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Warum bei Rutec Menschen mit Handicap eine Chance bekommen

Der hörgeschädigte Bülent Yilmaz (M.) arbeitet bei der Firma Rutec. Die Integrationbeauftragte Helga Bretzk (r.) hilft bei Problemen. Die Geschäftsführer Erdal Dogru (l.) und Baran Demir fördern die Inklusion in ihrem Betrieb.

Der hörgeschädigte Bülent Yilmaz (M.) arbeitet bei der Firma Rutec. Die Integrationbeauftragte Helga Bretzk (r.) hilft bei Problemen. Die Geschäftsführer Erdal Dogru (l.) und Baran Demir fördern die Inklusion in ihrem Betrieb.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert.  Das Velberter Metallverarbeitungsunternehmen hat mehrere Beschäftigte mit Behinderungen. Es will andere Firmen ermutigen, ebenfalls so zu handeln.

Erdal Dogru war zunächst skeptisch. Würde es gelingen, einen behinderten Mitarbeiter in seinen Metallverarbeitungsbetrieb zu integrieren?“ fragte sich der Geschäftsführer der Velberter Firma Rutec. Gemeinsam mit seiner Schwester und Mit-Geschäftsführerin Baran Demir entschied er sich vor acht Jahren, den Versuch zu wagen. Und die Beiden haben es nicht bereut. Im Gegenteil, sie wollen anderen Mut machen, diesen Schritt ebenfalls zu gehen.

Acht Jahre ist es nun schon her, dass die Firma einen gehörlosen Mitarbeiter eingestellt hat, der wegen seiner Einschränkung auch kaum sprechen kann. „Wir sind froh, dass wir ihn eingestellt haben“, erklärt Erdal Dogru. Er sei ein Super-Mitarbeiter. Er ist in der mechanischen Bearbeitung von Metall eingesetzt, zumeist als Schleifer. Er sei aber auch flexibel an anderen Arbeitsplätzen einsetzbar.

Nur wenige Verständigungsprobleme

Die anderen Mitarbeiter der Firma haben sich an den gehandicapten Mitarbeiter gewöhnt, im Alltag kommunizieren sie mit Händen und Füßen. Alle zwei Wochen kommt eine Gebärdendolmetscherin, die dann die etwas komplizierteren Sachverhalte übersetzt. Keinerlei Verständigungsprobleme gab es übrigens beim Betriebsfest und bei einem Betriebsausflug zum Moviepark in Bottrop.

Einen weiteren gehörlosen Mitarbeiter eingestellt

Der Mitarbeiter hat die Geschäftsführung derart überzeugt, dass sie vor gut einem Jahr einen weiteren gehörlosen Mitarbeiter eingestellt hat. „Er ist unser Sonnenschein in der Firma. Er hat stets gute Laune“, sagt Erdal Dogru. Der Mitarbeiter, der ebenfalls in de Metallbearbeitung tätig ist, sei supermotiviert und nähme jeden Morgen eine lange Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Kauf. „Der Mann kam sogar im Urlaub vorbei, um zu schauen, ob wir auch richtig arbeiten“, sagt der Geschäftsführer lächelnd.

Arbeitsplätze wurden speziell ausgestattet

Für die beiden gehörlosen Mitarbeiter wurden spezielle Arbeitsplätze eingerichtet. „Sie haben Spiegel, damit die beiden Männer sehen können, wer sich von hinten nähert“, erklärt Baran Demir. Ansonsten verdienten die beiden Mitarbeiter dasselbe, wie die übrigen Kollegen. Zu Beginn habe es einen Lohnzuschuss vom Amt gegeben, ansonsten würden sie ganz normal bezahlt.

Seit einigen Wochen verstärkt ein weiteren Mitarbeiter mit Handicap die rund 40-köpfige Belegschaft von Rutec. Es ist ein geduldeter Flüchtling mit einer Gehbehinderung.

Erdal Dogru und Baran Demir würden auch weitere Menschen mit Behinderungen einstellen. Dogru: „Wir kriegen das hin, das wissen auch die anderen Mitarbeiter.“

Andere Firmen ermutigen

Und sie wollen anderen Arbeitgebern Mut machen, es ihnen gleich zu tun. „Denn diese Menschen geben uns viel zurück. Sie erden einen in gewisser Weise und bringen andere Denkweisen in den Betrieb“. Man müsse sie nehmen, wie sie sind, dann könnten Mitarbeiter und Betrieb von der Zusammenarbeit kooperieren. Die beiden Rutec-Geschäftsführer sind froh, dass sie den Schritt gewagt haben und auch ein wenig stolz darauf, dass sie Menschen mit wenigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt eine gegeben haben.

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