Der Berg ruft

Chicken 13-4-6 hängt sie beim Bergrennen in Dingden alle ab

Fantasievolle Gefährte gab es beim Dingdener Bergrennen zu bestaunen.

Fantasievolle Gefährte gab es beim Dingdener Bergrennen zu bestaunen.

Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Services

Hamminkeln.  Beim Bergrennen in Hamminkeln-Dingden gehen mutige Piloten mit rasanten Fantasiegefährten an den Start. Dem Publikum gefällt es trotz des Regens.

Die Verkehrssicherheit hatte für Heinz Klein-Hitpers sowie Bernhard und Georg van Stegen oberste Priorität: Ihr „Chicken 13-4-6“ besaß eine Bremse, ein Warnblinklicht und sogar eine funktionstüchtige Hupe. Mit der selbstgebauten Seifenkiste ging es die 928 Meter lange abschüssige Strecke an der Krechtinger Straße in Dingden am Samstag hinunter – und das sah gekonnt aus. Sicher lenkte das Team das Gefährt, das zum Teil aus einem alten Lattenrost bestand, ins Ziel.

Dort warten schon die Besucher. Trotz des Regens waren viele gekommen, die jeden Fahrer bejubelten, der die Ziellinie überquerte. Wer das Dingdener Bergrennen kennt, weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Zum zehnten Mal wagten sich 26 Teilnehmer, darunter sechs Kinder und 20 Erwachsene, alleine oder in Gruppen am Samstag an den Start des Seifenkistenrennens.

Windschnittig muss das Gefährt sein

„Die erste Abfahrt lief schon einmal sehr gut“, sagte Klein-Hitpers zufrieden. Sein Tipp für eine gute Fahrt: Windschnittig muss das Gefährt sein. Aus einer Bierlaune heraus, hatte Helmut Wisniewski die Idee für dieses Rennen gehabt. Das ist mittlerweile ein Jahrzehnt her. „Wir sind jedes Jahr professioneller geworden. Die familiäre und unkomplizierte Atmosphäre haben wir aber behalten“, erklärte Mitorganisatorin Petra Nienhaus.

Das Regelwerk war auch in diesem Jahr schnell erklärt: An den Start durfte jegliches Gefährt gehen, dass keinen motorisierten Antrieb hatte. Nach dem Startschuss durften die Kisten ein paar Meter angeschoben werden. Ab dann hieß es: Rollen lassen. In der ersten Runde trat jeder Teilnehmer alleine an. Wer es bis ans Ziel schaffte, durfte nochmal fahren. Ein kleiner Fluch und Segen zugleich, schließlich mussten die Kisten den Berg auch wieder hochgeschoben werden. Gerade einmal vier Teams haben es nicht ins Ziel geschafft.

Sogar eine Bierkiste rollte die Krechtinger Straße hinab

Einige andere sind dann aber doch noch von selbst ausgeschieden: Vor dem zweiten Durchgang platzte zum Beispiel ein Reifen. Eine andere Gruppe war mit ihrem Gefährt so schnell unterwegs, dass sie sich nicht noch einmal an den Start gewagt haben. Im K.O.-Verfahren ging es weiter. Im Duell traten immer zwei Gegner gegeneinander an. Wer flott unterwegs war, erreichte nach knapp zwei Minuten das Ziel.

Der Kreativität war bei der Gestaltung der Kisten keine Grenzen gesetzt. Neben klassischen Seifenkisten, gab es umgebaute Fahrräder und ja, auch eine Bierkiste mit Rädern rollte den Berg hinunter. „Früher wurde auf schmale Reifen gesetzt. Jetzt sind auch dicke Reifen hoch im Kurs. Hauptsache es gibt viel Gewicht, dann ist man schneller“, so Nienhaus. Ebenso kreativ waren die Gruppennamen. Der Angelsportverein ging mit „Fischstäbchen“ an den Start. Das Team des Freibades Nord setzte auf den „Silberpfeil 2.0“.

Mit der Rakete den Hang hinunter

Blitzschnell wollte auch Gerd Abels-Vehns ins Ziel kommen. Mit einer Rakete sollte das auch kein Problem sein. Der Konstrukteur verkleidete sein Fahrrad mit einem Blechrohr, schlüpfte in einen Maler-, pardon Astronautenanzug und zischte die Straße hinunter. Der NASA-Pilot verfolgte eine bestimmte Taktik. Im ersten Rennen gab es noch nicht Vollgas, um seinen Gegner dann im zweiten Rennen mit Tempo zu überraschen. „Es macht jedes Mal wieder Spaß mitzufahren“, sagte Abels-Vehns.

Den Sieg fuhren schließlich Heinz Klein-Hitpers und Bernhard und Georg van Stegen ein. Das windschnittige „Chicken“ hat sich bewährt. Das Team machte schon zum sechsten Mal mit. Daher auch die Zahlenkombination im Namen. „Es ist die 13. Kiste, die ich jemals gebaut habe, die vierte fürs Bergrennen und die sechste größere Kiste“, erklärte Konstrukteur Georg van Stegen. Bei den Kindern holte sich Mia-Sophie den Pokal. Mitorganisatorin Petra Nienhaus zog ein positives Fazit. „So viele Teilnehmer hatten wir selten und trotz des Wetters standen viele Besucher an der Strecke. Unfälle haben wir glücklicherweise auch keine gehabt.“

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