Runder Geburtstag

Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp feiert 60. Geburtstag

Ulrike Westkamp fühlt sich mit 60 Jahren noch fit und voller Energie. 2020 stellt sie sich erneut als Bürgermeisterin von Wesel zur Wahl.

Ulrike Westkamp fühlt sich mit 60 Jahren noch fit und voller Energie. 2020 stellt sie sich erneut als Bürgermeisterin von Wesel zur Wahl.

Foto: Erwin Pottgiesser / FFS

Wesel.  Seit 15 Jahren ist die Verwaltungschefin im Amt – und sie tritt 2020 ein weiteres Mal an. Im NRZ-Gespräch blickt sie auf das Erreichte zurück.

Wenn Bürgermeisterin Ulrike Westkamp traditionell am Beginn einer Ratssitzung den Ratsfrauen öffentlich zum Geburtstag gratuliert, dann verrät sie nie deren Alter. Anders ist das bei den Herren des politischen Gremiums, aber auch bei ihr selbst. Als Chefin der Stadtverwaltung hält sie ihr Alter nicht geheim: Ulrike Westkamp feiert am heutigen Dienstag einen runden Geburtstag, sie wird 60 Jahre alt.

Ist es ein besonderer Tag für sie oder einer wie jeder andere auch? „Man denkt schon darüber nach, bei einer runden Zahl“, sagt sie, um sofort anzufügen, dass sie sich fit und gesund fühlt und deshalb eigentlich doch alles wie in jedem Jahr ist. Ob die Sozialdemokratin, die seit 15 Jahren das Bürgermeisteramt inne hat, heute frei macht, hatte sie rund drei Wochen vor diesem Datum, als sie sich mit der NRZ zum Gespräch traf, noch nicht abschließend entschieden.

Am 60. Geburtstag Zeit für für Familie

Sie habe den 10. September mal geblockt und sich auf jeden Fall den Nachmittag reserviert. Schließlich möchte sie - wie üblich - mit ihrer Familie feiern. Und dazu gehört ein abendliches Essen im Restaurant. Am Wochenende sind dann die Freunde dran, doch auch das ist eigentlich so wie immer.

2004 wurde die Weselerin, die in Haldern geboren ist, aber ihre Stadt von klein auf kennt, zum ersten Mal von den Bürgerinnen und Bürgern zum Stadtoberhaupt gewählt. In diesen anderthalb Jahrzehnten hat sich hier einiges verändert. Und das betrifft vor allem ihr eigenes Dezernat.

Die ökologische Entwicklung liegt Ulrike Westkamp am Herzen

Ulrike Westkamp ist für die Stadtentwicklung zuständig und sprudelt geradezu die Themen heraus, die wichtig waren und sind. Angefangen beim Masterplan Innenstadt, für den ihr Vorgänger Jörn Schroh (CDU) die Vorarbeit geleistet hat, und der nach und nach umgesetzt wird. Die Fußgängerzone wurde erneuert, das Zitadellenviertel wird nach und nach auf Vordermann gebracht, das Fassadenprogramm läuft weiter und es wurden und werden zahlreiche in die Jahre gekommene Straßen saniert.

Am Herzen liegt Westkamp auch die ökologische Entwicklung. „Wesel war immer eine grüne Stadt“, sagt sie und erinnert sich an die Zeit, als sie während ihrer Ausbildung als Telefonistin gejobbt und das viele Grün in ihrer Heimatstadt genossen hat, wenn sie nach Hause kam. Heute habe die Umwelt ja einen ganz anderen Stellenwert und Bereiche wie der Ereigniswald in der Aue, in dem Bürger zu bestimmten Anlässen Bäume pflanzen können, sowie der 777-Jahre-Wald an der Feldstraße seien wichtig.

Soziale Medien haben den Umgangston auch in Wesel verändert

Mit Ingrid von Eerde habe die Stadt zudem eine äußerst engagierte Klimaschutzmanagerin. Und im Grunde zögen alle Ratsfraktionen in diesem Bereich an einem Strang. Und was hat sich an ihrer Arbeit im Laufe der Zeit verändert? „Allein die Gesellschaft verändert sich stark“, sagt sie und verweist auf die sozialen Medien, durch die sich manches zum Negativen entwickelt habe. Die Wortwahl sei oft mehr als kritisch. „Da werden Leute beleidigt und angegriffen und Halbwahrheiten verbreitet.“

Dies sei eine Folge der Anonymität im Netz. Ansonsten habe die Bürokratie in nahezu allen Bereichen zugenommen. Heute müsse man für einen Bebauungsplan teilweise um die 120 Stellen anschreiben. Dabei helfe es generell sehr, dass sie gut vernetzt sei. „Ich kenne viele Menschen. Es macht die Arbeit deutlich leichter, wenn man schnell mal zum Telefonhörer greifen kann.“ Erleichterungen sehe sie hingegen keine. Da müsse man sich nur das Thema Straßenbaubeiträge ansehen. Dahinter stecke eine unglaubliche Bürokratie.

Westkamp strebt weitere Amtszeit als Bürgermeisterin von Wesel an

Dennoch tritt Ulrike Westkamp bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr, die voraussichtlich im September sein wird, noch einmal an. „Für mich ist es gut, wie es jetzt ist“, sagt sie. „Ich arbeite sehr gerne als Bürgermeisterin und habe gerne mit Menschen zu tun.“ Dabei sei ihr daran gelegen, nicht nur die großen Themen voranzubringen. Das Miteinander und die Mitmenschlichkeit halte sie für enorm wichtig. Das sei eine große Motivation. „Ich möchte Bürgermeisterin für alle sein“, betont sie. Eine Stadt in der Größenordnung Wesels erlaube dies auch.

Dass ihr Ehemann Helmut schon seit zwei Jahren den Ruhestand genießt, ist für Ulrike Westkamp kein Grund, es ihm gleichzutun. „Wir machen viel zusammen, aber er hat auch ausgeprägte Hobbys“, sagt sie. Und ihr Wunsch für die Zukunft? „Dass es positiv weiterläuft und ich so fit bleibe wie jetzt.“

>> Das sind die wichtigsten Themen für die nächsten Jahre

Und das steht laut Ulrike Westkamp unter anderem demnächst an: In den Ortsteilen müsse man weiter vorankommen. Beispiel Büderich. Hier geht es um die Umgestaltung der Weseler Straße und die Realisierung eines Altenheims mitten im Dorf. Auch die Entwicklung des alten Sportplatzes in Bislich sei von Bedeutung, wobei hier zunächst eine archäologische Untersuchung erfolge.

Beim innerstädtischen Busverkehr müssten Verbesserungen her, die Infrastruktur am Bahnhof werde mit einer weiteren Fahrradbox und Pendler-Parkplätzen aufgewertet. Megathemen seien das neue Kombibad am Rhein, aber natürlich auch das Klima. Der Politik werde ein Dachbegrünungsprogramm vorgeschlagen. Und man brauche mehr bezahlbaren Wohnraum in der Stadt

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