Bürgerbegehren

Velberter stoppten vor 20 Jahren Waikiki-Pläne der Stadt

So sieht das Parkbad heute aus. Hier sollte nach Plänen der Stadt  vor 20 Jahren eigentlich ein Erlebnisbad entstanden sein.

So sieht das Parkbad heute aus. Hier sollte nach Plänen der Stadt vor 20 Jahren eigentlich ein Erlebnisbad entstanden sein.

Foto: Foto: Alexandra Roth

Velbert-Mitte.   Mit einem Bürgerbegehren ließen Velberter Bürger die Träume der Stadt von einem großen Spaßbad platzen. Im Nachhinein eine richtige Entscheidung.

Genau 20 Jahre ist es her, seit Velberter Bürger die Waikiki-Pläne der Stadt für ein Erlebnisbad gestoppt haben – mit einem Bürgerbegehren.

Das alte Schwimmbad der Stadt an der Parkstraße war in die Jahre gekommen, Hallen- und Freibad hätten gründlich saniert werden müssen. Die Verantwortlichen in der Stadt aber wollten stattdessen ein ganz neues Spaßbad, Waikiki, eben. Solche Bäder schossen in der Zeit wie Pilze aus dem Boden. Dieses neue Erlebnisbad mit Sauna, Rutschturm, Tauchturm, Eislauffläche und Gastronomie sollte Besucher aus einem Umkreis von 50 Kilometern anlocken. Ein Investor sollte das Bad dann betreiben. Im Spätsommer 1998 fiel der Ratsbeschluss für das neue Bad.

Nach einer Info-Veranstaltung von Rat und Verwaltung sahen viele Bürger und Anwohner diese Entwicklung mit einem unguten Gefühl. Die Eintrittspreise wären deutlich höher als in dem alten städtischen Bad gewesen, auch wurde die Rentabilität bezweifelt.

8809 Velberter unterschrieben für das Bürgerbegehren

Aus dieser Sorge entwickelte sich eine Bürgerinitiative. Ihr Ziel war es einen Bürgerentscheid zu erreichen, der dann im Dezember 1998 vom Rat der Stadt beschlossen wurde. Dazu mussten zehn Prozent der Velberter Wahlberechtigten ihre Unterstützung kundtun, also etwas 6800 Bürger.

Die Bürgerinitiative, insgesamt sechs Velberter initiierten sie, sammelte fleißig in allen drei Stadtbezirken und bekam schließlich deutlich mehr Stimmen als nötig zusammen: 8809.

Der Investor war längst abgesprungen

Im April versuchte die Bürgerinitiative dann noch einmal, ihre Bedenken zu Gehör zu bringen. Es ging um die Verkehrsbelastung, den Parkraum und die angeblichen Synergien, die das Spaßbad für die Kaufkraft der Stadt bringen sollte. „Außerdem hatten wir herausgefunden, dass der Investor abgesprungen war. Das wussten selbst viele Ratsmitglieder nicht,“ erinnert sich Helmut Müller einer der Initiatoren des Begehrens.

Die Abstimmung pro und contra Waikiki fand dann zusammen mit der Europawahl am 13. Juni 1999 statt. Mit 25,46 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten wurde das Spaßbad gestoppt. Somit hatte gleich der erste Bürgerentscheid in Velbert Erfolg. Statt eines Spaßbades wurde ein Hallen-Freibad gebaut, dass noch heute gern besucht wird. „Das war ein voller Erfolg für die demokratische Mitbestimmung“, sagt Helmut Müller von der Bürgerinitiative.

Viele Spaßbäder sind mittlerweile pleite

Und selbst die Stadtverwaltung dürfte heute froh sein, dass die Spaßbad-Träume damals geplatzt sind. Denn viele große Erlebnisbäder in der näheren Umgebung sind pleite – siehe Bergische Sonne in Wuppertal oder das Aquadrom in Bochum. Seit 2012 ist die Bergische Sonne geschlossen und gammelt seitdem vor sich hin. Nun soll dort ein Gewerbegebiet oder Wohnbebauung entstehen.

Die Bürgerinitiative trifft sich auch heute, 20 Jahre nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid, noch regelmäßig und diskutiert die anstehenden Themen der Stadt. Helmut Müller hat sich nach den Erfahrungen mit der Bürgerinitiative in den Rat wählen lassen.

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