werden.“ Und auch die Suche nach einer vermissten Katze – so wichtig sie auch ist – sei nun einmal keine gute Nachricht. Dafür aber die Geschichte von den jungen Leuten, die spontan beim Waschmaschinen-Transport mitangepackt haben, die der Frau, die von ihrem Besuch in der Bibliothek schwärmt – oder einfach auch nur mal schöne Bilder aus Witten.

Er hat sich die Maxime gesetzt, Gutes zu bewirken

Dass sich der Student nun als „Gutmensch“ beschimpfen lassen muss, das nimmt er gerne hin. „Was wäre denn das Gegenteil?“ Er habe sich persönlich die Maxime gesetzt, in seinem persönlichen Umfeld Gutes zu bewirken. „Das Große und Ganze kann ich nicht ändern, um mich herum lässt sich aber schon vieles positiv beeinflussen.“ Er habe den Eindruck, dass immer mehr Leute da so ticken wie er. „Es ist offenbar eine Bewegung entstanden, die Lust auf Positives hat.“ Junge wie Alte seien in der Gruppe vertreten. „Ich arbeite daran, dass die Uni bald noch dazukommt. Das wäre schön.“ Für die Zukunft hofft Körsgen, dass „Gute Nachrichten aus Witten“ weiter wächst und sich bald als bekannte Gruppe etabliert. „Ich möchte einfach eine gewisse Gesprächskultur erhalten – Dialog statt Diskussion.“

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