Eine Ära im LWL endet

Dr. Leßmann nimmt Hut als Ärztlicher Direktor

Verabschiedung von Dr. Josef Leßmann

Foto: Tanja Frohne

Verabschiedung von Dr. Josef Leßmann Foto: Tanja Frohne

Warstein.  21 Jahre lang war er Ärztlicher Direktor der LWL-Klinik, jetzt nahm Dr. Josef Leßmann seinen Hut als Chef - der LWL-Klinik bleibt er aber treu.

Wenn die Gästeliste lang und dazu noch hochkarätig besetzt ist, ist dies ein deutliches Zeichen der Wertschätzung. Anerkennung, die Dr. Josef Leßmann gestern bei seiner Verabschiedung als Ärztlicher Direktor der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt verdient hatte, gab er der Klinik durch sein Schaffen doch eine eigene Prägung.

Diese Hochachtung schlug sich nicht nur in den Gästezahlen, selbst aus Berlin waren diese angereist, nieder, sondern vor allem in den Festreden, in denen Leßmann nicht nur als Arzt, sondern vor allem als Mensch beleuchtet wurde.

Vor allem Dr. Ewald Rahn, der Tür an Tür mit dem scheidenden Ärztlichen Direktor gearbeitet hat, konnte da aus dem Nähkästchen plaudern, erzählte, dass sein Kollege an Karneval immer verkleidet zum Dienst erschien – selbst für ihn als Kölner ungewohnt. „Er ist ein westfälischer Patriot, das prägt seine Identität.“ Eine Eigenschaft, die ihm auch geholfen habe, als er die Klinikleitung übernahm, sah es doch vor 21 Jahren wenig rosig aus. „Die Klinik stand ein bisschen auf der Abschussliste.“ Doch mit Leßmanns „Jetzt erst recht“-Einstellung habe sich das Blatt gewendet. Prognosen, die damals das Ende der Klinik einläuten wollten, habe man gemeinsam ein Schnippchen geschlagen. „Seine Leidenschaft, Bestehendes durch Veränderungen zu erhalten, hat eine Ära geprägt.“

Struktur und Toleranz zeichnen Leßmann aus

Weitere Eigenschaften, die er an Leßmann schätzt, führte Dr. Stefan Bender, Sprecher des Arbeitskreises Ärztlicher Direktoren, dem der Scheidende angehörte, an. Einerseits seien Verlässlichkeit, Beständigkeit und Struktur – Leßmanns viel gehörtes Lieblings-Schlagwort – bestechende Merkmale seines westfälisch-preußischen Charakters, andererseits zeichne ihn auch eine fast mediterrane Lockerheit und Flexibilität aus – „das ist die Leßmannsche Melange“.

Flexibilität – die zeichnet Leßmann nicht nur als Privatmensch, hier habe er sich etwa vom Hundehasser zum -liebhaber gewandelt, aus, sondern auch beruflich. „Auch in schwierigen Zeiten hat er das Ruder nie aus der Hand gegeben. Er hat kluge und nachhaltige Entscheidungen getroffen und dafür gesorgt, dass die Fusion von Warstein und Lippstadt erfolgreich verlaufen ist und beide Kliniken florieren.“

Dies honorierte auch LWL-Direktor Matthias Löb in seinem Festvortrag. „Er hat es als Leiter beider Einrichtungen geschafft, eine ausgewogene Entwicklung hinzukriegen. Er hat ein besonderes Gespür gehabt, dass keiner der Standorte hinten rüber fällt.“ Dabei sei Leßmann auch immer ein echter Teamplayer gewesen, der seinen Mitarbeitern Freiräume gelassen habe, eigene Ideen zu entwickeln.

Den Dank seiner Gratulanten gab Dr. Leßmann gerne zurück, stellte in seiner Rede seine Familie, vor allem aber die Menschen, mit denen er zusammengearbeitet und die ihn auch ertragen hätten – „ich kann sehr anstrengend sein und ein großer Störenfried“ – heraus. Treffen werden sie ihn auf dem Klinikgelände auch in Zukunft, was auch seinen Nachfolger Dr. Volkmar Sippel beruhigt. „Wenn ich Hilfe brauche, stelle ich einfach einen Turnschuh vor dein Büro“ – und für Monika Leßmann hatte er einen Pantoffel mitgebracht, den könne sie aufstellen, wenn sie ihren Mann auch einmal zu Hause haben möchte.

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