Kultur

Velberter Musiker lassen Vogelstimmen erklingen

Das vierte Konzert aus der Reihe „Sommerkonzerte Am Berg“ in der Apostelkirche stand unter dem Titel „Gesang von Stieglitz und Nachtigall“. Dr. Helfried Waleczek (von links, Cembalo), Birgt Saeger (Violoncello) und Sigrid Wagner-Schluckebier (Blockflöte) musizierten.

Das vierte Konzert aus der Reihe „Sommerkonzerte Am Berg“ in der Apostelkirche stand unter dem Titel „Gesang von Stieglitz und Nachtigall“. Dr. Helfried Waleczek (von links, Cembalo), Birgt Saeger (Violoncello) und Sigrid Wagner-Schluckebier (Blockflöte) musizierten.

Foto: Ulrich Bangert / FUNKE Foto Services

Velbert-Mitte.  Die Reihe der „Sommerkonzerte Am Berg“ in der Velberter Apostelkirche ging in die vierte Runde. Die Musiker ließen Vogelstimmen erklingen.

Was haben Distelfink und Blockflöte gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts, doch denkt man ein wenig weiter und kommt etwas Fantasie dazu, landet man schnell in der Welt der Musik, und die Frage dürfte sich dann eigentlich von selbst beantworten.

Wer hingegen Musik und Natur so treffend wie der Komponist Vivaldi in seiner Musik zusammenführt (beim Konzert „Der Distelfink“), liefert uns Hörern den Beweis dafür, wie sehr die Kongruenz zwischen beiden deutlich werden kann. Den jubilierenden Melodien sind keine Grenzen beschieden, und es deutet sich hier und da an, dass eine Blockflöte sogar ihrem „Vorbild“, dem Distelfink, den Rang ablaufen kann.

Ein besonderer Abend mit barocker Musik

Mit diesem kurzen Gedankenspiel wollen wir, ausgehend von Vivaldis virtuosem „Konzert für Sopranino“, genannt „Der Distelfink“, an das vierte der Sommerkonzertreihe „Am Berg“ in der Apostelkirche erinnern. Wiederum ein besonderer Abend, den die Mitwirkenden Sigrid Wagner-Schluckebier (Blockflöten), Birgitt Saeger (Violoncello) und Dr. Helfried Waleczek (Orgel und Cembalo) unter das Motto „Gesang von Distelfink und Nachtigall - Virtuoses Barock“ gestellt hatten.

Und es erklangen Perlen herrlicher, unbeschwerter und ausgesprochen heiterer Tonbeispiele, allesamt zu einer Zeit entstanden, welche der Blockflöte noch eine außerordentlich große Bedeutung zugeschrieben hat und danach leider nicht mehr erreicht wurde. Ihr Stern verblasste am Firmament der Musik während nachfolgender Zeiten zu Unrecht. Doch sein Glanz vermag auch heute wieder aufzuleben, liegt die Spielkunst in begabten Händen.

Cello kontrastiert das Blasinstrument

Eine besondere Farbigkeit gelang in diesem Konzert nicht zuletzt dadurch, dass die Flötenwerke mit unterschiedlichen Bauarten des Instruments vom Sopranino bis zur Altblockflöte besetzt waren. Und durch die Präsens eines tiefen Streichinstruments (Cello) war einerseits der übliche Continuo-Bereich abgedeckt, andererseits präsentierte man Beispiele, in denen das Cello dem Blasinstrument virtuos kontrastierend an die Seite gestellt wurde.

Zu konstatieren bleibt, dass jedem der drei Mitwirkenden hohe künstlerische Aufgaben gestellt waren, deren Erfüllung kaum Wünsche offenließ. Bereits zu Beginn konnte man solches an den beiden Triosonaten von Telemann erkennen, in denen das virtuose Wechselspiel mit vertrackten Partien im Laufwerk zum harmonischen Miteinander in gelungener Geschmeidigkeit heranwuchs, oft den Vogelgesang hinter allem erahnen ließ.

Nachtigallgesang mit der Sopranflöte nachgeahmt

Dass Helfried Waleczek sowohl technisch als auch stilsicher mit barocker Musik umzugehen versteht, bewies er im obligat geführten Cembalopart in Bachs Sonate a-Moll sowie vernehmlich auch im „Ricercar für Orgel solo“ des süddeutschen Meisters Pachelbel, damit ebenso der chromatischen Strenge im Tonsatz durch Registerauswahl entgegen wirkend.

Nachtigallgesang zu hören gelingt in freier Natur wohl selten, doch mit van Eycks Solowerk „Engels Nachtegaeltje“ erlebte man eine Nachahmung auf der Sopranflöte, die dem Original sehr nahe kam, eigentlich schöner war als dieses.

Großer Beifall und eine Zugabe

Vivaldis Konzert Nr. 3 „Der Distelfink“ als Meilenstein in der barocken Flötenliteratur markierte den Höhepunkt des Abends: ein Zwitschern und Jubilieren, den Vogelgesang aufs Kunstvollste übertreffend, den die Solistin mit ihrem Instrument hier erreichte, den Geist allergrößter Freude am Leben dabei ausstrahlend.

Was die drei Künstler mit diesem Konzert anboten, war ein harmonisches Miteinander, gepaart mit einem Wissen für die „Handhabung“ barocker Aufführungspraxis in Triobesetzung, nicht zuletzt dann auch hörbar in Corellis „La Follia“ mit all seinen raffinierten doch auch aparten Variationen. – Großer Beifall zum Schluss und eine Zugabe.

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