Kammerorchester

Senioren musizieren gemeinsam in Wesel

Kreiskantor Ansgar Schlei, Christian Braumann, Karin Beuting-Lampe und Pfarrer Thomas Bergfeld (von links) gründen ein Kammerorchester mit Senioren.

Kreiskantor Ansgar Schlei, Christian Braumann, Karin Beuting-Lampe und Pfarrer Thomas Bergfeld (von links) gründen ein Kammerorchester mit Senioren.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Wesel.  Die Evangelische Kirchengemeinde Wesel plant die Gründung eines Kammerorchesters mit Mitgliedern ab einem Alter von 60 Jahren.

In Wesel sind rund 30 Prozent der Bevölkerung, über 18000 Einwohner, 60 Jahre und älter – damit liegt die Hansestadt sogar noch etwas über dem bundesweiten Durchschnitt. Doch die zunehmend älter werdende Gesellschaft bietet auch besondere Potenziale im kulturell-musikalischen Bereich, die Zahl der Menschen, die nach ihrem Berufsleben ihre musikalischen Aktivitäten wieder aufleben lassen wollen, wird größer. Genau hier setzt die Idee von Karin Beuting-Lampe an, in Wesel ein Kammerorchester speziell für Senioren zu gründen. „Musikalische Bildung im Alter ist ungemein wichtig“, sagt Beuting-Lampe, die Querflöte spielt und seit 30 Jahren Mitglied in der Domkantorei ist. „Über die Musik erreicht man Senioren vom jüngeren bis ins hohe Alter.“ Während des Studiums der Bildungswissenschaften hat sich die Weselerin speziell mit der musikalischen Bildung im Alter beschäftigt. „Soziale Kontakte sind das Wichtigste im Alter – eine Möglichkeit dazu ist die Musik.“

So besagt eine Studie aus dem Jahre 2008, dass Musizieren in einem Seniorenorchester neben den Kontakten zu anderen Menschen vor allem Lebensfreude verschaffe und die Lebensqualität steigere, die Menschen einfach glücklich mache und ihnen ein Gemeinschaftsgefühl vermittele.

Am Anfang der Gründungsphase

Noch stehen Karin Beuting-Lampe als organisatorische Leiterin des künftigen Orchesters, Christian Braumann als musikalischer Leiter und Kreiskantor Ansgar Schlei am Anfang der Gründungsphase. Das Planungsteam komplettiert Pfarrer Thomas Bergfeld. Angesprochen sind Senioren ab einem Alter von 60 Jahren und darüber, die Violine, Viaola, Cello, Kontrabass, Querflöte, Oboe, Klarinette, Fagott oder Horn spielen. Der Interessentenkreis ist nicht auf die Stadt Wesel begrenzt und konfessionsübergreifend. „Wir lassen uns auch nicht den Personalausweis zeigen“, schmunzelt Christian Braumann.

Die regelmäßigen Proben finden dienstags von 10.30 bis 12.30 Uhr im Haus am Dom statt – inklusive ausgedehnter Pause zwischendurch. Nach den Proben könnte es eventuell zu einem gemeinsamen Mittagessen gehen. Ein erster Treffen für das noch namenlose Orchester ist für den 12. November um 10.30 Uhr im Haus am Dom geplant, offizieller Termin für die Gründung soll dann im Januar kommenden Jahres sein. „Die große Herausforderung wird das sehr unterschiedliche Niveau der Mitglieder sein“, glaubt der musikalische Leiter Christian Braumann. Was gespielt werde, stehe „noch in den Sternen. Das richtet sich auch nach den Instrumentengruppen.“ Die große Kunst werde es sein, keinen zu überfordern und zu unterfordern, wie Braumann betont. „Ich versuche alle mitzunehmen.“ Bei etwa 20 Mitgliedern sei das Orchester spielfähig, doch das gesamte Ensemble soll deutlich größer sein. „Jeder kann sich anmelden, jeder ist herzlichst willkommen“, sagt Braumann.

Ganz ohne Leistungsdruck

Kreiskantor Ansgar Schlei machte im Rahmen eines Pressegesprächs auch noch einmal den Ansatz deutlich. „Wir wollen mit den Menschen musikalisch arbeiten – aber ganz ohne Leistungsdruck. Wichtig sind die gemeinsamen Treffen, die Geselligkeit.“ Auf der anderen Seite sei es das Ziel, ab einem gewissen Repertoire auch in der Öffentlichkeit aufzutreten – wie es jüngst der Seniorenchor im Gottesdienst gemacht hat. „Wir wollen diesem Projekt eine Chance geben“, sagt Pfarrer Bergfeld. Gut möglich, dass das von der Kirchengemeinde für zwei Jahre geförderte Projekt bei Erfolg verlängert würde.

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