Politik

100 Jahre SPD Wesel – Erfolgsgeschichte der „Wesel-Partei“

SPD-Fraktionschef Ludger Hovest begrüßt die Gäste im Ratssaal.

SPD-Fraktionschef Ludger Hovest begrüßt die Gäste im Ratssaal.

Foto: Markus Joosten / FFS

Wesel.  Die SPD Wesel feierte im Ratssaal ihr Jubiläum. Zu den Gratulanten gehörte Professor Dr. Peter Willy Brandt, Sohn von SPD-Legende Willy Brandt.

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Der Stolz über 100 Jahre SPD in Wesel war deutlich zu spüren, als am Freitagabend im Ratssaal die Geschichte gleich auf zwei verschiedene Arten verdeutlicht wurde. Natürlich war der Saal zur Feierstunde dieser Erfolgsgeschichte voll besetzt, denn die SPD ist ja nach eigenem Sprachgebrauch die „Wesel-Partei“, die politische Kraft, so der Fraktionschef Ludger Hovest, die „Menschen braucht, die sich für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen.“

Bei der Kommunalwahl im Gründungsjahr 1919 wurden erstmals sechs Kandidaten in den Stadtrat gewählt. In den folgenden 100 Jahren wurde die Partei mit Höhen und Tiefen konfrontiert, die sie bis heute erfolgreich meistere, sagte Hovest. Und nutzte die Gelegenheit, auf die aktuelle, erfolgreiche, sozialdemokratische Politik der SPD für die Stadt zu verweisen.

So stehe Ulrike Westkamp, als erste Frau seit 2004 als engagierte SPD-Bürgermeisterin an der Spitze der Verwaltung.

Meilenstein für Wesel

In den Jahren zuvor hatten dieses Amt vier SPD-Männer bekleidet: Kurt Kräcker (1956-1966), gefolgt von Willi Nakaten (bis 1969), Wilhelm Schneider (1979-1984 und 1989–1994) sowie Bernhard Gründken (1994-1999).

Als Meilenstein für Wesel lobte Hovest das 91 Millionen Euro schwere Bildungs- und Schulbauprogramm, das in den kommenden zehn Jahren umgesetzt werden soll und sagte: „Wir wollen mit allen Politik machen!“

In der Rückschau bedeute die SPD in Wesel „viel Arbeit, viel Erfolg und auch so manche Niederlage.“ In der Demokratie gehöre das einfach dazu, denn „nach einer Niederlage ist der Ansporn umso größer, erneut die Mehrheit zu gewinnen“.

Das wurde mit Applaus goutiert.

„Wir haben die Verpflichtung zur Wahrung dessen, was Väter und Vorväter geschaffen und geleistet haben“, markierte Hovest und ergänzte perspektivisch: „Und wir haben den Auftrag, diese geschaffenen Werte in die Zukunft zu entwickeln!“ Ausdrücklich hob Hovest auch die Leistung der anderen Parteien für Wesel hervor.

Festredner lobt Selbstbewusstsein

Für musikalische Intermezzi sorgte die am Akkordeon brillant spielende Schülerin Katharina Jaeger.

Hocherfreut waren Hovest und Bürgermeisterin Westkamp über den Besuch von Prof. Dr. Peter Willy Brandt – Sohn von SPD-Legende Willy Brandt.

Als Festredner referierte er in Schulstundenlänge über die historischen Prozesse, die zur Geburt der Sozialdemokratie und damit zur Gründung der SPD geführt hatten.

Der Historiker gratulierte zur erfolgreichen Arbeit der Weseler SPD und empfand „das gesunde Selbstbewusstsein“ als sehr angenehm: „Das ist Labsal für die Seele“.

Um abschließend aber mahnend zu erwähnen, dass die SPD in Deutschland generell und auch die Sozialdemokratie europaweit für ihn noch keine tragfähigen Antworten auf die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen gefunden habe.

>>> FESTSCHRIFT GIBT ÜBERBLICK ÜBER 100 SPD IN WESEL:

Auf 48 Seiten sind in der Festschrift zum Jubiläum die 100 Jahre Weseler Sozialdemokratie zusammengefasst. „Ein Jahrhundert politisches Engagement und Verantwortung für unsere Stadt“, heißt es im Vorwort. Erinnert wird an das Gründungsjahr der SPD Wesel: Auch der Beginn der Weimarer Republik und die Einführung des Frauenwahlrechts fällt in das Jahr 1919.

Die SPD nahm am 2. März 1919 an den ersten Nachkriegswahlen der Hansestadt teil und zog mit sechs Personen in das 36 Verordnete große Gremium ein – Bürgermeister war damals übrigens Dr. Ludwig Poppelbaum (Deutsche Volkspartei).

Ein Kapitel widmet sich Kurt Kräcker, dem ersten Bürgermeister der SPD in Wesel. „Wesel wird Kreisstadt und Wilhelm Schneider Bürgermeister“ ist ein Abschnitt über die 70er Jahre betitelt.

Und natürlich sind auch mehrere Seiten Ulrike Westkamp, der ersten Bürgermeisterin Wesels und aktuellen Amtsinhaberin, gewidmet.

Aufgelistet sind ebenfalls berühmte Sozialdemokraten, die Wesel einen Besuch abstatteten – darunter die Ministerpräsidenten Johannes Rau, Wolfgang Clement, Peer Steinbrück und Hannelore Kraft.

Ehrungen für langjährige Mitglieder

Im Rahmen der 100-Jahr-Feier ehrte Bürgermeisterin Ulrike Westkamp langjährige Parteimitglieder: Für 60-jährige Parteimitgliedschaft wurde Dieter Wiesmann (83) ausgezeichnet.

50 Jahre sind Willi Grieving, Marga von der Linden, Manfred Asser, Klaus Hanauska und Wolfgang Jung dabei. 40 Jahre sind Peter Tebbe, Rudi Pieper, Giesela Mienkuß und Gerd Biesemann Sozialdemokraten.

Seit 25 Jahren in der SPD sind Patricia Hesselbein, Detlef Heinz und Wilhelm Höffelmann. Dank der Arbeit von Autor Thomas Hesse bekam jeder Gast der Jubiläumsfeier ein Exemplar der Festschrift ausgehändigt.

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