Verkehr

Gefahr Autotür: Erfinder aus Wesel will Radfahrer schützen

Immer wieder übersehen Fahrzeuginsassen beim Aussteigen aus dem Auto herannahende Radfahrer.

Immer wieder übersehen Fahrzeuginsassen beim Aussteigen aus dem Auto herannahende Radfahrer.

Foto: Markus Joosten / FUNKE Foto Services

Wesel.  Zülfikar Celik fordert, dass an Fahrzeugen das Bremslicht aufleuchtet, falls sich ein Radfahrer nähert. Ein zäher Kampf – mit ersten Erfolgen.

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Wenn Zülfikar Celik einmal anfängt, von seiner Erfindung zu sprechen, ist er kaum noch zu bremsen. „Schreiben Sie das ruhig auf“, sagt der gelernte Taxifahrer, nachdem er einen langen Gedanken zu Ende geführt hat. Kaum ausgesprochen, wühlt Celik in einem Berg an Zetteln, den er auf seinem Wohnzimmertisch ausgebreitet hat. „Hier, lesen Sie.“ Der 50-Jährige greift nach einem Dokument und deutet auf eine Textpassage. „Wie ich es Ihnen gesagt habe.“

Celik wirkt wie ein Wissenschaftler, der soeben eine spektakuläre Entdeckung gemacht hat – dem aber einfach niemand zuhören möchte. Dabei könne seine Idee Leben retten: Celik will, dass hinten am Wagen das dritte Bremslicht aufleuchtet, sobald ein Fahrzeuginsasse die Autotür öffnet. So könnten 80 Prozent aller Auffahrunfälle mit Radfahrern verhindert werden, behauptet der 50-Jährige. Ein genialer Einfall - zumindest in der Theorie.

Und das Beste: „Dafür braucht man nur einen einstündigen Umbau. Das kostet fast gar nichts“, so Celik. Schließlich sei die benötigte Technik längst in allen Fahrzeugen verbaut. Lediglich der Bordcomputer müsste umprogrammiert werden. Trotzdem ist seit Anfang 2008, als Celik für seine Idee ein Patent angemeldet hat, kaum etwas passiert. „Die Autoindustrie hat scheinbar kein großes Interesse daran, weil sie selbst nicht davon profitieren würde“, meint der Erfinder.

Studie kommt zu unerfreulichem Ergebnis

Die Realität ist allerdings etwas komplizierter. Um Veränderungen an der Lichttechnik vorzunehmen, müssten zuerst die Zulassungsvorschriften angepasst werden. Die europäische Richtlinie ECE 48 gibt vor, in welchen Situationen bestimmte Fahrzeuglampen aufleuchten dürfen. Solange die Zulassungsvorschriften nicht geändert werden, sind den Autoherstellern rechtlich die Hände gebunden.

Um die Richtlinie anzupassen, bräuchte es wiederum eine Studie, die die Wirksamkeit der Erfindung belegt. 2017 habe die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums Celiks Idee wissenschaftlich untersucht. Das Ergebnis: „Wenn man bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h und einem Abstand von 16 Metern bremst, hat man keine Chance mehr, der Autotür auszuweichen“, so der 50-Jährige.

Erfindung kann schlimmere Unfälle vermeiden

Ein Rückschlag für Celik, der sich von den Ergebnissen der Studie aber nicht unterkriegen lassen will. Schließlich könne auch das Antiblockiersystem (ABS) nicht vor Unfällen schützen, wenn der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu kurz ist. „Außerdem hat der Radfahrer dank meiner Idee noch die Möglichkeit zu bremsen, wenn er das Licht sieht“, sagt Celik. So könnte - falls es doch zur Kollision kommt - zumindest die Aufprallgeschwindigkeit reduziert werden.

Unterstützung erhält der Weseler Erfinder von Verkehrssicherheitsexperte Hans-Peter David: „Herr Celik hat sich das ja nicht von heute auf morgen ausgedacht. Er ist wahrscheinlich in der gesamten Bundesrepublik derjenige, der sich mit der größten Nachdrücklichkeit für das Thema eingesetzt hat.“

Celiks Beharrlichkeit zeigt erste Erfolge

Es sei vor allem Celiks Verdienst, dass deutsche Lichttechnik-Experten im vergangenen Jahr einen Vorschlag bei der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) eingebracht haben. Zudem würden sich bereits Expertengruppen für Lichttechnik und allgemeine Fahrzeugsicherheit mit Lösungsansätzen befassen. „Ein toller Erfolg“, so David.

Ob Celiks Erfindung irgendwann mal umgesetzt wird, sei jedoch fraglich. „Es ist vielleicht nicht die absolut zielführende Variante“, gibt der Verkehrssicherheitsexperte zu Bedenken. Verschiedene Autohersteller arbeiteten bereits an Alternativen. Zum Beispiel Türgriffe, die vibrieren oder kurzzeitig blockieren, falls sich ein Radfahrer nähert. Oder eine LED-Leiste an der Türinnenseite, die in Gefahrensituationen aufleuchtet.

Der 50-Jährige ist aber nach wie vor von seiner Erfindung überzeugt: „Ich werde weiterkämpfen - bis sie merken: Herr Celik hat doch Recht.“ Mit seiner rechten Hand deutet Celik auf den Notizblock. „Schreiben Sie das ruhig auf.“

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