Geschichte

Besondere letzte Ruhestätten auf dem Weseler Friedhof

Die Gruppe hörte Bernd von Blomberg interessiert zu.

Die Gruppe hörte Bernd von Blomberg interessiert zu.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Wesel.  Wer sich ein wenig Zeit nimmt, entdeckt auf dem Friedhof an der Caspar-Baur-Straße einiges an Weseler Geschichte. Alte Grabsteine zeugen davon.

Friedhöfe sind Orte der Erinnerung, Plätze, an denen man sich die Vergangenheit ins Gedächtnis ruft und nicht vergisst. Also die idealen Voraussetzungen für eine Führung, gespickt mit Informationen über Wesel, wie es damals war, über einflussreiche Familien und vieles mehr.

Genau darum ging es Stadtführer Bernd von Blomberg am Samstagnachmittag auf dem Caspar-Baur-Friedhof. Mit mehr als 20 Interessierten erkundete er nicht nur die entlegensten Ecken der Anlage, sondern wusste auch immer etwas darüber zu berichten. So konnten die Teilnehmer in die Geschichte der Hansestadt eintauchen und Neues über ihre Heimat lernen.

Von Blomberg, der auch Führungen an der Bärenschleuse und vielen anderen Weseler Orten anbietet, betonte direkt am Anfang: „Wesel hat eine außergewöhnliche Geschichte.“

Seit 1241 Stadt

Am Ende des Nachmittags wussten alle, warum.

Aber zurück zum Start. Los ging es mit der Entstehung des Friedhofs an der Stelle, wo er heute ist. Im Mittelalter wurden die Toten auch in Wesel, das seit 1241 offiziell Stadt ist, in der Kirche unter Grabplatten oder im „Kirchhof“, einem Platz direkt an der Kirche, bestattet.

Doch schon bald bemerkte man die schlechten Auswirkungen auf die Hygiene in den oftmals engen und dreckigen mittelalterlichen Ortschaften und wies alle an, von nun an einen Platz außerhalb der Stadt zur Bestattung zu nutzen. Damals endete die bedeutende Festungsstadt Wesel am Brüner Tor, dahinter verlief die so genannte „Brüner Chaussee“, damals der einzige Weg nach Brünen. Die Weseler wollten mit den Särgen natürlich nicht weit laufen und so entstand die Idee des Friedhofs, wo er heute liegt. Damals war dieses Areal allerdings ein großes Gartengrundstück, das in privatem Besitz war. Die Stadt kaufte es und nutzt es seither als Friedhof.

1886 wurde die Stadtfestung aufgegeben, nur die Zitadelle blieb. Dann ein kleiner Zeitsprung zum Zweiten Weltkrieg: 500 bis 700 Gefallene liegen schätzungsweise auf dem Gräberfeld im hinteren Teil des Friedhofs, die meisten sind wohl bei der Rheinüberquerung der Alliierten gestorben. Bernd von Blomberg berichtete, wieso: „Wesel wurde sehr stark verteidigt, deshalb bombardierten die Alliierten schon lange vor der Überquerung die Stadt. Deshalb sind auch 97 Prozent der Innenstadt zerstört worden. Dann vernebelten sie die andere Rheinseite, damit man nicht sehen konnte, woher sie kamen.“ Unter den Toten ist auch Generaloberst Friedrich Wilhelm Deutsch – er wurde von Hitler in letzter Sekunde gezwungen, Wesel nicht zu übergeben und bezahlte diesen Entschluss mit dem Leben. Auf dem Friedhof liegt auch die Ruhestätte weiterer bedeutender Weseler Persönlichkeiten: Zum Beispiel die vom einstigen, sehr beliebten Bürgermeister Kurt Kräcker. „Für seine Aktion bei der Eröffnung des Heubergbads, in voller Montur einen Handstand auf dem Sprungbrett zu machen, ist er noch heute bekannt“, wusste von Blomberg schmunzelnd zu erzählen und zeigte das berühmte Foto. Aber auch Pastor Janßen, die Pastorenfamilie Bölitz, die Apothekerfamilie Liman und zahlreiche weitere sind auf dem Caspar-Baur-Friedhof bestattet. Viele Gräber sind noch heute außergewöhnlich gestaltet, etwa mit einer Betonwand samt Engelmosaik. Besonders häufig finden sich auch klassizistische Einflüsse. Von Blomberg: „Das kam während der Aufklärung wieder in Mode.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben