Gericht

Gutachter: Tödlicher Unfall in Hamminkeln war unvermeidbar

Am Amtsgericht Wesel wurde der Unfall juristisch aufgearbeitet.

Am Amtsgericht Wesel wurde der Unfall juristisch aufgearbeitet.

Foto: Markus Weissenfels / FFs

Hamminkeln/Rees.  Nach einem Unfall in Hamminkeln starb im Juni ein Reeser. Ein 54-Jähriger wurde wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Nun wurde er freigesprochen.

Der schreckliche Unfall, bei dem am 19. Mai 2018 in Hamminkeln ein 77-jähriger Reeser so schwer verletzt wurde, dass er 24 Tage später starb, wäre nicht zu vermeiden gewesen. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten, aus dem der Richter am Donnerstag während der Verhandlung am Weseler Amtsgericht zitierte.

Wegen fahrlässiger Tötung war ein 54-Jähriger Hamminkelner angeklagt, der freigesprochen wurde. Das hatte nach der Beweisaufnahme sogar die Staatsanwaltschaft gefordert.

Erste Vermutung: Ablenkung durch Kassettenwechsel

Zunächst war die Polizei von einem Fehlverhalten das Hamminkelners ausgegangen. Denn: Der ebenfalls schwer Verletzte hatte kurz nach dem Unglück während einer Vernehmung im Krankenhaus angegeben, dass er sich den Unfall nur so erklären könne, dass er sich eventuell nach einer Kassette in seinem Auto gebückt habe, um diese in dem tief liegenden Kassettenrekorder seines 48 Jahre alten Autos zu wenden.

Vor Gericht sagte der Angeklagte nun, diese Vermutung sei falsch. Etwa sechs Wochen später habe bei ihm die Erinnerung an den Unfall auf der Schledenhorster Straße wieder eingesetzt. Sein Auto habe plötzlich nach links gelenkt.

Zugstrebe an der Radaufhängung brach

„Ich konnte außer sofort zu bremsen nicht mehr machen, habe das entgegenkommende Fahrzeug auf mich zukommen gesehen und nur noch gedacht: ,Gleich bist du tot!’“

Genau das bestätigte auch das Gutachten eines Sachverständigen: Demnach riss die Zugstrebe an der linken Vorderradaufhängung, so dass sich das Rad querstellte und über die Fahrbahn „radierte“.

Etwa 22 Meter vor dem Zusammenprall hatte der Angeklagte noch eine Gefahrenbremsung eingeleitet – doch vergeblich: Das Fahrzeug war nicht mehr kontrollierbar.

Auch der TÜV hatte das wohl nicht erkannt

„Hätte man die Materialermüdung vorab erkennen können?“, wollte der Richter wissen. „Nein“, so das eindeutige Urteil des Gutachters. Selbst wenn das Fahrzeug unmittelbar vor dem Unfall beim TÜV gewesen wäre, wäre das wohl nicht aufgefallen.

Die Staatsanwältin sagte: „Autofahren ist gefahrenerhöhendes Tun – das hat sich hier leider bestätigt.“ Der Richter urteilte: „Es war eben ein ganz tragischer Unfall.“

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