Einkaufen vor Ort

In Warstein werden Frauen-Träume wahr

Melanie Risse-Goesmann und Andreas Goesmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Fachgeschäfts für Braut- und Abendmoden mit Schwerpunkt auf Königinnen- und Hofstaatskleider in Warstein.

Melanie Risse-Goesmann und Andreas Goesmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Fachgeschäfts für Braut- und Abendmoden mit Schwerpunkt auf Königinnen- und Hofstaatskleider in Warstein.

Foto: WP

Warstein.   Im Braut- und Abendmoden-Geschäft Goesmann erfüllen sich Frauen Träume – sei es als Schützenkönigin oder als Braut. Angefangen hat alles vor 21 Jahren mit einem geplanten Second-Hand-Verkauf. Die Zeit ist lange vorbei, heute kommen Käufer von weither nach Warstein.

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„Es haben sich schon Kundinnen bei uns geschlagen.“ Ob Schützenköniginnen oder angehende Bräute – eigentlich erfüllen sich Frauen im Braut- und Abendmoden-Geschäft Goesmann Träume, kaufen Kleider für ganz besondere Anlässe. Wüste Prügeleien passen da nicht recht ins Bild. Doch Inhaber Andreas Goesmann scherzt nicht, ein spezieller Schützenbrauch aus dem Paderborner Umland hat schon einmal zum Äußersten geführt. „Da tragen alle Hofdamen das gleiche Kleid“, erklärt Goesmann. Junge und Alte, Dicke und Dünne, Blonde und Brünette müssen sich auf ein Modell einigen – das birgt Aggressionspotenzial.

In der Regel verläuft ein Tag im Laden von Andreas Goesmann und seiner Schwester Melanie Risse-Goesmann aber deutlich harmonischer. Das Obergeschoss wurde erst im Winter zur Braut-Etage ausgebaut, im Erdgeschoss hängen die Schützenfest- und Abendkleider in allen Größen und Farben. „Im Sommer über 2000 Stück“, sagt Andreas Goesmann stolz.

Start vor 21 Jahren

Angefangen hat alles vor 21 Jahren viel kleiner, als Elisabeth Goesmann mit ihrer Änderungsschneiderei in ein neues Ladenlokal an der Hauptstraße gezogen ist. „Die Idee war damals ein Second-Hand-Verkauf von Braut- und Festmode“, erinnert sich Sohn Andreas. „Aber unsere Rolle wäre dann sehr passiv gewesen.“ Familie Goesmann wollte die Attraktivität des Warenangebots selbst in der Hand haben. „Also sind wir mit einer Mischform angefangen.“ In den folgenden Jahren wuchs der Laden immer weiter – bis hin zum Umzug ins Domcenter vor sieben Jahren. „Zeitgleich haben damals meine Schwester und ich das Geschäft übernommen.“

Heute gibt es längst nur noch Neuware – und kein Warsteiner Geschäft wirkt in eine so große Region hinein. „Unsere Kunden kommen aus einem Gebiet zwischen Recklinghausen und Warburg sowie zwischen Bielefeld und Olpe“, sagt Andreas Goesmann. Die wichtigsten Konkurrenten sitzen in Brilon und Lennestadt, Paderborn und Dortmund.

Die vorerst letzte Geschäftsvergrößerung erfolgte im vergangenen Winter mit der Einrichtung der Braut-Etage. „Das Geschäft mit Hochzeitskleidern war früher auf Januar und Februar begrenzt“, erklärt Andreas Goesmann die Beweggründe. „Heutzutage herrscht ganzjährig Nachfrage.“ Insbesondere die Monate nach den Sommerferien seien für Hochzeiten immer beliebter geworden. „Da fällt der Kleiderkauf dann aber genau in die Schützensaison“, sagt Goesmann. „Und deswegen wollten wir beide Abteilungen stärker voneinander trennen.“

Ideen aus London

Auf einer Hochzeitsmesse in London haben sich die Geschwister erst vor wenigen Wochen Ideen für das kommende Jahr geholt und den einen oder anderen Vertrag abgeschlossen. Schlichte, schmal geschnittene Chiffonkleider lagen dort im Trend, aber in Warstein werden auch opulentere Hochzeitsroben noch verkauft, berichtet Andreas Goesmann. „Wir merken, dass es immer eine Saison dauert, bis Trends aus den Städten zu uns durchsickern.“

Der wichtigere Geschäftszweig sind jedoch eh die Schützenfestkleider. „Unser Herz hängt an den Königinnenkleidern“, so der Unternehmer. „Darüber spricht man im Sauerland – und bei der Parade kommt es darauf an.“ Die EDV verhindert, dass das gleiche Kleid zweimal in denselben Ort verkauft wird.

Einen internationalen Markt für Kleider dieser Art gebe es gar nicht, klärt Andreas Goesmann auf. „Wir suchen deshalb Hochzeitskleider aus und bestellen sie in Farbe.“ Mit vielen Lieferanten habe man Exklusivverträge für das Sauerland oder ganz Deutschland abgeschlossen.

Stolz sind Melanie Risse-Goesmann und Andreas Goesmann auf die hauseigene Schneiderei, die noch an die Anfänge des Unternehmens erinnert. Sechs Vollzeit-Schneiderinnen arbeiten am Domring, im Sommer springen zudem erfahrene Aushilfen ein. Damit können Kleider auch in letzter Sekunde noch passend gemacht werden, zum Beispiel wenn an Pfingsten rund 50 Schützenvereine im Sauerland gleichzeitig feiern.

Um die allergrößte Hektik zu vermeiden, hat Familie Goesmann eine simple Lösung gefunden: Angehende Schützenköniginnen suchen sich bereits in der Woche vor dem Fest ihr Traumkleid aus und reservieren es. „Dann müssen sie es im Erfolgsfall nur noch abholen.“

Und auch für ausufernde Diskussionen unter Paderborner Hofdamen ist längst eine Lösung gefunden. Aus Erfahrung weiß Andreas Goesmann inzwischen: „Wenn zwei oder drei Männer mitkommen, reißen sich die Damen zusammen.“

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