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Betriebsrat vom Bauhaus Witten fühlt sich schikaniert

2017 bildeten Mitarbeiter und Mitglieder der Gewerkschaft Verdi vor der Bauhaus-Filiale eine Menschenkette gegen die fehlende Tarifbindung bei der Firma. Heute soll ein Transparent die „wertefreie Zone“ im Haus anprangern.

2017 bildeten Mitarbeiter und Mitglieder der Gewerkschaft Verdi vor der Bauhaus-Filiale eine Menschenkette gegen die fehlende Tarifbindung bei der Firma. Heute soll ein Transparent die „wertefreie Zone“ im Haus anprangern.

Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Wer sich im Betriebsrat engagiert, sei Beschäftigter zweiter Klasse, sagt ein Mitarbeiter. Bauhaus äußert sich knapp, aber klar zu den Vorwürfen.

Schikane von Betriebsrat-Befürwortern, familienunfreundliche Dienstpläne oder Mitarbeiter, die ihre Kollegen bespitzeln: Der Betriebsrat der etwa 100-köpfigen Wittener Bauhaus-Belegschaft sieht einen ganzen „Bündel von Problemen“ in der Filiale an der Brauckstraße. „Es sind Probleme, die bis zur Gesundheitsschädigung führen“, sagte ein Mitglied des Betriebsrats unserer Redaktion.

Bianca D. soll es etwa getroffen haben. Zwischen der damaligen stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden und ihrem Arbeitgeber hat es 2015 eine gerichtliche Auseinandersetzung gegeben, weil die Frau wegen eines gestörten Vertrauensverhältnisses gekündigt werden sollte. Damals einigte man sich bei einem Gütetermin vor dem Arbeitsgericht. „Mit Gericht und Gesetz hat man Bianca nicht kleingekriegt, menschlich hat man es geschafft“, behauptet einer ihrer Kollegen vom Betriebsrat, der anonym bleiben möchte. Seit mehreren Monaten soll Bianca nun krank sein.

„Familie spielt keine Rolle“

„Der Umgang mit ihr am Arbeitsplatz wird da seinen Teil zu beigetragen haben“, ist sich ihr Kollege sicher. Es gebe eine auffällige Diskriminierung bestimmter Gruppen in der Filiale. „Dabei ist der größte Unterschied, ob man betriebsratsfreundlich- oder feindlich ist“, sagt einer der Belegschaftsvertreter. Besonders, wer sich im Betriebsrat engagiert, müsse sich abfällige Bemerkungen gefallen lassen oder werde von anderen bespitzelt. „Es gibt Kollegen, die aufgrund von Denunziation befördert worden sind“, behauptet der Insider.

Die Ungleichbehandlung mancher Kollegen zeige sich auch durch zusätzliche Arbeitsbelastung, sagt das Betriebsratsmitglied. So müsse manch ein Mitarbeiter mehr Abteilungen als nötig betreuen und werde „zur Rechenschaft gezogen, wenn er nicht alle Aufgaben erledigt“. Ein anderer Dorn im Auge des siebenköpfigen Betriebsrates: „Familie spielt im Unternehmen keine Rolle.“ Wünsche nach familienfreundlichen Diensten (z.B. während der Betreuungszeit eines Kindes) seien häufig von der Geschäftsleitung abgelehnt worden. Für den Betriebsrat sind all das nicht nur ein Symptom der Wittener Filiale. „Das ist Unternehmenskultur“, heißt es dort.

Bauhaus kann Behauptungen nicht nachvollziehen

Auch die Gewerkschaft Verdi sprach schon 2015 von einem „Klima zwischen Angst und Empörung“ am Wittener Standort. Damals wurde bekannt, dass Bauhaus Scanner mit Tonaufnahmefunktion benutzt – laut Verdi womöglich, um Mitarbeiter zu belauschen.

Die Baumarktkette äußerte sich gestern nur knapp zu den jüngsten Vorwürfen. „Wir können die zugetragenen Behauptungen nicht nachvollziehen“, teilte ein Sprecher mit. „Nach unserer Überzeugung sind diese gezielten und unzutreffenden Vorwürfe nicht sachlich motiviert und mithin einer rechtlichen Prüfung zu unterziehen“.

Für den Betriebsrat ist die Sache klar. Um seinem Ärger Luft zu machen, enthüllt er heute um 15.30 Uhr ein Transparent mit dem Slogan „Wertefreie Zone – Familie egal, Gesundheit egal, Umsatz stimmt“ vor der Wittener Filiale.

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