Stahlindustrie

Deutsche Edelstahlwerke Witten: Es hätte eng werden können

Die Deutschen Edelstahlwerke Witten produzieren jeden Tag Langprodukte für die Stahlindustrie, sind aber nicht ausgelastet.

Die Deutschen Edelstahlwerke Witten produzieren jeden Tag Langprodukte für die Stahlindustrie, sind aber nicht ausgelastet.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Witten.  Der Stahlriese DEW schwächelt, auch in Witten. Nun gibt es frisches Geld für die angeschlagene Konzernmutter. Es stand offenbar Spitz auf Knopf.

Die Situation beim kriselnden Stahlhersteller Schmolz & Bickenbach (S + B) mit Konzerntöchtern wie den Deutschen Edelstahlwerken (DEW) in Witten ist offenbar bedrohlicher gewesen als vielen bewusst war. Hätte die außerordentliche Generalversammlung am Montag (2.12.) bei Luzern nicht einer Kapitalerhöhung von knapp 300 Millionen Euro zugestimmt, hätte es nach Angaben von Branchenkennern „richtig eng“ werden können. Der finanzielle Engpass war nach Berichten der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) so groß, dass die Mittel nur noch bis Januar gereicht hätten.

„Das Risiko einer Insolvenz bestand durchaus, wenn es keine Einigung gegeben hätte“, sagt der Düsseldorfer Gewerkschaftssekretär Holger Lorek (55). Um so größer ist nun die Erleichterung, dass die Hauptaktionäre frisches Geld zuschießen wollen. Damit sieht Lorek die NRW-Standorte Witten, Siegen (beide mit großen Elektrostahlwerken) sowie Hagen und Krefeld erst einmal gesichert. Dort arbeiten rund 4000 der insgesamt 10.000 Konzernbeschäftigten.

IG Metall erwartet Zukunftskonzept von DEW-Geschäftsführung

Die 1800 Mitarbeiter in Witten haben ihr Weihnachtsgeld schon bekommen, laut Stahltarifvertrag 110 Prozent. Trotzdem müssen viele Kürzungen in der Lohntüte hinnehmen. Denn DEW fährt seit September Kurzarbeit, bis zu sieben Tage im Monat.

Die IG Metall erwartet von der Konzernleitung nun ein schlüssiges Konzept, wie das Unternehmen wieder in sicheres Fahrwasser, sprich in die Gewinnzone kommt. Die Auftragseinbrüche in der Stahlindustrie sorgen für tiefrote Zahlen. Nach Berichten der NZZ hat Schmolz & Bickenbach Schulden in Höhe von mehr als 700 Millionen Euro. Die Kapitalspritze verschafft dem Unternehmen erst mal wieder etwas Luft. „Wir sind zuversichtlich, dass wir den Refinanzierungsprozess in den nächsten Wochen erfolgreich abschließen“, sagt Verwaltungsratspräsident Jens Alder.

100.000 Tonnen unter der gewünschten Gesamtauslastung

Die Stahlwerke leiden unter ihrer zu geringen Auslastung. „Eine Gesamtauslastung von 800.000 Tonnen wäre wünschenswert. Wir liegen nicht einmal bei 700.000 Tonnen“, sagt Gewerkschaftssekretär Holger Lorek, bezogen auf die Jahresproduktion in NRW. „Wir erwarten ein Zukunftskonzept, wie die Auslastung und vor allem die Beschäftigung gesichert werden soll.“ Die DEW-Geschäftsführung müsse dieses Konzept zügig vorlegen.

Ein Arbeitskreis hat sich dem Projekt „DEW 2020 plus“ verschrieben. Er prüft „Kostensenkungsmaßnahmen“, sprich Einsparungen. Von Personalabbau ist derzeit noch nicht die Rede. Er werde sich aber kaum vermeiden lassen, heißt es aus dem DEW-Umfeld. Es gibt auch noch keinen Sanierungstarifvertrag, der entsprechende Einschnitte vorsehen könnte.

DEW in Witten hat bis Jahresende Kurzarbeit angemeldet

Als Gründe für die Krise in der Stahlindustrie gelten ein schwacher Maschinenbau, Rückgänge in der Automobilindustrie und hohe Stromkosten. DEW hat erst einmal bis Jahresende Kurzarbeit angemeldet. Holger Lorek von der IG Metall: „Wir hoffen, dass es damit dann auch vorbei ist und der Markt wieder anzieht.“ Er geht davon aus, im Januar schon mehr über die Zukunft des Wittener Werks sagen zu können.

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