Commerzbank-Umfrage

Auch Wittenerinnen stecken beim Thema Geld Kopf in den Sand

Frauenpower am Bankschalter: Nora Golda, Scarlett Kanditt, Hilal Turgut, Celina Simon und Anke Koch (v.l.) arbeiten bei der Commerzbank Witten an der Ruhrstraße und stellen die Umfrageergebnisse vor.

Frauenpower am Bankschalter: Nora Golda, Scarlett Kanditt, Hilal Turgut, Celina Simon und Anke Koch (v.l.) arbeiten bei der Commerzbank Witten an der Ruhrstraße und stellen die Umfrageergebnisse vor.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Frauen wollen finanziell unabhängig sein – aber sie sorgen dennoch nicht fürs Alter vor. Das zeigt eine Umfrage, die in Witten vorgestellt wurde.

Finanziell unabhängig zu sein, ist für die Mehrheit aller Frauen eines der wichtigsten Ziele im Leben. Das hat eine repräsentative Umfrage ergeben, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Commerzbank in NRW durchgeführt hat. 72 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen die Unabhängigkeit „äußerst“ oder „sehr“ wichtig ist. Beim Thema „Familie gründen“ waren es zum Vergleich 54 Prozent – und beim „Vermögen schaffen“ sogar nur 41 Prozent. Ein gefährliches Missverhältnis, sagt die Wittener Filialdirektorin Nora Golda. Denn Vermögen zu schaffen, das heiße, fürs Alter vorzusorgen. Das aber würden Frauen oft ausblenden und den Kopf in den Sand stecken. „Wir sind oft perplex, was wir bei Beratungsgesprächen hier so alles erleben.“

Frauen kümmern sich um alles – nur nicht um ihr eigenes Geld

Immer noch kämen Männer oft allein zu Bankgesprächen, die die ganze Familie betreffen. Bei älteren Kunden hätten immer noch nicht alle Frauen Zugriff aufs Girokonto. „Wir haben den Eindruck: Die Frauen kümmern sich um alles, um Kind und Mann und darum, dass es der Schwiegermutter gut geht“, so Golda. Aber sie würden nicht schauen, was eigentlich für sie übrig bleibe – und oft auch nichts gegen die klaffende Lücke tun. Dass scheint den Frauen übrigens durchaus bewusst zu sein: Immerhin 43 Prozent gaben in der Umfrage an, im Alter nicht ausreichend versorgt zu sein.

Daran müsse sich etwas ändern. Dabei geht es nicht darum, die klassische Rollenverteilung in Frage zu stellen, versichert Stellvertreterin Anke Koch – auch wenn 19 Prozent der verheirateten Frauen angaben, über kein eigenes Einkommen zu verfügen. Aber alle Frauen müssten einfach für sich selber sorgen. „Der Glaube, durch eine Ehe automatisch versorgt zu sein, ist oft ein Irrglaube“, so Koch. Weitere Tipps der Expertin: Frauen sollten bei Bankgeschäften selbstbewusster werden, sich trauen, nachzufragen und die Sache auch mal selbst in die Hand zu nehmen.

Anteil der Frauen mit Aktienportfolios liegt bei 32 Prozent

Und vor allem: Sie sollten mutiger sein. Denn der Anteil der Frauen am Depotvolumen – also an Wertpapieren – liege in Witten bei gerade mal 39 Prozent, bei den Aktienportfolios nur noch bei 32 Prozent. „Frauen müssen risikobereiter werden“, so Golda. Für eine langfristige, gute Absicherung im Alter brauche man jede Art von Anlage, auch die risikoreichen. „Wenn man sich den Aktienmarkt der letzten 30 Jahre anschaut, sieht man, dass er trotz der Crash-Jahre letztlich immer in der Gewinn-Zone war.“

Dabei gehe es gar nicht um die großen Summen. Man brauche keine Hunderttausende für eine gute Anlage, sondern Zeit. „Früh anfangen, lange Laufzeiten, immer wieder aufstocken“, rät Nora Golda ihren Kundinnen. Gerade auch denen, die nur wenig Geld zur Verfügung haben. In niedrigen Einkommensklassen könne man schon mit 25 Euro im Monat einiges an Förderung bekommen – Wohnungsbauprämie, Riester- oder Sparzulagen.

Auf die Dauer zahle sich dann eine Eigenschaft der Frauen aus, an der Nora Golda nichts auszusetzen hat: „Sie sind geduldiger – das ist bei Geldanlagen ein großer Vorteil.“

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