Urteil

So erfassen Verwaltungen im Kreis Wesel die Arbeitszeiten

Die Verwaltungen arbeiten bereits mit einer elektronischen Arbeitszeiterfassung. So wird die Zeit zwischen Dienstbeginn und Dienstende genaustens dokumentiert.

Die Verwaltungen arbeiten bereits mit einer elektronischen Arbeitszeiterfassung. So wird die Zeit zwischen Dienstbeginn und Dienstende genaustens dokumentiert.

Foto: Lars Fröhlich

Kreis Wesel.   Auch Kreishandwerkerschaft und Marien-Hospital nehmen Stellung zum Urteil des EuGH. Vielerorts wird die Arbeitszeit bereits erfasst.

Unnotierte Überstunden und unbezahlte Mehrarbeit: Das soll es in Zukunft nicht mehr geben. Denn nicht nur die Überstunden, sondern die volle Arbeitszeit von Beschäftigten müssen Arbeitgeber nun lückenlos erfassen. Das entschied am Dienstag der Europäische Gerichtshof (EuGH). Wie die Verpflichtung zur Arbeitszeitverfassung umgesetzt und ob es Ausnahmeregelungen geben wird, ist den einzelnen EU-Staaten überlassen.

Arbeit wird immer flexibler

„Das wird eine schwierige Diskussion werden“, sagt Holger Benninghof, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft des Kreises Wesel. „Wir leben in Zeiten, wo unsere Arbeit immer flexibler wird.“ Bei den Innungsbetrieben im Kreis gebe es keine bekannten Probleme, die die Arbeitszeiten betreffen.

Gewerbliche Arbeitnehmer unterlägen ohnehin schon der Aufzeichnungspflicht, zum Beispiel beim Mindestlohn. Schwieriger sei es bei den Angestellten. Der bürokratische Mehraufwand für die Dokumentationen könnte zum Problem werden. Benninghof hofft daher auf eine praxisnahe Umsetzung des Urteils.

Elektronischer Dienstplan

Dem Marien-Hospital in Wesel bereitet das Urteil keine Sorgen. 2900 Beschäftigte in verschiedenen Berufsfeldern arbeiten dort. „Im gesamten Unternehmen wird eine elektronische Dienstplangestaltung praktiziert“, erklärt Personalleiterin Sabine Seegers auf Anfrage. Dadurch werden alle Dienstformen sämtlicher Berufsgruppen erfasst – also auch Bereitschafts- und Sonderdienste. Bei den Mitarbeitern werde so die Zeit zwischen Dienstbeginn und Dienstende festgehalten – „ganz so, wie es das Urteil verlangt“, so Seegers.

So sieht’s in den Verwaltungen aus

In den Stadt- und Gemeindeverwaltungen im Kreis wird größtenteils mit einer elektronischen Zeiterfassung gearbeitet. „In Ausnahmefällen erfolgt die Zeiterfassung auch noch handschriftlich, zum Beispiel bei den geringfügig Beschäftigten“, erklärt Swen Coralic von der Stadt Wesel. Die Verwaltungsmitarbeiter arbeiten hier nach einer Gleitzeitregelung. Die Kernarbeitszeit, in der die Mitarbeiter anwesend sein müssen, ist von 8.30 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr, freitags nur bis 12 Uhr. Auch die Arbeit von Zuhause aus, also im Homeoffice, wird dokumentiert.

Elektronische Erfassung in Hamminkeln

In Hamminkeln arbeitet die Verwaltung schon seit Jahren mit einer elektronischen Zeiterfassung. „Aber es gibt Ausnahmen“, sagt Stefan Kulina von der Stadt. Dazu zählen zum Beispiel die Sekretärinnen in den Schulen, die bis dato keine Angaben über ihre Arbeitszeiten dokumentieren. Wie in Wesel arbeiten die städtischen Angestellten nach einer Gleitzeitregelung, die eine Kernarbeitszeit umfasst. „Beim Homeoffice stempeln sich die Mitarbeiter über ihren Laptop ein“, erklärt Kulina. Für kurze Pausen, zum Beispiel zum Rauchen, müssen die Arbeitnehmer sich abmelden – „Das ist Freizeit.“

Kernzeiten auch in Hünxe

Im Rathaus Hünxe können Arbeitszeiten über Chip oder Rechner erfasst werden. Die Verwaltung greife zurück auf ein „recht flexibles Modell“, sagt Sven Linda von der allgemeinen Verwaltung. So gebe es „Kernzeiten“ im Rathaus, etwa 7 bis 12Uhr, sowie an drei Nachmittagen in der Woche von 14 bis 16 Uhr. „Da ist die Anwesenheit der Mitarbeiter in der Regel Pflicht“, so Linda. „Rahmenzeiten“ gelten montags bis donnerstags von 7 bis 18 Uhr und freitags von 7 bis 14 Uhr. „Alles, was über diese Rahmenzeiten hinaus geht, muss eingereicht werden.“ Dies sei über den Computer möglich. „Der Aufwand, um die Arbeitszeit zu erfassen, ist ganz gering: Es ist mit ein paar Klicks getan“, erklärt Linda. Homeoffice sei bei der Gemeinde ebenfalls möglich.

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