Mobilität

Vestische: Durch E-Busse entstehen hohe Mehrkosten

Die Linie 258 – hier auf der Landstraße – fährt nach Horst. Bald könnte der Bus batteriebetrieben fahren.

Die Linie 258 – hier auf der Landstraße – fährt nach Horst. Bald könnte der Bus batteriebetrieben fahren.

Foto: Heinrich Jung

Gladbeck.  Eine neue EU-Richtlinie zwingt auch die Vestische, im großen Stil die Busse umzurüsten. Das ÖPNV-Unternehmen bezweifelt den ökologischen Nutzen.

Die Vestische befürchtet durch eine neue Richtlinie der Europäischen Union (EU) hohe Mehrkosten – die möglicherweise das Busfahren verteuert. Die Richtlinie zwingt Nahverkehrsunternehmen wie die Vestische Straßenbahnen GmbH zum Umstieg auf E-Mobilität. Das ist nach Einschätzung von Fachleuten mit hohen Investitionen und Kosten für den ohnehin defizitären öffentlichen Nahverkehr verbunden. Und die Ökobilanz werde dabei nicht verbessert, sagt Martin Schmidt, Geschäftsführer der Vestischen in Herten.

Die „Clean Vehicles Directive“ (CVD) ist vor Ostern vom EU-Parlament verabschiedet worden. Die Richtlinie, die innerhalb von 24 Monaten in den EU-Staaten umgesetzt werden muss, macht klare Vorgaben: Bis 2025 müssen mindestens 22,5 Prozent aller Busse, die neu angeschafft werden, emissionsfrei fahren. Danach (bis 2030) steigt die Quote auf 32,5 Prozent. Diese Voraussetzungen erfüllen nur Batterie-, Oberleitungs- oder Brennstoffzellen-Busse.

Vestische ordert bis 2012 noch 38 Diesel-Busse

Die Buslinie 259 der Vestischen – hier am Gladbecker Markt – fährt von Bottrop über Gladbeck nach Horst. Oliver Mengedoht left Die Vestische wird nach eigenen Angaben bis 2020 noch 38 Euro-6-Diesel ordern. Spätestens 2021, wenn die neue Richtlinie gilt, müssen Gesellschafter und Aufsichtsrat entscheiden, auf welche Technik sie setzen: Batterie oder Brennstoffzelle. Mit beiden Alternativen lässt sich nach Einschätzung von Geschäftsführer Martin Schmidt ein zuverlässiger Linienbus-Betrieb derzeit nicht gewährleisten.

Auch der Deutsche Städtetag verweist darauf, dass es nur wenige marktreife Modelle für emissionsfreie Busse gebe. Schmidt, der sich im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) als Fachausschussvorsitzender mit dieser Thematik beschäftigt, rechnet u. a. wegen der Störungsanfälligkeit mit 40 Prozent höheren Betriebskosten für E-Fahrzeuge. Das Institut für angewandte Nutzfahrzeugforschung der Hochschule Landshut kommt in einem Gutachten zu dem Ergebnis, dass der „Ausschluss der hoch sauberen Verbrennungsmotortechnik unter ökologischen und erst recht ökonomischen Gesichtspunkten nicht gerechtfertigt“ sei.

Unternehmen plädiert für Attraktivitätssteigerung des ÖPNV

Tatsächlich sind E-Busse in der Anschaffung doppelt so teuer wie Diesel-Standardbusse. Hohe Investitionen sind auch in Betriebshöfe und Ladeinfrastruktur erforderlich. Für das gesamte Paket gibt es allerdings (noch) hohe staatliche Zuschüsse.

Ob E-Fahrzeuge tatsächlich klimafreundlicher sind als moderne Dieselmotoren, darüber streiten die Experten, u.a. mit Verweis auf den noch hohen Anteil fossiler Brennstoffe bei der Stromerzeugung. Statt einer E-Zwangsquote fordert Vestische-Geschäftsführer Martin Schmidt höhere Investitionen in die Attraktivität des Nahverkehrs, um Autofahrer zum Umstieg auf Bus und Bahn zu bewegen. „Das wäre ein echter Gewinn fürs Klima, aber dafür wird dann kein Geld mehr vorhanden sein.“

Der erste E-Bus der Vestischen fährt ab Sommer

Die Vestische betreibt 161 Buslinien, davon zwölf in Gladbeck. Auf den meisten dieser Strecken (78 Prozent) legen die Wagen 250 bis 400 Kilometer zurück, ehe sie zurück ins Depot fahren. Vor allem im Norden des Kreises Recklinghausen haben die Fahrer weites Land vor sich.

Für Elektro-Busse mit begrenzten Batteriekapazitäten ist das Bedienungsgebiet der Vestischen deshalb eher kein geeignetes Terrain. Diese Auffassung vertreten jedenfalls Martin Schmidt, Geschäftsführer des Nahverkehrsunternehmens, und Aufsichtsratsvorsitzender Cay Süberkrüb, Landrat des Kreises Recklinghausen.

Der Brennstoffzellen-Bus eine Alternative

Gleichwohl wird die Vestische ab Sommer mit einem eigenen Elektrobus in den Praxistest gehen. Rollen wird dieser Elektrobus auf der Linie 979 von Bottrop nach Oberhausen-Sterkrade. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Oberhausener Verkehrsunternehmen Stoag. Für die Vestische ist das Projekt kostenneutral.

Wegen des weiten Bedienungsgebietes ist auch der Brennstoffzellen-Bus eine Alternative für die Vestische. Diese mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeuge haben eine deutlich größere Reichweite als Batterie-Busse und gelten ebenso als emissionsfrei. Eine Wasserstoff-Pipeline des Unternehmens Air Liquide verläuft genau in der Nähe des Hertener Betriebshofes. „Wir sind im Gespräch darüber, wie wir diese für eine Wasserstoff-Tankstelle nutzen können“, berichtet Schmidt. Allerdings seien auch Brennstoffzellen-Busse technisch noch nicht ausgereift und mit bis zu einer Million Euro noch teurer als die Batterie-Variante.

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