Kultur in der Bleibergquelle

Konzertlesung mit Samuel Koch zieht Publikum in den Bann

Ein gutes Team: Samuel Koch (Mitte) las aus seinem neuen Buch, Musiker Samuel Harfst plauderte gern zwischen seinen Stücken.

Ein gutes Team: Samuel Koch (Mitte) las aus seinem neuen Buch, Musiker Samuel Harfst plauderte gern zwischen seinen Stücken.

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Services

Samuel Koch, seit einem Unfall bei „Wetten dass“ gelähmt, liest in Velbert aus seinem Buch. Einfühlsam auch die Musik von Samuel Harfst.

Es war ein Abend, der Mut machte. Der nachdenklich stimmte, zuweilen gar ein bisschen demütig, und dabei doch auch fröhlich. Tief bewegt und beeindruckt verließen die Zuschauer am Montagabend den voll besetzten Kirchsaal der Bleibergquelle. Über zwei Stunden lang hatten sie der Konzertlesung „Samuel & Samuel“ gelauscht, hatten dabei gelacht, waren auch plötzlich so leise, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Der Schauspieler Samuel Koch, seit seinem tragischen Unfall 2010 bei „Wetten dass...“ querschnittsgelähmt, las unter anderem aus seinem neuen Buch „StehaufMensch - Was macht uns stark? Kein Resilienz-Ratgeber.“ Musiker und Liedermacher Samuel Harfst beeindruckte dazu mit ebenso persönlichen Songs und Texten. Organisiert hatte die Veranstaltung das Berufskolleg Bleibergquelle.

Unbändiger Lebensmut gepaart mit viel Humor

Seit 2013 gehen die beiden auf Tour, der ehemalige Straßenmusiker Samuel Harfst, der inzwischen bereits acht Alben heraus brachte und der 31-jährige Schauspieler, dessen Schicksal vor neun Jahren eine ganze Nation bewegte: Am 4. Dezember 2010 wollte er in Düsseldorf in der Show „Wetten dass...“ mit speziellen Sprungschuhen im Vorwärtssalto über fünf ihm entgegenfahrende, immer größer werdende Autos springen. Das Unglück geschah am vierten Wagen, den sein Vater steuerte: Samuel Koch knallte auf den Boden und blieb regungslos liegen.

Tetraplegie, so die furchtbare Diagnose, eine Form der Querschnittslähmung, bei der Arme und Beine betroffen sind. Ein Jahr lang kämpfte sich Samuel Koch zurück ins Leben, heiratete später 2016 die Schauspielerin Sarah Elena Timpe. Seit der Spielzeit 2018/2019 hat er ein festes Engagement am Nationaltheater Mannheim. Mit seinem unbändigen Lebensmut, gepaart mit schwarzem Humor, zieht er auf seinen Konzertlesungen immer wieder das Publikum in seinen Bann

Zwei gut aufeinander eingespielte Partner und gute Freunde

Der Musiker Samuel Harfst ist da mehr als ein perfekter Partner für die manchmal leisen, oft auch sehr komischen Texte Samuel Kochs. „Endlich da sein, wo ich bin“, so heißt ein Song aus seinem neuen Album, und auch in Samuel Kochs Geschichten geht es oft darum, etwas anzunehmen, zu akzeptieren. Die beiden passen einfach gut zusammen, und wenn sie da so sitzen und sich auf der Bühne unter der großen Stehlampe unterhalten, dann scheint das mehr zu sein als eine gut gemachte Show für das Publikum.

Gleich das erste Lied mit den Zeilen „Träume, lebe und träume groß, lass die Hoffnung nicht los“ passte ganz wunderbar zu diesem besonderen Abend, den Samuel Koch unter anderen mit den Worten einleitete: „Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Schwierigkeiten. Wenn alles so werden soll, wie man es sich vorgestellt hat, wird alles zum Problem.“ Der Zusammenbruch all seiner Vorstellungen, das sei auch seine Chance gewesen.

Anekdoten mit rabenschwarzem Humor

Immer wieder verblüffend: Samuel Kochs rabenschwarzer Humor. Zum Beispiel die Geschichte, wie er mit seinem Bruder auf der Kirmes in ein ziemlich wildes Fahrgeschäft steigt, Arme und Beine irgendwie befestigt wurden, aber seine Hüfte während der rasanten Fahrt langsam, aber sicher aus dem Gurt rutschte. „Eigentlich ein schöner Tod, dachte ich damals“, witzelte Koch, der kurz zuvor das Publikum mit einer Hommage an seinen Vater berührt hatte. Dessen Liebe sei so groß, so bedingungslos, „so stelle ich mir Gott vor.“

Am Ende gab es tosenden Applaus für ein Duo, das die Kirchhalle der Bleibergquelle zum Leuchten brachte. „Das war einfach stimmig“, meinte Regina Philipsen auf dem Weg zum Ausgang. „Toll, zeitgemäß und religiös“, befanden Bettina Meyer und Detlef Sewing aus Remscheid. Eveline Menkhorst und Sohn Andre kamen extra aus Mönchengladbach, „mein Sohn hat mir das zu Weihnachten geschenkt.“ Und Michaela Thurau aus Neviges sagte nur glücklich : „Ein schöner Abend mit so vielen tollen Gedanken.

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