Hausarztversorgung

Zu wenig Ärzte für den patientennahen Notdienst Kreis Wesel

Dr. Michael Weyer reagiert auf die Kritik am hausärztlichen Notdienst und an dem Prinzip der Notdienstpraxen.

Dr. Michael Weyer reagiert auf die Kritik am hausärztlichen Notdienst und an dem Prinzip der Notdienstpraxen.

Foto: Heiko Kempken / FFS

Kreis Wesel.  Menschen fühlen sich allein gelassen mit dem Hausarztnotdienst im Kreis Wesel, die Grünen kritisieren ihn. Dr. Michael Weyer sagt, wo es hakt.

Dr. Michael Weyer, Arzt in Dinslaken und Vorsitzender der Kreisstelle Wesel der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), will die Vorwürfe der Kreisgrünen und die Kritik am Projekt hausärztliche Notdienstpraxen so nicht stehen lassen.

„Leider zeigt sich bei den Behauptungen der Kreisgrünen eine bedauerliche Unkenntnis der Systems der Kassenärztlichen Vereinigungen, des Notdienstes und der aktuellen Entwicklungen in der medizinischen Versorgung der Einwohner“, so Weyer.

Niedergelassene Ärzte kommen für die Notdienstambulanzen auf

Die Behauptung, „die Kassenärztlichen Vereinigungen schwimmen im Geld“ und müssten von ihren Millionen nur etwas abgeben, entbehre jeglichen Wahrheitsgehaltes. „Die Gelder, die für die vielfältigen Aufgaben der Kassenärztlichen Vereinigungen ausgegeben werden, stammen nicht aus irgendeinem öffentlichen, unerschöpflichen Topf, sondern werden durch Abzug vom Honorar der Niedergelassenen Ärzten aufgebracht“, so Weyer.

Das gelte auch für die geforderten Notdienstambulanzen. Die seien keineswegs kostenlos für die niedergelassenen Ärzte, die Betriebskosten müssten von den Ärzten aufgebracht werden, in deren Bereich die Notdienstpraxis liegt.

Weyer rechnet mit rund 90.000 Euro pro Jahr und Notdienstpraxis, da sei es gut vorstellbar, wie hoch jeder Arzt belastet wird. „Je kleiner die Notdienstbezirke, desto größer die finanzielle Belastung des einzelnen Arztes.“ Das sei ein Grund dafür, dass es gerade in den ländlichen Bereichen des Kreises Wesel und anderen nicht möglich sei, eine Notdienstpraxis zu betreiben. „Die Folge, dass die Patienten größere Strecken bis zum nächsten Arzt zurücklegen müssen, ist bekannt und in hohem Maße bedauerlich“, so Weyer.

Personalmangel, viele Ärzte sind jenseits der 60

Als weiteren Punkt nennt er „die Demographie, die auch vor den Ärzten nicht Halt macht“. Mehr als ein Drittel der Ärzte im Kreis Wesel sei mittlerweile über 60 Jahre alt. Wie andere Menschen ihres Alters auch, würden sie zunehmend von ‘Zipperlein’ und Erkrankungen geplagt. Daher „ist es ein großes Problem die Dienste mit den erforderlichen Ärzten zu besetzen“. Die Nachbesetzung von Hausarztsitzen gestalte sich seit Jahren als sehr schwierig und sei häufig nicht erfolgreich. „Viele junge Kollegen sind nicht mehr bereit dem Beruf die Familie und Freizeitinteressen unterzuordnen. Auch aus diesem Grund ist es nicht möglich, kleinere Notdienstbezirke einzurichten.“ Es mangele schlichtweg am Personal.

„Damit sind leider, und in diesem Punkt muss ich den Kreisgrünen recht geben, Menschen ohne Fahrmöglichkeit ,alleingelassen’.“ Keinesfalls seien davon aber Bettlägerige und alte, kranke Patienten betroffen, die die Praxis nicht aufsuchen können. „Hier gilt immer noch und auch in Zukunft, dass sie, medizinische Notwendigkeit vorausgesetzt, einen Hausbesuch anfordern können“, so Dr. Weyer.

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