Fridays for Future

In Wesel demonstrierten rund 350 Menschen für das Klima

In Wesel standen die Schüler nicht mehr allein mit ihren Forderungen: Zahlreiche Unterstützer aller Altersgruppen schlossen sich dem Demonstrationszug an.

In Wesel standen die Schüler nicht mehr allein mit ihren Forderungen: Zahlreiche Unterstützer aller Altersgruppen schlossen sich dem Demonstrationszug an.

Foto: Thorsten Lindekamp / FFS

Wesel.  Auf rund 150 Teilnehmer hatten die Fridays-for-Future-Aktiven gehofft: 350 kamen, unter ihnen zahlreiche Erwachsene und auch etliche Rentner.

Damit haben die Organisatoren der Weseler Fridays for Future nicht gerechnet: Rund 350 Menschen treffen sich am Freitag um 16 Uhr vor dem Rathaus zu einer stattlichen Demo. Junge, alte, Kinder, ganze Familien, eine Gruppe Pfadfinder in Uniform, ein alter Herr mit Rollator – zahlreiche Menschen, die sichtlich keine geübten Demonstranten sind, für etliche ist es eine Premiere: Sie fordern mehr Klimaschutz, wollen die Jugend unterstützen.

Technische Probleme kreativ umschifft

Die kämpft am Start mit einem Problem: Es gibt kein Megafon. Leonie Ullmann ist die erste Rednerin und sie schlägt sich tapfer, leider ist sie nicht zu verstehen. Doch – Polizei, Dein Freund und Helfer – die 16-Jährige darf aus dem Streifenwagen per Lautsprecher sprechen. Klappt zwar auch nicht, aber die freundliche Geste wird mit Applaus belohnt.

Alle rücken zusammen und werden still, dann tragen die Stimmen: Leonie begrüßt mit Freude die vielen Erwachsenen. Eine von ihnen ist Brigitte Koch-Reithmann aus Hünxe und ihr fällt einiges zum Thema Klimaschutz ein: „Tempo 130 auf den Autobahnen, das produziert weniger Abgase und weniger Unfälle“, sagt sie. Große Autos aus der Stadt verbannen. „Ab und zu fliegen, dagegen habe ich nichts“, obwohl sie einst mit dem Zug bis Irland fuhr. „Wir müssen die Kurzstrecken teuer machen, damit die Leute nicht jedes Wochenende irgendwo hinfliegen“, meint Sophia Zwiebel (72), Niederländerin, die seit mehr als 40 Jahren in Wesel lebt.

Die Politik fordern und selbst im Alltag etwas ändern

Jeder kann selbst etwas tun, sagt Andrea Döring (18), und niemand sollte abfällig auf andere schauen: Sie nennt Veganer, die aber viel fliegen, Radfahrer die jede Menge Plastik verbrauchen. „Niemand ist perfekt, aber jeder sollte versuchen, etwas im Alltag zu verändern.“

„Wir stehen hier vor dem Rathaus in der Hoffnung, dass die Lokalpolitiker unsere Forderungen durchsetzen“, ruft Robert Klyk (18): „Der ÖPNV ist unattraktiv und teuer wie nie! Radfahren wird nicht gefördert – anders als das Auto, das Statussymbol der Deutschen.“ Zu wenige Fahrradstellplätze in der Innenstadt, zu wenig Sicherheit für Radfahrer. „Da fragt sich doch jeder, ob wir wirklich ein neues Kombibad brauchen!“

Positive Reaktionen vom Straßenrand – aber auch Kritik

Eine „echte Verkehrswende“ fordert auch Leonie Ullmann und Maksim Bondarenko (17) macht klar, dass die Jugendlichen nicht nachgeben werden.

Dann setzt sich der Zug in Bewegung. „Hoch mit dem Klimaschutz, nieder mit der Kohle!“ Eine ältere Frau spricht es schüchtern mit – ihre Stimme wird schnell kräftiger. Derweil mault eine etwa Gleichaltrige am Wegesrand, „früher warense froh, dat se Kohle hatten...“

Die meisten Passanten reagieren verblüfft, neugierig bis positiv, Daumen hoch. Ein wütender junger Mann zischt „Schwachsinn!“ vor sich hin. Eines ist klar: Diese Demonstration war kaum zu übersehen, die demonstrierenden Schüler haben viele Erwachsene auf ihre Seite gebracht.

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