Vorstandswahl

Abstimmung bei der SPD: Was Genossen in und um Wesel denken

Die SPD-Mitglieder wählen ihr Duo. Abstimmung endet am Freitag.

Die SPD-Mitglieder wählen ihr Duo. Abstimmung endet am Freitag.

Foto: Michael Kappeler / picture alliance

Kreis Wesel.  Wer soll die SPD wieder auf den richtigen Pfad bringen? Wir haben Mitglieder aus Wesel, Hamminkeln, Hünxe und Schermbeck befragt.

Am Samstag soll es bekannt gegeben werden, das Ergebnis der SPD-internen Abstimmung zum künftigen SPD-Parteivorstand auf Bundesebene. Paarweise sind die Kandidaten diesmal angetreten, seit gut einer Woche kann jeder Genosse sein Votum für eines der Duos abgeben. Norbert Meesters (62), Vorsitzender des Ortsvereins Mitte/Büderich und Ratsherr in Wesel, hat sich online entschieden. Seine Wahl fiel auf Olaf Scholz (61), zurzeit Bundesfinanzminister und Vizekanzler sowie zuvor Erster Bürgermeister von Hamburg, der zusammen mit Klara Geywitz (43) an der Parteispitze aktiv werden will. Die Frau aus Brandenburg kennt Meesters nicht, ihr Eintreten für soziale Gerechtigkeit habe ihn aber überzeugt.

Bevor sich Meesters für diese beiden Kandidaten aussprach, informierte er sich im Internet über sie und wertete ihre Aussagen aus. Scholz, das steht für den Weselaner fest, sei mit seiner bundespolitischen Kompetenz in der Lage, die Partei in ruhiges Fahrwasser zu führen. Zudem gefällt ihm seine ruhige Persönlichkeit.

Walter-Borjans sucht nach Lösungsmöglichkeiten

Auch Willi Trippe (72), stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft 60 plus in Wesel sowie Regionalvorsitzender Niederrhein, hat Norbert Walter-Borjans (66), Weseler Eselordenträger und einstiger NRW-Finanzminister, und Saskia Esken (58), Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg, gekürt. „Er ist am nächsten an uns dran“, sagt er, auch wenn er Scholz größere Chancen einräumt. Er sei zu weit weg von den Arbeitnehmern. Für Trippe müsse nun ein Pragmatiker ran. Walter-Borjans nehme Anregungen auf und suche nach Lösungsmöglichkeiten. Sorgen bereitet dem Genossen das immer weiter steigende Armutsrisiko, vor allem auch bei Rentnern. Es könne nicht sein, dass ein Rentner in Österreich für dieselbe Leistung 300 Euro mehr erhalte. Saskia Esken sei zudem „auch eine taffe Frau“.

Marco Cerener (31), Weseler Ratsmitglied, hat online gevotet. Er möchte allerdings sein favorisiertes Duo nicht benennen. Grund: „Ich habe keine Lust auf Diskussionen.“

Hünxe hat kein einheitliches Meinungsbild

Jan Scholte-Reh, Vorsitzender der SPD Hünxe, hat die Regionalkonferenz in Duisburg besucht und sieht aufgrund ihrer Bekanntheit Walter-Borjans sowie Scholz vorne. Gestimmt hat er für Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken. „Ich finde, dass beide die richtigen Fragen stellen und beide Glaubwürdigkeit ausstrahlen“, sagt er. Doch das, betont er, sei lediglich seine persönliche Meinung. „Hünxe hat hier kein einheitliches Meinungsbild.“

Stell dir vor, die SPD wählt, und kaum einer macht mit: Bernd Romanski, Bürgermeister von Hamminkeln und SPD-Mitglied, wundert sich in erster Linie über die bis dato geringe Wahlbeteiligung von nicht einmal 30 Prozent: „Das ist erschreckend schwach – das sollten sich die Herren in Berlin und Düsseldorf mal überlegen, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind.“

„Es müssen Leute mit Visionen her“

Romanski selbst wird abstimmen, hat sich aber noch nicht für ein Duo entschieden. Durch die vorgegebenen Konstellationen ginge ein Stück Individualität verloren, so Romanski. Klar sei für ihn, dass er nicht für ein Duo stimme, das einen Groko-Exit verlangt. „Wenn man sich monatelang so intensiv mit einer Personalie beschäftigt, zeigt es doch, wo die wirklichen Probleme liegen.“

Bereits abgestimmt hat Jörg Adams, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Stadtverbands Hamminkeln. Seine Stimme hat er dem NRW-Vertreter Walter-Borjans gegeben. „Ich finde, jetzt ist es wichtig, Inhalte zu entwickeln. Es müssen Leute mit Visionen her – und da halte ich Borjans für den richtigen Kandidaten.“ Über die bis dato geringe Wahlbeteiligung ist auch Adams enttäuscht: „Schade, wenn eine solche Chance nicht genutzt wird.“

Die Schermbecker SPD-Vorsitzende Petra Felisiak hat unter den knapp 70 Sozialdemokraten ihres Ortsverbandes einen klaren Favoriten ausgemacht: „Die meisten tendieren zu dem Kandidatenduo Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken – ich persönlich übrigens auch.“

SPD-Regionalkonferenz im Livestream verfolgt

Die beiden seien laut Felisiak sehr kompetent, sehr durchsetzungs- und widerstandsfähig. „Vor allem Walter-Borjans hat mit dem Ankauf der Steuer-CDs ja bereits bewiesen, dass er Dinge auch durchzieht, die er ankündigt – das ist ein großer Pluspunkt für ihn. Und bei Esken ist das ähnlich.“

Regionalkonferenz im Livestream

Die Schermbecker SPD-Chefin hat die Regionalkonferenz in Duisburg per Livestream verfolgt, ihr Parteifreund Bastian Reßing aus Schermbeck war in Duisburg selbst vor Ort und hat dem Ortsverband anschließend darüber berichtet. „Das Verfahren kommt bei den Mitgliedern gut an, sie finden es gut, dass jeder einzelne mit eingebunden ist und nicht die großen Tiere alleine entscheiden.“

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