"24 Stunden"

Wie die Arbeit als Produktentwickler bei Warsteiner ist

Im Haltbarkeitsraum der Warsteiner Brauerei werden die Flaschen getestet. Michael Thon schaut regelmäßig nach, ob

Im Haltbarkeitsraum der Warsteiner Brauerei werden die Flaschen getestet. Michael Thon schaut regelmäßig nach, ob

Foto: Laura Handke

Warstein.   9 Uhr: Michael Thon arbeitet als Produktentwickler bei der Warsteiner Brauerei – und Kreativität steht bei ihm auf dem Tagesplan.

Punkt neun Uhr. Michael Thon ist auf dem Weg in die Versuchsbrauerei, unterwegs legt er einen kleinen Stopp im Haltbarkeitsraum ein. Er betätigt den Lichtschalter. Es wird hell. Mehrere Reihen von Regalen leuchten auf. In ihnen stehen zahlreiche Flaschen, die mit Etiketten versehen sind. Sie sind nach Wochen geordnet – und nach Haltbarkeitsdatum. „In diesem Raum testen wir, wie die Biere die Lagerung bei warmer oder kalter Luft vertragen – und ob das Haltbarkeitsdatum passt“, sagt Michael Thon.

Seit 33 Jahren arbeitet er schon bei der Warsteiner Brauerei, 1985 hat er dort seine Ausbildung zum Brauer und Mälzer gemacht, dann rund zwölf Jahre in der Produktion gearbeitet, bevor er in den Forschungsbereich der Brauerei gewechselt ist. Jetzt entwickelt er Produkte, braut neue Rezepturen, lässt Analysen von Proben erstellen – und kein Tag sieht bei ihm aus wie der andere.

Ein Jahr Vorlaufzeit

„Jeder Tag ist spannend und ich habe ganz unterschiedliche Aufgaben“, sagt der 49-Jährige. Bereits jetzt geht es los, mit der Produktentwicklung für das kommende Jahr. Der Entwicklungsprozess kann nämlich dauern, bis der Geschmack des Verbrauchers getroffen ist.

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Reportage zum Tag der Arbeit.
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„In die Entwicklung neuer Produkte bin aber nicht nur ich involviert, es ist eine Zusammenarbeit mit dem Marketing, der Unternehmenskommunikation, Produktion, Qualitätssicherung und den Lieferanten, um nur einige zu nennen.“ Gibt es eine Idee, entwickelt Michael Thon eine Rezeptur, in einem kleinen Maßstab wird sie in der Versuchsbrauerei gebraut, „es ist quasi mein zweiter Arbeitsplatz, ich verbringe hier sehr viel Zeit“, sagt der Produktentwickler.

Denn in der Versuchsbrauerei kann der normale Produktionsbetrieb simuliert werden – allerdings in deutlich kleineren Mengen: Anstatt 600 Hektolitern werden hier pro Sud nur fünf Hektoliter produziert. „Optimal, um neue Produkte zu testen“, beschreibt Thon. Entwickelt sich ein Produkt nicht so wie erhofft, ist der Verlust kleiner. „Es ist also mit deutlich weniger Risiko verbunden. Früher war das anders“, weiß der gelernte Brauer und Mälzer.

Qualität sicherstellen

Mit einem kleinen Behälter steht Michael Thon am Tank, zapft eine Probe ab, macht sich auf den Weg ins Labor. Am Tag legt er schon mal gut acht bis zehn Kilometer zu Fuß zurück. Er geht über den Hof, durch eine Tür, zwei Treppen hoch, einen langen Gang entlang, durch die technisch- chemische Abteilung bis zum Labor. Viel Betrieb.

Michael Thon gibt die Probe bei einem Kollegen ab, der das Bier auf verschiedene Aspekte und seine Qualität testet.Alles in Ordnung.

Dann steht eine Verkostung auf dem Programm. „Eigentlich gibt es die fast jeden Tag gegen 10.30 Uhr“, sagt Thon. Die Verkoster testen das Bier zum Beispiel auf Geschmack, Geruch, Vollmundigkeit oder den Gesamteindruck. „Insgesamt fragen wir 46 Kriterien ab“ – auch Michael Thon ist bei den Verkostungen immer wieder dabei. Auch eine Maßnahme, um sicherzustellen, dass die Produkte immer gleich schmecken. „Mit jeder neuen Rohstoffernte müssen wir sicherstellen, dass unsere Produkte immer auf gleichem Niveau sind.“ Drei Proben stehen vor Michael Thon auf dem Tisch. Er nimmt einen kleinen Schluck, trägt etwas im Computer ein. Gar nicht so leicht, Dinge rauszuschmecken, sie zu benennen – eine wichtige Aufgabe, denn der menschliche Geschmackssinn ist durch nichts zu ersetzen, weiß der Produktentwickler.

Wenn alles passt, wird das Produkt der Geschäftsleitung vorgestellt, mit der ersten Produktion und Abfüllung ist Michael Thons Job erledigt. Aber Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht, denn die nächsten Projekte warten bereits...

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