So war der Tag in der Tafel

Für die Helfer geht es weiter

Ein Verkaufsnachmittag bei der Marler Tafel. Lokalchefin Martina Möller (links) hat bei der Ausgabe geholfen und einen Einblick darin erhalten, was die Ehrenamtlichen Woche für Woche leisten.

Foto: Torsten Janfeld

Ein Verkaufsnachmittag bei der Marler Tafel. Lokalchefin Martina Möller (links) hat bei der Ausgabe geholfen und einen Einblick darin erhalten, was die Ehrenamtlichen Woche für Woche leisten. Foto: Torsten Janfeld

Marl.  Am Freitag herrschte wieder Alltag bei der Marler Tafel. 72 Kunden kamen zum Einkaufen. Nicht besonders viel, aber das kann auch an den eisigen Temperaturen liegen - oder daran, dass am Monatsanfang noch Geld auf dem Konto ist. Wir haben die Helfer begleitet.

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Auffällig ist, es gibt keine lange Schlange vor der Tür, manchmal warten die Familien sonst eine Stunde lang, bis sie an der Reihe sind. "Es ist zu kalt", sagt Helferin Edeltraut Hartelt. "Es Monatsanfang, da kommen weniger Leute zu uns", meint Heidi Oeftger. "Da gehen sie noch zum Discounter."

92 eingetragene Kunden könnten heute theoretisch einkaufen, so viele wie vor zwei Wochen da waren. Die Liste liegt bei Erika Hartelt an der Kasse. Im Büro hat Norbert Burda noch eine weitere mit Namen von Familien und Alleinstehenden, die Tafelkunden werden wollen. "Wir mussten sie alle nach Hause schicken, weil nicht genug Ware da ist", erklärt Burda. "Aber nach vier Wochen können sie wieder nachfragen."
Die Tafelvorsitzende Renate Kampe und Schatzmeister Peter Cremer wirken gelassen. "Da haben wir was losgetreten", sagt Renate Kampe, auf das bundesweite Medienecho angesprochen. "Wir sind jetzt berühmt", scherzt Heidi Oeftger. Sie hat Anrufe von der Verwandtschaft aus Norddeutschland bekommen.
Ganz offensichtlich sind die Frauen im Laden ein eingespieltes Team. Fast alle sind im Rentenalter. Stammkunden seit Jahren Die Regale sind voll. Die ersten Kunden kommen mit großen Einkaufstaschen herein. Jeder bekommt einen Zettel mit Namen und der Anzahl der Personen, die versorgt werden. "Bitte fotografiert uns nicht von vorn", sagt eine Kundin. Eine andere ist mit ihrer Tochter seit "ich weiß nicht wie lange" Stammkundin. Sie packt Brot, Brötchen und Kuchen ein, während Tochter Sabrina mit dem Tafel-Helferinnen schäkert und ein paar Süßigkeiten bekommt - das kennt sie von den netten Damen.

Es herrscht Betriebsamkeit, aber keine Hektik. Alle sind freundlich. Das ist nicht immer so, berichten die Frauen später. Heute können sie lachen, als ein älterer Herr beherzt seinen Stock über die Theke schwingt und aufs Gemüse zeigt. Er spricht kein Deutsch.

"Ich möchte gern scharfe Paprika", bittet eine Kundin. Aber es gibt keine scharfen Paprika, auch keine Zwiebeln und vom Joghurt bekommt sie auch viel weniger als sonst. "Trotzdem vielen Dank", sagt sie. Ein junger Mann redet sich bei Sabine Laß seinen Frust von der Seele. Sie hört geduldig zu und fragt zwischendurch ab, was er kaufen möchte.

Aus dem Vorrat bringen die Männer der Tafel Nachschub für die Regale: Rosenkohl, Brokkoli, noch mehr Champignons. Sie füllen den Kühlschrank auf. Aber Fleisch, Wurst und Käse sind an diesem Freitag Mangelware.

72 Tafelkunden kaufen an diesem Freitag ein. Um 16.30 Uhr sind noch wenige im Laden und die Regale fast leer. "Manche Kunden glauben gar nicht, dass wir dafür kein Geld bekommen", sagt die Heidi Oeftger. Das kann man nicht oft genug sagen. Die Tafelhelfer arbeiten ehrenamtlich!
74 Namen stehen in der Kundenkartei der Marler Tafel, hinter den meisten verbergen sich Mehr-Personen-Haushalte. 32 Prozent der aktuellen Tafelkunden sind Deutsche. Die meisten ausländischen Kunden stammen aus Syrien, Afghanistan und Irak.
Rund 350 Kunden kaufen regelmäßig ein, zwischen 80 und 90 sind es an einem durchschnittlichen Einkaufstag. Am Freitag kamen 72.
Der Tafelladen, Lipper Weg 71, ist dienstags und freitags 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Die Tafel sucht ständig Helfer, zurzeit vor allem Fahrer, und ist auf Spenden angewiesen. Infos: Tel. 20 28 10
E-Mail: info@marler-tafel.de

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