Ausbildungsnacht

Auf Suche nach dem perfekten Job

Das wär’ doch was: Jugendliche ließen sich bei der Ausbildungsnacht von Experten beraten. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool

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Witten. Maria Köstitz (14) schwebt gute 15 Meter über dem Boden. Am Feuerwehrkran hängt die Wittener Schülerin und genießt den Blick über das Gelände der Karrierewerkstatt.

Derartige Abenteuer sollten am Wochenende das Interesse von Jugendlichen am Berufsleben wecken. Etwa 25 Wittener Unternehmen stellten bei der ersten „Nacht der Ausbildung“ ihre Lehrberufe vor. Zu weiteren Ausbildungsstätten fuhren kostenlose Shuttle-Busse. Die Messe beriet über berufliche „Klassiker“ wie Bürokauffrau und Kfz-Mechatroniker ebenso wie über weniger bekannte Alternativen. Männern wurde der Beruf des Kindergärtners vorgestellt, Wünsche wie „irgend etwas mit Metall“ in richtige Berufsvorstellungen verwandelt.

Marvin Zimmermann etwa kam zur Messe, um Anregungen für einen geeigneten Praktikumsplatz zu finden. Dem 17-Jährige war klar: „Mit Metall und Technik sollte es zu tun haben.“ Aber eine konkrete Idee hatte er nicht. Nach der Nacht der Ausbildung steht nun für den Schüler des Berufskollegs fest: „Ich werde mich als Zerspanungsmechaniker bewerben.“ Was genau man da macht? „Man fertigt Bauteile an, indem man Metall bohrt, schleift oder dreht“, erklärt der 17-Jährige stolz.

Ute Dreher (51) freute sich über den großen Andrang trotz Regen und später Stunde. „Wir wollten, dass nur wirklich interessierte Jugendliche kommen“, erklärt die Geschäftsführerin der Karrierewerkstatt den ungewöhnlichen Termin. „Außerdem haben so auch Eltern die Chance, ihre Kinder zu begleiten.“ Gemeinsam mit der Initiative Wirtschaftsförderung und den Stadtwerken organisierte die Karrierewerkstatt die Berufsmesse.

Die Ausbilder haben dabei die Chance, Jugendlichen ihre Anforderungen an eine Bewerbung näher zu bringen, die sonst häufig unerfüllt bleiben. „Vergangenes Jahr haben wir 90 Prozent der Anschreiben gleich aussortiert,“ erzählt Susanne Schimmelpfennig (45) über die Bewerbersuche in ihrer Firma für Haushaltsgeräteherstellung. Mangelhaft seien vor allem die Leistungen in den Hauptfächern und Rechtschreibung. Schuld sei nach Meinung der Personalerin vor allem eine zu oberflächliche Schulbildung. „Viele Jugendliche wollen einfach irgendeinen Ausbildungsplatz und das liest man. Die Anschreiben wirken dann phrasenhaft und unpersönlich.“ Die Stelle des „Produktdesigners“ habe man im vergangenen Jahr wegen der unzulänglichen Bewerbungen gar nicht erst besetzt.

„Die Jugendlichen werden schlechter gemacht, als sie sind,“ meint hingegen Christoph Löhr (44). Der Journalist hat aufgrund der „Lehrstellenaktion“ des WDR2 häufig Kontakt zu Ausbildungssuchenden. Der Rundfunksender will junge Leute über Ausbildungen und den Stellenmarkt in NRW informieren. Bis zu 30 Messen besuchen sie mit ihrem Doppeldeckerbus jedes Jahr.

Von seinen Azubis begeistert zeigt sich Guido Knehans (48). „Die sind ein richtig guter Fang. Wissbegierig und aufgeweckt,“ erklärt der Leiter der Werkfeuerwehr der Edelstahlwerke. „Es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten.“

Maria Köstitz wird trotz ihrer Begeisterung über den Ausflug mit dem Feuerwehrkran wohl nicht dazu gehören. „Ich bin noch auf der Suche nach dem perfekten Job. Aber Feuerwehrfrau? Nee,“ gibt die Wittenerin lächelnd zu. Nachdem sie wieder sicher auf dem Boden gelandet ist, will die 14-Jährige weitere Stände abklappern. Auf der Mission, ihren Traumjob zu finden.

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