Zahnärzte ohne Grenzen

Dr. Paarsch aus Wesel arbeitet als Zahnarzt ohne Grenzen

In seinem Garten in Wesel hisst Dr. Dr. Jens-Joachim Paarsch die Flagge von den Kapverden.

In seinem Garten in Wesel hisst Dr. Dr. Jens-Joachim Paarsch die Flagge von den Kapverden.

Foto: Elisabeth hanf

Wesel.  Vor einem Jahr gab der Zahnarzt seine Praxis auf und engagiert sich nun bei Zahnärzten ohne Grenzen. Sein erster Einsatz war auf den Kapverden.

Elisabeth Hanf

Als vor einem Jahr Dr. Dr. Jens-Joachim Paarsch seine Zahnarztpraxis an der Kreuzstraße an einen Nachfolger übergab, ging eine Familientradition in Wesel zu Ende. In der von seinem Vater Wolfgang gegründeten Praxis arbeitete Jens Paarsch mehr als 30 Jahre. „Ich habe immer viel gearbeitet, Human- und Zahnmedizin parallel studiert und dann als Zahnarzt ‘rund um die Uhr’ in der Praxis gearbeitet. Ich habe eine wundervolle Familie. Und für die möchte ich nun mehr Zeit haben.“ Außerdem er möchte versuchen, einen Teil dessen, was ihm im Leben Gutes widerfahren ist, zurückzugeben und seine Profession dort einsetzen, wo die Not am größten ist.

Kollegen inspirierten ihn

Durch Kollegen inspiriert, insbesondere durch eine Kinderärztin, die als Medizinerin in die Dritte Welt gegangen ist, beschloss er, sich der Organisation Zahnärzte ohne Grenzen anzuschließen. Deren Ziel ist es, Menschen zahnärztlich zu behandeln, die es sich aus finanziellen Gründen nicht leisten können. Diese Einsätze laufen in Rumänien, der Mongolei, in Sambia, Namibia, Togo und auf den Kapverden. Die Kapverden waren der Beginn für Jens Paarsch, doch schon im September geht es weiter: „Sambia ruft!“

Auf den Kapverden gibt es keine zahnärztliche Grundversorgung

Bei den Kapverden denken die meisten an Urlaub. Aber der Tourismus ist eher die Ausnahme auf den zehn Inseln. Die größte Insel, Santiago, stellt mit ihrer Hauptstadt Praia den Schmelztiegel dar. Es ist eine karge Insel – es hat mehr als drei Jahre nicht geregnet. Die Hauptstadt hat 130 000 Einwohner, der durchschnittliche Monatslohn beträgt 250 Euro, die Arbeitslosenquote beträgt 50 Prozent.

„Die Kapverden bieten eine medizinische, aber keine zahnärztliche Grundversorgung. Zwar gibt es einige private Zahnärzte, aber bei dem oben genannten Monatslohn können sich die meisten den Zahnarztbesuch nicht leisten. Genau hier setzt die Hilfe der Organisation ein“, erklärt Dr. Paarsch.

Ärzte arbeiten in Gesundheitszentren in den Armenvierteln

Monatlich werden Ärzteteams zu humanitären Zwecken nach Praia geschickt, wo sie in verschiedenen Gesundheitszentren in den Armenvierteln arbeiten. Das Team von Dr. Paarsch bestand „nur“ aus ihm und einer zahnärztlichen Kollegin. Zahnarzthelferinnen gab es nicht. So wurde gegenseitig assistiert.

Es gab keinen zahnärztlichen Behandlungsstuhl, nur eine Hausarzt-Behandlungsliege ohne Verstellmöglichkeit, ein Bohrer ohne jegliche Durchzugskraft, ein „lauer Absauger, ein Strohhalm hätte mehr bewirkt“, ist sich der Zahnarzt sicher. Anstelle von Licht musste er sich mit einer Out-door-Stirnlampe begnügen.

Überhaupt hat Jens Paarsch die meisten Instrumente selbst mitgebracht. „Ich habe mir aus meiner alten Praxis meine Lieblingsinstrumente für diesen Einsatz ausgeliehen.“ Was dort in Praia vorhanden war und mobil von Station zu Station transportiert wurde, war eine billige China-Dentisten-Ausrüstung. „Wir brauchten mehr als einen Tag, um die Materialien zu sortieren und den Raum einzuräumen.“ Vorsinnflutlich war ebenfalls der Sterilisator.

Patienten waren dankbar, behandelt zu werden

Dagegen war der tägliche Ablauf vor Ort gut geregelt. Morgens kurz vor 8 Uhr kamen die Patienten. Bei mehr als 30 Grad Celsius warteten alle geduldig und dankbar, bis sie an der Reihe waren. Auch wenn dieses erst am Nachmittag geschah. „Trotz der Armut fiel mir auf, dass die Patienten ihre Sonntagskleidung trugen und immer vor der Behandlung ihre Schuhe auszogen“, erzählt Dr. Paarsch. Übrigens waren 80 Prozent der Patienten weiblich.

Übersetzt wurde von einer einheimischen Zahnärztin, die aber nie selbst mitarbeitete, sondern lediglich die Organisation übernahm. Schließlich mussten die Einheimischen oftmals monatelang warten, bis wieder ein Zahnarzt vor Ort war.

Die wichtigsten Vokabeln

„Abre a boca“, waren die häufigsten Vokabeln, mit denen Jens Paarsch in der Landessprache Portugiesisch die Patienten ansprach, was heißt „Öffne den Mund!“. Was er dabei sah, war größtenteils erschreckend. „Denn die Patienten kommen eigentlich erst, wenn es fast zu spät ist. Im Idealfall konnte ich noch Füllungen legen, aber meist waren Zahnentfernungen nötig.“

Besonders traurig ist, dass meist Kinder betroffen sind. Durch den Zuckerrohranbau sind Lollies bei ihnen beliebt,ein Zahnpflegebewusstsein fehlt. Daher gehen die Zahnärzte ohne Grenzen auch in die Schulen und erklären mittels Schautafeln, wie wichtig richtige Zahnpflege ist und welche Nahrungsmittel gut und welche schlecht für die Zähne sind. „Wir haben Unmengen an Zahnbürsten verteilt.“

Arbeiten, wo die Not am größten ist

Besonders gefreut hat Jens Paarsch, wieder jenseits von Auflagen und Bürokratie zu arbeiten und direkt vor Ort helfen zu können, wo die Not sichtbar am größten ist. Und wo Patienten, auch wenn sie ein zweites Mal kommen mussten, von herzlicher Dankbarkeit waren. Sicher auch, weil Dr. Paarsch bewiesen hat, dass eine Zahnbehandlung nicht weh tun muss, sondern Linderung bringt.

Nach seinem dreiwöchigen Aufenthalt in Praia ist er höchst gespannt auf seinen kommenden Einsatz in Sambia, der härter sein wird mit Stationen im Busch, weit ab von der Zivilisation. Vielleicht muss er dort dann hin und wieder nicht nur seine zahnchirurgischen Kenntnisse, sondern auch sein humanmedizinisches Wissen an den Mann bringen.

Zahnärzte arbeiten ehrenamtlich

Die Arbeit bei „Zahnärzte ohne Grenzen“ ist ehrenamtlich, Anreise, Flug, Unterkunft, Impfungen etc. zahlen die Zahnärzte selbst. Nach einem Vortrag von Dr. Paarsch beim Lions-Club Wesel spendete dieser spontan 1500 Euro für den Ankauf eines drehmomentstarken Dentalmotors.

Optiker Schmitz aus Wesel-Voerde unterstützte Dr. Paarsch zudem großzügig mit Brillenspenden.

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