Erfindung

Diese Schülererfindung aus Wesel kann Blinden helfen

Jens Stuckenholz und Konstantin Heimüller, Schüler am Andreas-Vesalius-Gymnasium in Wesel, haben den „Blindenpilot“ erfunden.

Jens Stuckenholz und Konstantin Heimüller, Schüler am Andreas-Vesalius-Gymnasium in Wesel, haben den „Blindenpilot“ erfunden.

Foto: Markus Joosten / FUNKE Foto Services

Wesel.  Zwei Schüler aus Wesel haben eine Jacke für Blinde erfunden, die den Blindenstock ablösen kann. Einige Firmen haben bereits Interesse bekundet.

Sie sind beide 16 Jahre alt, besuchen die zehnte Jahrgangsstufe am Andreas-Vesalius Gymnasium und kennen sich seit dem Kindergarten. Und möglicherweise sind die beiden der Grund, dass Blindenstöcke bald der Vergangenheit angehören. Konstantin Heimüller und Jens Stuckenholz können sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Neben ihnen steht eine Schaufensterpuppe, die die Jungen mit einer braunen Jacke angezogen haben. Was im ersten Moment aussieht wie ein gewöhnliches Kleidungsstück, ist in Wahrheit das Produkt monatelanger Arbeit: Heimüller und Stuckenholz haben den „Blindenpilot“ erfunden.

Angefangen als Schulprojekt

Zwei Jahre zuvor. Die beiden Nachwuchstüftler belegten in der achten Klasse das Wahlpflichtfach Naturwissenschaften. Drei Halbjahre lang lernten sie nach Lehrplan, das letzte Halbjahr stand ihnen für ein eigenes Projekt frei. „Wenn wir so viel Zeit investieren, dann wollen wir auch jemanden damit helfen“, dachten sich die Schüler damals.

Blinde Personen durch den Alltag führen

Schnell hatten sie ihr Ziel klar vor Augen: Sie wollten blinde Personen sicher durch den Alltag führen. Die Idee zum Blindenpilot war geboren. „An der Jacke sind mehrere Ultraschallsensoren befestigt, die messen die Entfernung zu einem Objekt“, erklärt Stuckenholz. Die gemessen Daten übermitteln die Sensoren anschließend an einen in der Jacke integrierten Computer. Dieser erkennt von welchem Sensor die Daten stammen. „Sobald der Messwert unter 1,70 Meter fällt, fängt der Sensor an zu vibrieren“, so Stuckenholz. Das heißt: Die Vibration warnt die Blinde Person vor möglichen Hindernissen.

Blinden- und Sehbehindertenverein

Welche Bedürfnisse haben Blinde? Worauf muss besonders geachtet werden? Antworten auf diese Fragen fanden die beiden Erfinder beim Duisburger Blinden- und Sehbehindertenverein. „Wir haben lange Telefonate geführt, damit wir noch mehr Impulse bekommen“, erklären sie. Schließlich kam ein blindes Vereinsmitglied zum Selbsttest in die Schule. Ein Parcours aus Tischen wurde aufgebaut, die Probandin sollte nur mit Hilfe der Jacke den Weg durch das Labyrinth finden. Es klappte. „Sie sagte, sie sei begeistert“, erinnert sich Stuckenholz. „Bereits beim zweiten Durchlauf ist sie sehr sicher gelaufen.“

Jugend forscht und Sight-City

Mit dem Blindenpilot haben die Jungs den dritten Platz beim Nachwuchswettbewerb „Jugend forscht“ belegt, im Mai waren sie mit ihrer Erfindung in Frankfurt zu Gast auf der Sight-City, eine Messe für Blinde und Sehbehinderte. „Dort haben wir mit vielen Firmen gesprochen und unser Projekt vorgestellt“, erklärt Stuckenholz. Und: „Wir haben über Reichweite, zum Beispiel Soziale Medien, versucht, uns zum Gespräch zu machen.“

Die Rechnung ging auf: Schon diverse Firmen haben sich bei den Schülern gemeldet und Interesse bekundet, verraten sie stolz.

Gebrauchsmuster angemeldet

Dass die Idee zur Jacke auf Heimüller und Stuckenholz zurück geht, ist seit einiger Zeit auch offiziell: Ende Februar haben sie ihr Gebrauchsmuster beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet, Anfang Juni erfolgte die offizielle Eintragung. Unterstützung gab es von einem Anwalt und den Eltern.

Das Kapitel Blindenpilot ist für die beiden aber noch lange nicht abgeschlossen: „Wir wollen immer weiter daran arbeiten, es soll nicht nur bei der Jacke bleiben“, erklären sie. Zukünftig könnten also auch Schuhe und andere Kleidungsstücke mit den Sensoren ausgestattet werden. Das Besondere: Der Gebrauchsschutz gilt für alle folgenden Kleidungsstücke.

Erweiterung der Reichweite

Momentan liege der Fokus auf der stetigen Erweiterung der Reichweite. Über ihre eigene Homepage informieren die beiden bereits über ihre Erfindung – und hoffen auf mögliche Spendengelder, um weiter an der Jacke zu tüfteln.

Bei so viel Zusammenarbeit bleibt die Frage, ob es da auch mal Meinungsverschiedenheiten gibt? Klares Nein. „Wir sind zwar beides Einzelkämpfer, aber wir wissen, was die Stärke des anderen ist.“

Weitere Informationen gibt’s auf www.blindenpilot.de.

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