Erfahrungsbericht

Unfall auf A31: Trucker stellt Lkw quer und wird beschimpft

Mit seinem 40-Tonner (hinten) sicherte Fernfahrer Bastian Michel aus eigener Verantwortung die Unfallstelle auf der A31 bei Schermbeck.

Mit seinem 40-Tonner (hinten) sicherte Fernfahrer Bastian Michel aus eigener Verantwortung die Unfallstelle auf der A31 bei Schermbeck.

Foto: Feuerwehr Dorsten / Markus Terwellen

Dorsten/Schermbeck.  Ein Fernfahrer hat auf der A31 bei einem Unfall, der vor ihm passierte, eine besondere Reaktion gezeigt. Hier schildert er seine Erlebnisse.

Er würde es wieder tun, keine Frage. Schließlich war es „ein schönes Gefühl“ in einer besonderen Situation „helfen zu können“. Andere aber empfanden es offenbar als Nötigung: Fernfahrer Bastian Michel war am vergangenen Freitag auf der A31 Zeuge eines Autobahnunfalls. Ein Auto prallte in voller Geschwindigkeit von hinten in einen Reisebus mit Schulkindern. Michel reagierte sofort.

Der Fernfahrer aus der Nähe von Koblenz war am Steuer seines 40-Tonners von den Niederlanden aus auf der A31 in Richtung Oberhausen unterwegs. Zwei Kilometer vor der Anschlussstelle Schermbeck krachte es vor ihm: „Ein BMW war dabei, einen Sprinter zu überholen, als plötzlich ein Reisebus auf die linke Spur ausscherte“, erinnert sich Michel. Der BMW prallte in das Heck des Busses. „Plötzlich gab es eine riesige Qualmwolke“, sah Michel. Die Fahrbahn war von Trümmern übersät.

Als Lkw-Fahrer hat man Verantwortung

Mit eingeschalteter Warnblinkanlage und in Schlangenlinien habe Michel seinen Lastzug abgebremst, um den nachfolgenden Verkehr kontrolliert zu stoppen. „Dann habe ich den Lastzug quer auf beide Fahrbahnen gestellt. Auf dem Standstreifen habe ich Platz für die Rettungsfahrzeuge gelassen“, sagt Michel.

„Mein erster Gedanke war, die Kinder in dem Bus zu schützen“, erinnert sich der 27-Jährige, der seit Januar 2018 Berufskraftfahrer ist. Dass der Bus voller Kinder war, habe er zuvor gesehen, als er von dem Reisebus überholt wurde.

„Ich wurde von einigen Autofahrern beschimpft“

Warum Michel so reagierte? „In der Fahrschule haben wir gelernt, wir haben als Lkw-Fahrer eine große Verantwortung im Straßenverkehr“, sagt Michel. Mit Signalweste und Verbandskasten hatte Michel dann versucht, an der Unfallstelle zu helfen. „Aber den Leuten ging es weitgehend gut“, habe er rasch festgestellt. Die Polizei bestätigte später: Es gab keine Verletzten.

Was dann folgte, beschäftigte Michel nach eigenen Angaben noch das ganze Wochenende: „Ich bin von einigen Autofahrern beschimpft worden“. Was genau man ihm an den Kopf geworfen hat, „habe ich mir nicht gemerkt“, behauptet Michel. Nettigkeiten seien es nicht gewesen. Auch habe er in einigen Fällen Leuten „laut Kontra gegeben“.

Autos schlängelten sich am Lastzug vorbei durch die Unfallstelle

„Einige Autos haben sich an meinem Lastzug vorbeigeschlängelt und sind durch die Unfallstelle gefahren“, erinnert sich Michel. Ein Autofahrer aus Koblenz habe aber seinen Wagen wieder zurückgesetzt, als Michel ihn ansprach: „Das fand’ ich sehr gut“.

Warum er Verantwortung für andere übernahm, obwohl das doch im Straßenverkehr nicht die Regel zu sein scheint? „Ich war ein paar Jahre bei der freiwilligen Feuerwehr“, meint Michel. Nun fährt er als Berufskraftfahrer pro Woche gut 3000 bis 4000 Kilometer verschiedenste Güter durchs In - und Ausland. Ein Kollege aus der Schweiz habe ihm mal erzählt, er versuche bei Unfällen auf gleiche Weise zu handeln“, sagt Michel: „Das muss es mehr geben“, habe der Kollege gesagt.

Manche Autofahrer zeigten „Daumen hoch“-Geste

Nicht bei allen Autofahrern sei er bei dem Unfall auf der A31 auf Unverständnis gestoßen, erinnert sich Michel. Als die Unfallstelle nach gut zwei Stunden wieder geräumt gewesen war und sich die Kolonne dahinter in Bewegung setzte, „hatten mich einige überholt und zum Dank Warnblinker eingeschaltet und ‘Daumen hoch’ gezeigt“, freut sich der Berufskraftfahrer.

Ganz sicher sei er nicht gewesen, ob er wirklich korrekt gehandelt hatte, gibt Michel zu: „Polizisten haben mir bei der Befragung zum Unfall aber versichert, dass alles okay sei und ich mir keine Sorge machen müsste, Ärger zu bekommen“.

Polizei lobt den Fernfahrer

Bei der zuständigen Autobahnpolizei in Münster bekräftige jetzt ein Sprecher: „Das war eine gute Aktion von dem Fernfahrer“. Er habe „schulbuchmäßig gehandelt“, zumal er neben seinem Lastzug Platz gelassen hatte, „damit auch Uneinsichtige ihn überholen können“, sagte der Sprecher. Schon bei ihrer Unfallmeldung hatte die Polizei „die vorbildliche Rettungsgasse“ gelobt, die den Rettern half, „schnell zur Unfallstelle zu kommen“.

Das Fazit der Polizei: „Der Fernfahrer hat durch sein Handeln geholfen, weiteren Schaden bei dem Unfall abzuwenden“. So zu reagieren, sei jedoch immer „abhängig von der jeweiligen Situation“, gibt der Polizeisprecher zu bedenken: „Gut ist es, solange man sich und andere dabei nicht in Gefahr bringt“.

Auch von der Feuerwehr Dorsten gab es nach dem Unfall Lob für die Rettungsgasse. „Auch wir sichern Unfallstellen mitunter durch quer gestellte Großfahrzeuge ab“, erklärte ein Sprecher: „Aber wir haben spezielle Warnlichter auf den Fahrzeugen, merkte er an: „Ein normaler Lastwagen hat die nicht“. Auf Autobahnen sei das Risiko für Einsatzkräfte enorm, etwa durch die Unaufmerksamkeit anderer zu verunglücken, sagt der Feuerwehrsprecher: „Bei einem Einsatz auf der Autobahn lassen wir Rettungswagen immer von einem Löschfahrzeug begleiten.“Das diene dann an der Unfallstelle „als Prellbock“.

Leserkommentare (14) Kommentar schreiben