Vortrag

FDP in Wesel diskutiert über Fahrverbote vor rund 70 Gästen

Um den Sinn von Dieselfahrverboten ging es  bei der FDP in Wesel.

Um den Sinn von Dieselfahrverboten ging es bei der FDP in Wesel.

Foto: Marijan Murat/DPA

Wesel.   Die FDP in Wesel und der Lions Club Wesel luden zu einem Vortrags- und Diskussionsabend. Thema waren die drohenden Fahrverbote.

„Die drohenden Fahrverbote für dieselbetriebene Kraftfahrzeuge haben selbst den lahmsten Akteur in der Automobilbranche aufgeschreckt und auf die Sprünge gebracht“, war wohl der entscheidende Satz beim Vortrags- und Diskussionsabend, zu dem die FDP Wesel gemeinsam mit dem Lions Club Wesel eingeladen hatte. Gesagt und auch begründet hatte ihn Prof. Dr. Joachim Heinrich, Epidemiologe und unter den zehn renommiertesten Lungenärzten weltweit genannt, im Welcome Hotel Wesel, wo der von rund 70 Gästen sehr gut besuchte Abend stattfand.

Dirk Giesen, Vorsitzender der FDP Wesel, begrüßte auch den Verkehrspolitischen Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Bernd Reuther (MdB) aus Wesel, der zusammen mit Prof. Dr. Heinrich für Antworten auf Fragen und Statements aus dem Plenum parat stand.

Eingangs umriss Dirk Giesen kurz verschiedene Fakten zum Thema „Dieselfahrverbote“ und übergab dann das Wort an den Politiker Reuther und im Anschluss daran an den Wissenschaftler Heinrich.

Zweifel an der Sinnhaftigkeit

Reuther fragte: „Warum ist das Thema Dieselfahrverbote eigentlich nur in Deutschland ein Thema und in anderen EU-Staaten nicht?“ und zweifelte die Sinnhaftigkeit der VW-Strategie, jetzt nur noch auf Elektromobilität zu setzten, stark an. Prof. Dr. Heinrich beklagte zunächst den Vertrauensverlust in die Wissenschaft und mahnte, streng und sauber zwischen wissenschaftlichen Fakten und politischen Tatsachen sowie Strategien zu unterscheiden. „Die Wissenschaft schlägt Richtwerte für zum Beispiel Stickstoffdioxid vor. Die Politik macht daraus Grenzwerte und im Idealfall gleichen sich die Werte“, stellte Heinrich klar.

Einstündige Diskussion

Schnell wurden in der anschließenden, gut einstündigen Diskussion die verschiedensten Positionen der Anwesenden deutlich. Da ging es von „Autokonzerne für Nachrüstung in Haftung nehmen!“ über „Was können wir jetzt tun, damit unsere Kinder und Enkelkinder auch noch gut leben können?“ bis „In Polen und Rumänien freuen sich die Menschen gerade über viele neuwertige Diesel-5-Fahrzeuge, die in Deutschland mit hohem finanziellem Schaden für die einzelnen Besitzer, verkauft werden!“.

Bernd Reuther wurde konkreter und forderte die Vereinheitlichung der Schadstoffmessverfahren und die schnelle Aufstellung von Mobilitätskonzepten, die den Anforderungen der jeweiligen Region und Situation angepasst sein müssen und die Komplexität der verkehrlichen Bedarfe auf dem Land und in der Stadt beachten.

Feinstaub sei die viel größere Gefahr

„Kleine Aktionen wie einzelne Straßensperrungen für Dieselautos lösen die Problematik um Stickstoffdioxid nicht“, sagte Reuther. Für Professor Heinrich ist die Belastung mit Feinstaub ohnehin die viel größere Gefahr. Viele Forschungserkenntnisse wiesen darauf hin, dass die Gefahr, die von den allerkleinsten Nanopartikeln in den Verkehrsemissionen ausgeht, wohl unterschätzt worden sei. Nach seiner persönlichen Meinung gefragt, sagte Heinrich: „Die drohenden Dieselfahrverbote stoßen jetzt Veränderungen an, die man schon vor zehn Jahren hätte machen müssen!“

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