Ärger

Defekte Aufzüge machen Senioren in Wattenscheid zu schaffen

Dicke Luft herrscht in der Seniorenwohnanlage: Weil keiner der Fahrstühle mehr fährt, ist das Treppensteigen für (v.l.) Angelika Honickel, Brigitte Ganskop und Horst Vallot eine Qual.

Dicke Luft herrscht in der Seniorenwohnanlage: Weil keiner der Fahrstühle mehr fährt, ist das Treppensteigen für (v.l.) Angelika Honickel, Brigitte Ganskop und Horst Vallot eine Qual.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Wattenscheid.  In einer Seniorenwohnanlage an der Weststraße streiken seit Donnerstag die Fahrstühle. Viele kommen nicht mehr raus und fühlen sich eingesperrt.

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Was genau am vergangenen Donnerstag eigentlich passiert ist, darüber rätselt gerade die ganze Siedlung. Fest steht: Seit diesem Tag stehen die Bewohner einer Seniorenwohnanlage an der Weststraße 66 vor einem gewaltigen Problem. Sämtliche drei Fahrstühle haben urplötzlich ihren Geist aufgegeben – gleichzeitig, ohne von außen erkennbaren Grund, aber mit gravierenden Folgen für zahlreiche Mieter in dem 72 Parteien zählenden Wohnkomplex.

„Viele hier können kaum noch laufen und sind auf den Rollator angewiesen“, beklagt Mieter Horst Vallot. „Für sie ist der Ausfall der Fahrstühle eine Katastrophe. Sie kommen nicht mehr aus ihren Wohnungen und fühlen sich hilflos und eingesperrt.“

Kritik am Vermieter LEG

Passiert sei es am Donnerstag in den Nachmittagsstunden. „Ein Fahrstuhl fuhr nicht mehr, dann bin ich zum nächsten gegangen. Der fuhr auch nicht mehr“, erzählt Anwohnerin Marlies Hildebrand. Insgesamt drei Aufzüge gibt es in der Wohnanlage, von denen keiner mehr lief. Ob es ein Kurzschluss war? Ein technischer Defekt? „Ein Monteur kam vorbei, um unten im Keller etwas nachzuschauen, aber er hatte keinen passenden Schlüssel und ist dann wieder gegangen“, hat Horst Vallot beobachtet.

Besonders beklagen die Senioren, dass die Informationspolitik des Wohnungsunternehmens Landes-entwicklungsgesellschaft (LEG) gleich null sei. „Man hört und sieht von denen nichts“, sagt Vallot. Auch Markus Heuer, dessen Vater in einer der Wohnungen lebt, kritisiert die mangelnde Kommunikation der LEG mit ihren Mietern. „Viele haben dort angerufen, um sich zu beschweren. Auch ich habe E-Mails geschrieben, aber ohne Ergebnis. Bürokratie scheint bei denen wichtiger zu sein, als den Leuten einfach zu helfen.“

Arzttermin muss ausfallen

Und Hilfe wäre dringend nötig, denn der Ausfall der Fahrstühle stellt die Bewohner teils vor kaum zu überwindende Hürden. Antje Schnittker wohnt im zweiten Stock, die Treppen schafft sie nur mit größter Mühe. „Runter gehe ich rückwärts und halte mich am Geländer fest“, sagt sie. Die Stufen rauf schaffe sie es irgendwie, „aber oben bin ich völlig fertig.“

Einen Arzttermin am Dienstag musste sie absagen, einkaufen kann sie nur eingeschränkt. „Zum Glück war ich am Donnerstag noch im Supermarkt, ehe das passiert ist. Am Sonntag hat mir mein Schwiegersohn etwas Brot gebracht, denn meins war schimmelig.“ Doch der Schwiegersohn könne nur bedingt einspringen: „Er wohnt in Köln.“ Ihren Ersatz-Rollator hat Antje Schnittker jetzt unten im Treppenhaus geparkt, weil sie ihn schlecht mit in die Wohnung schleppen kann: „Ich bete jeden Tag, dass er nicht gestohlen wird.“

LEG will Entschädigungen prüfen

Der Vater von Markus Heuer, der die 18 Stufen bis in seine Wohnung in der ersten Etage allein zu Fuß kaum noch schafft, liegt mittlerweile im Krankenhaus. „Er bekommt ohnehin schlecht Luft und dazu die ganze Aufregung: Das war einfach zu viel für ihn.“

Die LEG bedauert den Vorfall: „Für den Ausfall entschuldigen wir uns in aller Form“, sagt Sprecherin Judith-Maria Gillies. „Direkt nach dem Ausfall haben wir die Fahrstuhlfirma mit der Reparatur beauftragt. Hierbei stellte sich heraus, dass die Ursache, ein Defekt in der Elektronik, nicht direkt behoben werden konnte und wir eine weitere Fachfirma beauftragen mussten.“ Diese werde den Aufzug voraussichtlich „am Freitag instand setzen“.

Seit Dienstag weisen Aushänge an den defekten Fahrstühlen darauf hin, dass den Mietern nach vorheriger Anmeldung ein Tragedienst für Einkäufe und schwere Lasten zur Verfügung stehe. „Für die Dauer des Ausfalls prüfen wir individuell, welche Entschädigungen wir zahlen können“, so die Sprecherin.

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